Der Standort entscheidet über den landwirtschaftlichen Ertrag wie selten zuvor. So fasst Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbands, die vorläufige Erntebilanz zusammen. Eine Bilanz, die schlecht ausfällt. Auch in Bayern würden sich die fehlenden Niederschläge massiv auswirken, so Rukwied. Als Beispiel führt er die Futtermittelernte an. Gerade in Franken sei der Mais in einem ganz schlechten Zustand, sagt Rukwied: "Zum Teil ist er dürr, hat gar keine Kolben ausgebildet, insofern erwarten wir da Ertragseinbußen, an manchen Standorten bis fast hin zum Totalausfall."
Starke regionale Unterschiede auch in Bayern
Rukwieds Satz vom Standort trifft auch innerhalb Bayerns zu. Laut Bayerischem Bauernverband (BBV) sind die Unterschiede "gewaltig". Beispielsweise variiere der Ertrag von Winterweizen je nach Region von 2 bis 10 Tonnen Weizen pro Hektar. Die Qualität dagegen sei bayernweit unauffällig bis gut, so der BBV: "Die diesjährige Getreideernte hat ein Mengenproblem, die Qualitäten sind weitgehend zufriedenstellend."
Kein Gras mehr auf den Wiesen
In vielen Regionen Bayerns wächst seit Wochen kein Gras mehr. Wiesen sind braun und ausgebrannt. Sorgen bereitet zudem laut BBV, dass die oft zum Ausgleich für die Futternutzung angebauten Zwischenfrüchte aufgrund der Trockenheit nicht aufgehen. Viele Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter in Bayern planen daher bereits aktiv die Futterkalkulation bis zur Jahresmitte 2027 und denken über eine Anpassung der Tierbestände nach. Bereits jetzt schlägt sich die erhöhte Abgabebereitschaft bei Schlachtkühen in Preisabschlägen nieder. Hackfleisch wird stellenweise bereits billiger.
Futterzukauf trifft vor allem die Oberpfalz
Nach einer Umfrage des Bayerischen Bauernverbands bewerten knapp 80 Prozent der Betriebe im Freistaat ihre Grünlandflächen als mangelhaft oder gar ungenügend. Bayernweit gaben fast vierzig Prozent der teilnehmenden Landwirte an, bereits jetzt Futter zukaufen zu müssen. Besonders hoch liegt ihr Anteil in der Oberpfalz, wo der Umfrage zufolge mehr als jeder zweite Betrieb Futter zukaufen muss.
BBV-Präsident Felßner: "Bauern brauchen Dürrehilfe!"
Es sei daher wichtig, so sagt es BBV-Präsident Günther Felßner, dass der Freistaat mit zusätzlichen Möglichkeiten zur Futternutzung und mit Erleichterungen beim Futtermittelzukauf reagiert habe. Jetzt brauche es aber auch eine finanzielle Unterstützung für die betroffenen Betriebe. Die Kosten für notwendige Futtermittelzukäufe müssten im Rahmen einer Dürrehilfe bezuschusst werden, sagt Felßner: "Dabei müssen auch die teilweise erheblichen Transportkosten für überregional beschafftes Futter berücksichtigt werden."
Weizenernte unterdurchschnittlich, außer in Schwaben
Bayernweit wurden in den vergangenen Jahren durchschnittlich 7,3 bis 7,5 Tonnen Weizen pro Hektar geerntet. In diesem Jahr sind es laut BBV 6,5 Tonnen. Dem Bayerischen Bauernverband (BBV) zufolge liegen die Erträge des Winterweizens in allen Bezirken mit Ausnahme Schwabens (7,4 Tonnen Weizen pro Hektar) in diesem Jahr unter dem Durchschnitt. Besonders groß sind die Einbußen in Mittelfranken, wo durchschnittlich nur rund 5,8 Tonnen Weizen pro Hektar geerntet wurden (Oberfranken 6 Tonnen pro Hektar, Oberbayern und Oberfranken jeweils 6,3 Tonnen pro Hektar). Auch die Rapsernte fällt unterdurchschnittlich aus: Bayernweit liegt der Rückgang in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren bei etwa 15 Prozent.
Maispflanzen, die wie Zwiebeln aussehen
Stechpalmenartig zusammengerollte Blätter zeigen den Trockenstress beim Mais selbst in Schwaben. Gerade im Norden Bayerns erreichen die Pflanzen laut BBV nicht einmal die Hälfte der üblichen Wuchshöhe. Nach einer BBV-Umfrage unter Landwirten bewerten fast die Hälfte der Befragten ihren Mais mit der Note mangelhaft bis ungenügend. Dabei ist Mais die wichtigste Futterpflanze in Bayern. Die regionalen Unterschiede sind jedoch sehr groß. Auf guten und tiefgründigen Böden mit mehreren Gewitterniederschlägen sind die Bestände dem BBV zufolge noch ordentlich. Auf leichten, sandigen Böden zeigen sich jedoch massive Trockenschäden, bis hin zu absterbenden Pflanzen und Totalausfällen. Dem BBV berichten Landwirte aus Franken von Maispflanzen, die wie Zwiebeln aussehen. Je nach Standort würden Ertragsverluste von 30 bis über 50 Prozent erwartet, in besonders betroffenen Regionen deutlich mehr.
Werden die Pommes kürzer?
Im kommenden Jahr könnten auch die Pommes deutlich kürzer ausfallen, denn die Kartoffelknollen bleiben meist sehr klein. Gemäß dem Bayerischen Bauernverband können sich bewässerte Bestände teilweise noch zufriedenstellend entwickeln. Dagegen seien unbewässerte Bestände teilweise schon abgestorben, so der Bauernverband, der bayernweit bei der unbewässerten Kartoffel Ausfälle von 60 bis 70 Prozent erwartet.
Im Video: Agrarökonom Matin Quaim zu den Ernteausfällen in Bayern
Agrarökonom Matin Quaim im Gespräch mit BR24.
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