Hanna Hansen
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Der Bayerische Verfassungsschutz beobachtet Hanna Hansen.
Bildrechte: Aus dem Youtube-Kanal von Hanna Hansen
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Salafistin in Nürnberg: Das steckt hinter Hanna Hansens Picknick

Salafistin in Nürnberg: Das steckt hinter Hanna Hansens Picknick

Hanna Hansen zählt zu den bekanntesten islamistischen Influencerinnen Deutschlands. Mit einem Schwestern-Picknick war sie in Nürnberg. Warum der Verfassungsschutz sie beobachtet und die Stadt das Treffen dennoch nicht untersagte.

Über dieses Thema berichtet: Stadt Land Leute am .

Kinder spielen im Gras, Picknickdecken liegen unter den Bäumen, aus mitgebrachten Boxen werden Speisen verteilt. Am Neptunbrunnen im Nürnberger Stadtpark wirkt an diesem Samstagnachmittag zunächst alles wie ein gewöhnliches Treffen unter Freundinnen. Rund 15 Frauen und Kinder haben sich versammelt. "Wir wollen in Ruhe gelassen werden. Wir wollen in Ruhe unser Essen machen“, sagt eine Teilnehmerin, als der BR Hanna Hansen konfrontiert.

Warum die Stadt Nürnberg das Treffen nicht untersagte

Was nach einem harmlosen Treffen aussieht, ist eines der sogenannten Schwestern-Picknicks von Hanna Hansen. Die ehemalige Kickbox-Weltmeisterin, DJane und Ex-Model aus Nordrhein-Westfalen (externer Link) zählt heute zu den bekanntesten salafistischen Influencerinnen Deutschlands. Mit rund 224.000 Followerinnen und Followern auf Instagram erreicht die Konvertitin vor allem junge Frauen. Laut Bayerischem Verfassungsschutz nutzt sie diese Reichweite gezielt, um für ihre islamistische Glaubensauslegung zu werben, zum Beispiel mit Schwestern-Picknicks, die sie deutschlandweit veranstaltet. Auch aus Bayern sind den Behörden Fälle bekannt, in denen Frauen nach dem Kontakt mit Hansen zum Islam konvertiert sein sollen. Diese Konversionen zeigt Hansen auf ihren Social-Media-Kanälen.

Die Stadt Nürnberg hatte das öffentlich angekündigte Treffen nicht untersagt. Nach Angaben der Stadt fehlten dafür die rechtlichen Voraussetzungen.

Das sagt der Bayerische Verfassungsschutz über Hansen

Der Bayerische Verfassungsschutz ordnet Hansen der salafistischen Szene zu. Salafismus gilt als besonders konservative Strömung des Islamismus, deren Anhänger sich an den ersten Generationen der Muslime orientieren. Nicht alle Salafisten gelten als gewaltbereit – auch Hansen wird von den Sicherheitsbehörden nicht so eingeschätzt. Ihre Aktivitäten seien jedoch radikalisierend. Verfassungsschutzsprecher Florian Volm sagt, Hansen vertrete "ein klassisch salafistisches Narrativ, wonach göttliche Gebote Vorrang vor menschlichen Gesetzen haben". Hinzu kämen Aussagen, "die beispielsweise auch queere Lebensweisen leugnen und deutlich abwerten".

Eine Teilnehmerin erklärt am Rande des Picknicks, sie stimme Hansen zu, wenn göttliche Gebote über staatliche Gesetze gestellt würden: "Stehen wir alle dazu, sehen wir genauso."

Religiöses Bekenntnis oder politische Ideologie?

Schon vor dem Picknick in Nürnberg hatte Hansen auf BR-Anfrage schriftlich erklärt, sie könne nicht nachvollziehen, warum ihr Bekenntnis zu Allah problematisiert werde. Zudem schreibt sie: "Ich habe zwar den Eindruck, dass wir von Demokratie sprechen, in der Praxis aber wirtschaftliche Interessen, Lobbyismus und einflussreiche Eliten einen erheblichen Einfluss auf politische Entscheidungen haben."

Der Pädagoge Navid Wali von der NGO Violence Prevention Network hält eine differenzierte Betrachtung über Akteurinnen wie Hansen für entscheidend. Wer religiöse Praxis oder Symbole vorschnell mit Extremismus gleichsetze, spiele der salafistischen Szene in die Hände.

Viele der Frauen beim Nürnberger Picknick tragen lange Gewänder und bedecken ihre Haare – so wie auch Hanna Hansen selbst. "Eine schlechte Betrachtung wäre etwa, wenn einfach problematisiert wird, dass dort Frauen mit Verschleierung zusammenkommen", sagt Wali, dessen Organisation sich deutschlandweit um Aussteiger aus der Islamisten-Szene kümmert – auch in Bayern.

Dass gläubige Menschen Gott als höchste Autorität verstünden, sei Teil religiöser Praxis, so Wali weiter. Kritisch werde es erst, wenn daraus, wie Hansen es praktiziere, eine politische Ideologie entstehe, die demokratische Legitimität infrage stelle, Menschen in "Gläubige" und "Irregeleitete" einteile und die pluralistische Gesellschaft abwerte. So beginne Radikalisierung häufig schleichend. Werde diese Trennlinie nicht deutlich gemacht, könnten Akteurinnen wie Hansen den Eindruck erwecken, sie würden allein wegen ihrer Religiosität angegriffen – und genau das stärke ihre Erzählung.

Hamas-Dreieck gepostet? Ermittlungen gegen Hansen

Gegen Hansen laufen zudem Ermittlungen. Vor Kurzem wurde ihre Wohnung in Nordrhein-Westfalen durchsucht. Hintergrund ist nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft ein von ihr veröffentlichtes Bild mit einem roten, nach unten gerichteten Dreieck. In einem Video führt sie das Symbol auf das Logo eines Getränkeherstellers zurück. Dem BR teilte sie unter anderem mit, der Fall zeige "mit welchem Aufwand gegen eine Muslimin vorgegangen wird, die ihren Glauben öffentlich vertritt".

Die Ermittler gehen hingegen davon aus, dass damit ein Symbol der islamistischen Terrororganisation Hamas gemeint gewesen sein könnte. Bis zu einer gerichtlichen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung. Unabhängig davon beobachten die Sicherheitsbehörden Hanna Hansen weiterhin wegen ihrer salafistischen Aktivitäten.

Im Audio: Bekannte salafistische Influencerin in Nürnberg

(Symbolbild): Informationsbroschüren der bayerischen Staatsregierung zum Thema Salafismus.
Bildrechte: pa/dpa/ Matthias Balk
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(Symbolbild): Informationsbroschüren der bayerischen Staatsregierung zum Thema Salafismus.

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