In der Autoindustrie herrscht Krisenstimmung, das bekommen auch die Zulieferer zu spüren. Der mittelfränkische Konzern Schaeffler aus Herzogenaurach hat zwar zuletzt einen stabilen Umsatz erzielt, dafür belasten hohe Einmalaufwendungen das Konzernergebnis.
Das vergangene Jahr sei "solide" gewesen, teilte der Konzern mit. Übersetzt heißt das: Es war schon mal besser. Nach der Übernahme der Continental-Antriebssparte fällt ein Vergleich mit dem Vorjahr nicht leicht, schließlich musste die neue Einheit mit Umsatz, Gewinn und Beschäftigten in den Konzern integriert werden.
Neue Geschäftsbereiche sollen für hohe Gewinne sorgen
Im relativ neuen Technologiezentrum am Stammsitz in Herzogenaurach präsentierte der Vorstandsvorsitzende Klaus Rosenfeld seine Vision des fränkischen Großkonzerns. Aus dem traditionellen Auto- und Industriezulieferer will er eine "Motion Technology Company" machen, außerdem sollen neue Geschäftsfelder wie humanoide Robotik, Verteidigung und Raumfahrt für hohe Gewinne sorgen. Am Auto- und Industriegeschäft will Rosenfeld festhalten.
Aber auch die neuen Geschäftsfelder sind erst einmal mit Kosten verbunden. Da müssen neue Produktionseinheiten aufgebaut und Maschinen und Werke entsprechend angepasst werden. Das kostet Geld und dann muss man sehen, ob die Gewinne in ein paar Jahren tatsächlich so sprudeln, wie man es sich heute erhofft.
Schon einmal hat sich Schaeffler verspekuliert: Vor einigen Jahren galt grüner Wasserstoff als das Trendthema, inzwischen ist davon kaum noch etwas zu hören und Schaeffler baut Arbeitsplätze in diesem Bereich ab. Aus Konzern-Sicht stecken in den Themen humanoide Robotik, Verteidigung und Raumfahrt aber enorme Chancen.
Allerdings: An der Börse kamen die Zahlen nicht gut an, die Aktie von Schaeffler hat heute zeitweise fast 18 Prozent verloren. Anscheinend sind die Investoren nicht überzeugt von dem Ausblick.
Schaeffler soll Mischkonzern bleiben
Vielleicht lohnt sich die neue Strategie aber auch und eröffnet Schaeffler neue Möglichkeiten. 2035 sollen zehn Prozent des Umsatzes aus den Bereichen humanoide Robotik, Verteidigung und Raumfahrt kommen. Und schon einmal hat Klaus Rosenfeld bewiesen, dass der Schaeffler-Konzern nur als Ganzes funktioniert.
Vor einigen Jahren forderten Investoren, das Industriegeschäft abzustoßen. Damals florierte die Autoindustrie, während das restliche Industriegeschäft etwa mit Turbinen darbte. Rosenfeld hat sich damals bewusst dagegen entschieden und nun agiert er erneut gegen den Trend: Während andere Konzerne sich aufspalten und gewinnbringende kleine Einheiten verkaufen, sieht Rosenfeld Schaeffler immer noch als Mischkonzern. "Wir erfinden uns neu, ohne das aufzugeben, wofür wir seit Jahrzehnten stehen."
Im Video: Schaeffler zieht Bilanz
Der mittelfränkische Autozulieferer Schaeffler zog heute Bilanz - und sah dabei Licht und Schatten.
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