Der Bedarf von Unternehmen an schnellem Internet wird in Bayern laut vbw zunehmen.
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Der Bedarf von Unternehmen an schnellem Internet wird in Bayern laut vbw zunehmen.
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Schnelles Internet für die Wirtschaft: Bayern unter Durchschnitt

Schnelles Internet für die Wirtschaft: Bayern unter Durchschnitt

Neue Zahlen zeigen: Die Breitband-Grundversorgung ist in Bayern überdurchschnittlich. Bei schnelleren Gigabit-Anschlüssen für Firmen ist das anders. Für den Ausbau will der Finanzminister mehr Geld vom Bund. Die Grünen sehen auch eigene Hausaufgaben.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Die Firma Maincor produziert Kunststoffrohre. Im unterfränkischen Schweinfurt läuft inzwischen alles digital: Produktionsüberwachung, Buchhaltung, Vertrieb, KI-generierte Produktangebote. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auf schnelles Internet angewiesen. Ohne verlässliche IT-Prozesse gehe für ein Unternehmen im weltweiten Wettbewerb nichts mehr, sagt Geschäftsführer Dieter Pfister: "Mit unserer Exportquote von 45 Prozent müssen wir Bestand haben auch gegenüber Wettbewerbern aus Fernost."

Mehr als 1.000 Megabit pro Sekunde: 70,5 Prozent vs. 73,8 Prozent

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), sieht im Freistaat einerseits eine positiv Entwicklung: "Vor allem im ländlichen Raum hat sich die Situation in den vergangenen Jahren enorm verbessert", so Brossardt. Laut einer neuen Studie haben 93 Prozent aller bayerischen Unternehmen eine Breitband-Grundversorgung mit Datenübertragungsgeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde, deutschlandweit sind es 91,8 Prozent.

Andererseits zeigen die Zahlen auch, dass andere Bundesländer bei besonders schnellem Internet besser dastehen als Bayern. Demnach haben 70,5 Prozent aller bayerischen Unternehmen einen Gigabit-Anschluss mit über 1.000 MBit/s – bundesweit sind es 73,8 Prozent. "Bayern muss Kurs halten und sein hohes Ausbautempo weiter steigern", sagt Brossardt.

CSU-Finanzminister Füracker verweist auf Bund

Man wolle mehr, sagt auch Finanzminister Albert Füracker (CSU). Der Freistaat habe seit 2014 rund 2,7 Milliarden Euro in den Glasfaserausbau gesteckt – und zwar freiwillig. Zuständig sei wegen des Telekommunikationsgesetzes nämlich der Bund, der habe erst in den letzten Jahren signifikant investiert: "Wir sind weiter bereit, Geld einzusetzen", sagt Füracker dem BR – aber: "Wir können nichts dafür, wenn der Ausbau nicht so vonstatten geht, wie wir das selber gerne hätten."

Der Bedarf werde in den nächsten Jahren steigen, sagt auch vbw-Geschäftsführer Brossardt. Trotz der Zuständigkeit des Bundes: Auch die Staatsregierung selbst hat sich zum Ziel gesetzt, flächendeckend Gigabit-Internet bereitzustellen.

Ausbau in Bayern wegen Böden teurer?

Brossardt fordert vom Bund, die Fördermittel für den Gigabit-Ausbau zu erhöhen – und zwar auch wegen der bayerischen Böden: "Das Gigabit-Förderprogramm des Bundes orientiert sich noch immer viel zu wenig an den unterschiedlichen geologischen Gegebenheiten. Diese verursachen in Bayern höhere Ausbaukosten als im Norden der Republik."

Dass die Firmen nicht überall in Bayern mit dem Netz zufrieden sind, zeigt eine Umfrage der Bayerischen Industrie und Handelskammer aus dem vergangenen Jahr. Nur 72 Prozent der Unternehmen sagten, dass die Internetverfügbarkeit dem tatsächlichen Bedarf entspreche – im Jahr davor waren es noch 76 Prozent.

Füracker: "Wir haben getan, was wir konnten"

Neben dem Internet gibt es auch bei Festnetz und Mobilfunk Probleme. Laut vbw-Studie fühlen sich etwa 70 Prozent von schlechten Verbindungen beeinträchtigt, sagt Hauptgeschäftsführer Brossardt: Für eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung helfe es nicht, "wenn der Handyempfang mitten im Kundengespräch wegbricht, oder wenn sich dringende Daten nicht übertragen lassen, weil das Netz gerade streikt".

Politik und Wirtschaft müssten graue und weiße Flecken bei Internet und Mobilfunk schließen, sagt Brossardt. Teils würden Telekommunikationsunternehmen aber auch nicht ausbauen, weil zu wenige Firmen in einem Gewerbegebiet auch tatsächlich den Gigabit-Anschluss buchen, sagt Finanzminister Füracker. Es werde bei Glasfaser oft so getan, als sei "flächendeckendes Politikversagen am Werk". Das sei nicht der Fall: "Wir haben getan, was wir konnten", sagt der CSU-Politiker, der ebenfalls mehr Bundesmittel für den weiteren Ausbau fordert.

Grüne wollen schnellere Genehmigungsverfahren

Füracker mache es sich "eindeutig zu leicht, wenn er die Verantwortung wegschiebt", sagt Benjamin Adjei, digitalpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. "Wir haben auch hier in Bayern Zuständigkeiten, wenn es beispielsweise um die Genehmigungsverfahren geht." Die Bearbeitung von Anträgen dauere viel zu lange und sei viel zu bürokratisch. Es brauche schnellere und digitale Verfahren, so Adjei.

Außerdem solle sich Bayern im Bundesrat dafür einsetzen, "dass das Sondervermögen Infrastruktur auch wirklich in Infrastruktur investiert wird" – und zwar nicht nur in Brücken und Schienen, sondern auch in digitale Infrastruktur. Leider habe man in den letzten Tagen erfahren müssen, dass viel von dem Sondervermögen zweckentfremdet würde.

Im Audio: Wie zufrieden ist Bayerns Wirtschaft mit der Internetanbindung?

Symbolbild: Junge Person am Laptop
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