Schüler und Eltern informieren sich am 2. November 2013 im Roten Rathaus in Berlin auf einer Schüler-Austausch-Messe über ein Austauschjahr.
Schüler und Eltern informieren sich am 2. November 2013 im Roten Rathaus in Berlin auf einer Schüler-Austausch-Messe über ein Austauschjahr.
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Bei einem Schüleraustausch können Jugendliche ohne ihre Eltern ins Ausland: Das ist mit Kosten verbunden.
Bildrechte: picture alliance / dpa Themendienst | Franziska Gabbert
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Bei einem Schüleraustausch können Jugendliche ohne ihre Eltern ins Ausland: Das ist mit Kosten verbunden.

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Schüleraustausch: Ist das nur etwas für Privilegierte?

Schüleraustausch: Ist das nur etwas für Privilegierte?

Bei einem Schüleraustausch können Jugendliche ohne ihre Eltern Erfahrungen im Ausland sammeln. Die Zeit könne prägend sein, so Experten. Bei BR24 kritisieren User, dass sich viele Eltern Schüleraustausche aber nicht leisten könnten. Wie die Lage ist.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

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Bei Schulfahrten verbringen viele Jugendliche oft zum ersten Mal in ihrem Leben ohne Eltern eine längere Zeit im Ausland. Während Klassen zum Beispiel zu Skikursen nach Österreich fahren, kann es bei einem Schüleraustausch auch weiter weg gehen, etwa nach Rumänien, England oder die USA. Das alles macht sich im Geldbeutel bemerkbar.

Schüleraustausch: Nur etwas für Kinder von Besserverdienern?

In der Kommentarspalte bei BR24 diskutierten User über den Wert eines Schüleraustausches und die damit verbundenen Kosten. So schrieb "Moritz1": "Einen Schüleraustausch finde ich wichtig, damit die jungen Leute über den eigenen Tellerrand schauen können und fürs Leben lernen. Aber dann bitte für alle, nicht nur für die finanziell abgesicherten und gepamperten Sprösslinge!"

Andere Nutzer kritisierten, dass es solche Angebote hauptsächlich an Gymnasien gebe. "jahallotachauch" kommentierte: "Das ist wohl wieder was, was zum größten Teil Gymnasiasten in Anspruch nehmen können, wie immer schade."

Hohe Kosten besonders bei mehreren Kindern ein Problem

Wie eine Sprecherin des Bayerischen Elternverbands auf BR24-Anfrage erklärt, koste beispielsweise ein Frankreich-Austausch einer 8. Klasse an einem Augsburger Gymnasium zwischen 300 und 400 Euro plus Taschengeld. Ein einwöchiger Austausch einer Realschule nach England liege bei knapp 1.000 Euro, ein USA-Austausch an einem Gymnasium sogar bei mehr als 2.000 Euro plus Taschengeld. Hier zeige sich, dass nur ein Teil der Schüler an den Programmen teilnehmen könne, zumal häufig auch die Plätze begrenzt sind.

Die größte Schwierigkeit beim Thema Schüleraustausch sei die Finanzierbarkeit, so die Sprecherin. "Vor allem bei mehreren Kindern im Haushalt und zusätzlichen schulischen Ausgaben können die Kosten für Familien eine erhebliche Belastung darstellen." Besonders deutlich sei dies zum Beispiel in der 8. Klasse, da dort neben einem möglichen Austausch auch ein Tablet bzw. ein Convertible mit wegklappbarer Tastatur angeschafft werden müsse.

"Erfahrungen eines Schüleraustauschs bleiben ein Leben lang"

Die Kosten seien aber nicht das einzige Problem, sagt Mirjam Eisele, Geschäftsführerin der Stiftung Jugendaustausch Bayern. Oft würden etwa Mittelschüler denken, sie könnten gar nicht an einem Austausch teilnehmen, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllen. "Oft denken die, dass sie fließend Englisch sprechen können müssen, und dann trauen sie es sich nicht zu."

So ein Austausch sei durchaus sinnvoll: "Viele Jugendliche berichten uns, dass sie nach einem Austausch selbstbewusster auftreten, offener auf andere Menschen zugehen und mehr wissen, wer sie sind." Diese Erfahrungen würden ein ganzes Leben lang bleiben, so Eisele.

"Wir hatten zum Beispiel einen Austausch, bei dem ein junger Mann im Rollstuhl zum ersten Mal geflogen ist: nach Großbritannien", sagt Philipp Seitz, Präsident des Bayerischen Jugendrings. Es gehe nicht darum, perfekt Englisch zu sprechen oder ein bestimmtes Zeugnis zu haben. "Wenn man Lust auf Begegnungen hat, sollte man diese Chance nutzen. Unser Anspruch ist es, dass diese Erfahrung nicht vom Geldbeutel der Eltern oder von der Schulart abhängt, sondern möglichst allen Schülerinnen und Schülern in Bayern offensteht", so Seitz.

Schüleraustausch: Nur etwas für Gymnasiasten?

Generell könnten Schüleraustausche an allen Schulformen angeboten werden, führt eine Sprecherin des Bayerischen Jugendrings aus. In der Praxis seien Gymnasien dabei aber stark überrepräsentiert. Das habe verschiedene Gründe: Oft würde ein Austausch für Schüler ab etwa 15 Jahren, also ab der neunten Klasse, angeboten – an Mittelschulen müssen sich die Jugendlichen in genau dieser Zeit auf den Abschluss vorbereiten.

Hinzu komme der Punkt, dass vor allem Jugendliche an einem Austausch teilnehmen, deren Eltern selbst ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das sei bei Gymnasiasten häufiger der Fall. Auch das Einkommen und das Gastfamilienprinzip spiele eine Rolle: Je kleiner die eigene Wohnung, umso größer auch die Hürde, ein Gastkind aufnehmen zu können.

Kultusministerium: Kostenübernahme ist möglich

Um finanzielle Hürden zu überwinden, gibt es Möglichkeiten. So bieten etwa der Bayerische Jugendring [externer Link] als auch die Stiftung Jugendaustausch Bayern Informationsplattformen [externer Link] an, auf denen sich Eltern und Schüler über Details und Unterstützungsmöglichkeiten informieren können.

Eine Sprecherin des bayerischen Kultusministeriums erklärte schriftlich auf BR24-Anfrage: "Einkommensschwache Familien, vor allem Empfängerinnen und Empfänger von bestimmten Leistungen, können einen Antrag auf Kostenübernahme im Rahmen des Bildungspakets 'Leistungen für Bildung und Teilhabe' stellen. Bei der Erfüllung aller Voraussetzungen können dadurch auch die Kosten für internationale Austauschmaßnahmen übernommen werden."

Schulen seien dazu angehalten, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Kindern aus finanziell schlechter gestellten Familien die Teilnahme zu ermöglichen, etwa indem die Eltern über Unterstützungsmaßnahmen informiert werden.

Jugendaustausch auch außerhalb der Schule möglich

Zudem gebe es auch fernab der Schule Möglichkeiten für einen Jugendaustausch. So würden etwa immer wieder Möglichkeiten für einzelne Personen oder Gruppen bestehen, wie zum Beispiel im Rahmen einer einwöchigen Begegnung zweier Jugendzentren, erklärt Eisele von der Stiftung Jugendaustausch Bayern.

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