Die 14-jährige Emma arbeitet in einem Klassenraum an einem Arbeitsblatt, neben ihr sitzt ihre Schulbegleiterin.
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Die 14-jährige Emma (Mitte) ist Autistin. Ihre Schulbegleiterin (rechts) passt auf sie auf. Ohne sie könnte Emma nicht zur Schule gehen.
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Die 14-jährige Emma (Mitte) ist Autistin. Ihre Schulbegleiterin (rechts) passt auf sie auf. Ohne sie könnte Emma nicht zur Schule gehen.

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Schulbegleiter zu teuer: Pool soll klammen Kommunen helfen

Schulbegleiter zu teuer: Pool soll klammen Kommunen helfen

Immer mehr Kinder in Bayern brauchen eine Schulbegleitung, bezahlt von den Kommunen. Die Kosten steigen, aber die Kassen sind leer. Jetzt soll ein Pooling helfen: Ein Schulbegleiter betreut nicht mehr ein Kind, sondern mehrere. Ist das die Lösung?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Für Emma ist jeder Schultag eine große Herausforderung. Noch mehr als für andere Schülerinnen und Schüler. Denn Emma ist Autistin. Die 14-Jährige geht in die neunte Klasse am Gymnasium Puchheim. Sie ist gut in der Schule, es darf nur nichts Unvorhergesehenes geschehen – vom Stundenausfall bis zum Feueralarm. Emma trägt immer Kopfhörer, um sich vor möglichen lauten Geräuschen zu schützen. Sie nimmt alle Reize ungefiltert wahr. Um sich selbst zu regulieren, malt Emma im Unterricht nebenbei auf ihrem Tablet Kreise, knetet einen Antistress-Ball.

Neben Emma sitzt ihre Schulbegleiterin. Aufmerksam beobachtet sie ihren Schützling, achtet auf Anzeichen, ob es Emma nicht gut geht, um dann schnell zu helfen. Plötzlich passiert es: Der Deutschlehrer kündigt Gruppenarbeit an. Für Emma bedeutet das Stress, sie hat keine Orientierung mehr, verkrampft. Die Schulbegleiterin greift ein: Raus aus der Situation. Die beiden verlassen die Klasse.

Emma: "Schule ist für mich wie eine heiße Herdplatte"

Ohne ihre Schulbegleiterin könnte Emma nicht zur Schule gehen. Das junge Mädchen vergleicht die Schule mit einer heißen Herdplatte. "Wenn ich morgens aufstehen muss, dann muss ich die Hand auf diese heiße Herdplatte legen und mein Körper weigert sich reflexartig, das zu tun, weil ich weiß, dass es mir danach schlechter geht als vorher. Meine Schulbegleitung ist für mich wie mein Ofenhandschuh. Sie ist mir einfach eine ganz große Hilfe."

Die Schulbegleitung gibt Emma Sicherheit und Orientierung. Der Unterricht kann normal weiterlaufen. Ihre Lehrer müssen keine Rücksicht auf Emma nehmen. Sie haben mit der Schulbegleiterin ein paar Zeichen vereinbart, damit sie wissen, wenn etwas mit Emma ist.

Immer mehr Kinder brauchen eine Schulbegleitung

Immer mehr Kinder mit körperlicher Behinderung, mit Autismus, ADHS oder sozial-emotionalen Beeinträchtigungen können ohne Schulbegleitung nicht zur Schule gehen. Vor allem die Zahl der Schulbegleitungen für Kinder und Jugendliche mit einer seelischen Behinderung hat zugenommen: Sie hat sich verdoppelt von 2.755 in 2018 auf 6.842 in 2024. Entsprechend haben sich auch die Ausgaben dafür auf mehr als 133 Millionen Euro verdoppelt. Insgesamt benötigen in Bayern mehr als 26.000 Kinder mit einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung eine Schulbegleitung.

Kommunen klagen: Die Kosten für Schulbegleitung explodieren

Die Finanzierung der Schulbegleitungen teilen sich die Bezirke, Landkreise und kreisfreien Städte. Allein der Landkreis Fürstenfeldbruck zahlt drei Millionen Euro im Jahr, rechnet Landrat Thomas Karmasin vor. "Wir sind gezwungen, die Schulbegleitung aus dem Jugendhilfehaushalt zu finanzieren." Die Zahl der anspruchsberechtigten Kinder mit Unterstützungsbedarf habe dramatisch zugenommen.

Pool-Lösung: Ein Schulbegleiter betreut mehrere Kinder

Noch besteht ein individueller Rechtsanspruch auf eine 1:1-Schulbegleitung. Die Bundesregierung plant nun im Zuge einer Reform, auf eine Pool-Lösung umzustellen: Ein Team aus Schulbegleitern soll je nach Bedarf abwechselnd die Kinder betreuen. Heißt: Ein Schulbegleiter betreut mehrere Kinder. Eine 1:1-Betreuung bleibt dann die Ausnahme. So werden Schulbegleiter und damit Kosten eingespart.

Der Bayerische Landkreistag, der Bezirketag, das zuständige Sozialministerium und Träger der Schulbegleitung wie die Johanniter sehen in dem Pooling eine Chance, das System der Schulbegleiter zu retten und die Kommunen zu entlasten. Aber sie sagen auch: Bei seelischen Behinderungen bleibe weiter eine individuelle Lösung notwendig.

Forderung der Landkreise: Schulen mehr in die Verantwortung nehmen

Neben der Pool-Lösung sieht Landrat Thomas Karmasin, Präsident des Bayerischen Landkreistages, aber auch die Schulen mehr in der Verantwortung. So müssten die Schulen zusätzliches Personal für die Schulbegleitung anfordern. Strukturelle Lösungen seien dabei nötig. "Schulbegleitung darf nicht dauerhaft dazu dienen, Defizite anderer Systeme auszugleichen", schreibt der Landkreistag. Es seien insbesondere mehr multiprofessionelle Teams an Schulen notwendig, wie zusätzliche sonderpädagogische, psychologische und sozialpädagogische Unterstützung.

Das Bayerische Kultusministerium antwortet dazu auf BR24-Anfrage: "Inklusion hat in Bayern einen hohen Stellenwert." Man habe die multiprofessionelle Unterstützung an Schulen in den vergangenen Jahren bereits deutlich ausgebaut. 2027 sollen weitere 400 pädagogische Stellen folgen.

Fazit: Das Problem ist bei allen Verantwortlichen erkannt. Pooling ist ein Ansatz, aber kein Allheilmittel. Für Kinder wie Emma kommt eine Pool-Lösung mit verschiedenen Schulbegleitern nicht in Frage. Autisten brauchen am besten eine Vertrauensperson, eine verlässliche Partnerin an ihrer Seite.

Dieser Artikel ist erstmals am 2. Oktober 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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