Eine Schweinefigur vor dem neuen, schwarz-weißen Logo.
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Mehr Transparenz bei der Tierhaltung: Das wollen immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher.
Bildrechte: picture alliance / Flashpic | Jens Krick
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Schweinehaltung: Pflicht zur Kennzeichnung wird verschoben

Schweinehaltung: Pflicht zur Kennzeichnung wird verschoben

Mehr Transparenz für die Verbraucher – das war das Ziel der alten Bundesregierung, als sie die Tierhaltungskennzeichnung verpflichtend machte. Ursprünglich sollte das ab dem ersten August gelten. Doch es gibt offenbar noch Diskussionsbedarf.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Die Schweine im Stall von Landwirt Jürgen Dierauff haben seit ein paar Jahren etwas mehr Platz, knapp 13 Prozent. In einem Stallabteil von knapp 170 Quadratmetern leben jetzt ungefähr 200 Schweine. Vorher waren es 230 Tiere auf derselben Fläche. Dazu kamen Beschäftigungsmöglichkeiten für die schnell gelangweilten Schweine. Der Landwirt hat seitdem eine Veränderung in seinem Stall bemerkt. Die Tiere sind deutlich entspannter.

Staatliche Tierhaltungskennzeichnung kommt später

Der konventionelle Schweinehalter kann dadurch zwar weniger Schweine verkaufen, allerdings bekommt er pro Schwein etwas mehr Geld. Denn er erfüllt die Kriterien der Haltungsform 2 des Siegels, das der Handel eingeführt hat.

Die alte Bundesregierung wollte zusätzlich ein neues Siegel einführen. Das sollte verpflichtend ab August für frisches Schweinefleisch aus Deutschland gelten. Doch der Start der neuen Kennzeichnung wurde von der neuen Bundesregierung um ein halbes Jahr nach hinten verschoben. Das begrüßt Günther Felßner, Präsident des Bayerischen Bauernverbands: "Die Verschiebung ist das Mindeste, was kommen musste. Eigentlich hätte es die Abschaffung dieses Gesetzes gebraucht und einen völligen Neustart."

Verwirrung bei den Siegeln

Sowohl Landwirt Jürgen Dierauff als auch der Bayerische Bauernverband kritisieren, dass das Siegel zusätzlich zu dem Siegel kommt, das es in vielen Supermärkten jetzt schon gibt. Das Haltungsform-Siegel existiert bereits seit 2019 und ist eine freiwillige Kennzeichnung des Handels unter anderem für Fleisch. In vier Stufen können Kundinnen und Kunden erkennen, wie das Tier gehalten wurde.

Das rote Siegel, Haltungsform 1, ist dabei das Siegel mit den niedrigsten Standards. Das dunkelgrüne Siegel, Haltungsform 5, das mit den höchsten. Je höher die Haltungsform, desto teurer ist das Produkt in der Regel. Mehr Tierwohl im Stall soll so honoriert werden. Das Siegel der Bundesregierung soll ebenfalls fünf Haltungsstufen umfassen. Es ist allerdings schwarz-weiß und könnte bald zusätzlich zum Siegel des Handels auf die Verpackungen gedruckt werden.

Das Schweinefleisch aus dem Stall von Jürgen Dierauff würde in beiden Systemen das Siegel der Stufe 2 bekommen. Trotzdem glaubt er, dass zwei Siegel auf einer Verpackung eher für Verwirrung statt für Transparenz bei den Verbrauchern sorgen. Er wünscht sich ein gemeinsames Siegel von Handel und Staat.

Er kritisiert außerdem, dass "Downgrading" mit der aktuellen Regelung nicht möglich wäre. Das bedeutet, dass Schweinhalter ihr Fleisch aus Haltungsstufe 2 nicht als Fleisch der Haltungsstufe 1, also der niedrigeren Stufe, verkaufen dürfen. Sollte Jürgen Dierauff also mal keine Abnehmer für sein Fleisch der Haltungsstufe 2 finden, könnte es passieren, dass er auf seinen Produkten sitzen bleibt. Dazu kommt, dass die aktuelle Regelung nur frisches Schweinefleisch aus Deutschland betrifft. Fleisch aus dem Ausland muss nicht gekennzeichnet werden.

Kritik an Aufschub

Dieses Problem sieht auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Doch der Verband sieht es trotzdem kritisch, dass das staatliche Siegel jetzt ein halbes Jahr später kommt. Die Sorge: Standards könnten abgeschwächt werden. Was weniger Tierwohl für die Schweine im Stall bedeuten könnte. Obendrein würden dadurch Tierhalter im Ungewissen gelassen. Peter Röhrig, Vorstand des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft, fordert ein klares Bekenntnis der neuen Bundesregierung zur Tierhaltungskennzeichnung: "Viele Bäuerinnen und Bauern wollen eine bessere Tierhaltung realisieren. Und das braucht die Unterstützung einer Haltungskennzeichnung, damit die Verbraucher klar erkennen können, was drin ist."

Was genau die Bundesregierung anpassen will, ist offen. Das Gesetz soll "praxistauglicher" werden. Viel Zeit bleibt dafür nicht, denn nächstes Jahr im März soll die Kennzeichnung von frischem Schweinefleisch aus Deutschland für alle verpflichtend sein.

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