Hüttenwirt Edwin Mennel schneidet Büsche und junge Bäume um Wiesen vor dem Verbuschen zu bewahren.  Er hat die Schwendaktion nahe der Burgl-Hütte in Vorarlberg an der Grenze zum Allgäu organisiert.
Hüttenwirt Edwin Mennel schneidet Büsche und junge Bäume um Wiesen vor dem Verbuschen zu bewahren.  Er hat die Schwendaktion nahe der Burgl-Hütte in Vorarlberg an der Grenze zum Allgäu organisiert.
Bild
Schwenden in Vorarlberg nahe der Grenze zum Allgäu
Bildrechte: BR/Juliane van Scherpenberg
Schlagwörter
Bildrechte: BR/Juliane van Scherpenberg
Videobeitrag

Schwenden in Vorarlberg nahe der Grenze zum Allgäu

Videobeitrag
>

Schwenden: Knochenjob für den Erhalt der Kulturlandschaft

Schwenden: Knochenjob für den Erhalt der Kulturlandschaft

Eine "sehr strenge Arbeit, die man nicht den ganzen Tag braucht": Gemeint ist das Schwenden. Dabei werden Büsche und Gehölz entfernt, damit Weideflächen in den Bergen nicht zuwuchern. Das hilft nicht nur den Kühen, sondern auch Wintersportlern.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

An einem steilen Grashang in den Allgäuer Alpen steht Edwin Mennel. Seit zwei Stunden ist er hier schon am Schuften. Mit einem Freischneider – einem runden Sägeblatt, befestigt an einer Stange – fährt er über den Boden und sägt junge Büsche ab. Dabei kommt er ganz schön ins Schwitzen: "Mit dieser Fräse bis zu drei Zentimeter dickes Buschwerk zu schneiden und das am steilen Hang. Das ist sehr strenge Arbeit, die man nicht den ganzen Tag braucht."

Schwenden heißt das. Dafür hat er eine Truppe freiwilliger Helfer zusammengetrommelt, um mitzuhelfen beim Erhalt der alpinen Kulturlandschaft. Edwin Mennel zeigt auf kleine Fichten, kaum einen halben Meter groß, und auf junge Triebe von Büschen. "Das geht ein paar Jahre und dann sind die so groß, dass man die mit der Motorsäge schneiden muss, wenn man das Weideland nicht verwachsen lassen will", erklärt er.

Der Klimawandel verstärkt das Problem

Im Sommer weiden hier vor allem Kühe. Die sind Feinschmecker und fressen hauptsächlich Gras. Die Büsche und jungen Bäume bleiben stehen und überwuchern mit der Zeit die Wiesen. So geht wertvolle Weidefläche verloren. Auch hier, knapp auf der Vorarlberger Seite des Naturparks Nagelfluhkette. Das liegt auch daran, dass sich die Alm- und Alpwirtschaft verändert hat, erklärt die Naturpark-Rangerin Elisabeth Sohm: "Früher ist natürlich die ganze Familie auf der Alp gewesen, da ist den ganzen Sommer geschwendet worden. Das ist heut nicht mehr der Fall. Darum wachsen auch immer mehr Alpen zu, auch weil sie teilweise nicht mehr mit so viel Vieh bestoßen werden."

Weniger Tiere und Menschen also, die das Gebüsch in Schach halten können. Dabei wäre es umso nötiger, denn die Erderwärmung macht das Ganze noch schwieriger, so Rangerin Sohm: "Mit dem Klimawandel, weil es wärmer wird und mehr CO2 in der Atmosphäre ist, wachsen viele Pflanzen noch schneller. Da kommt man mit dem Schwenden fast nicht mehr nach."

Umso wichtiger also, dass Ehrenamtliche dabei unterstützen. An diesem Tag sind das überwiegend Rentner. Klar, die haben auch unter der Woche Zeit für so eine Aktion. Viele Schwendaktionen in Bayern werden aber auch an Wochenenden organisiert, zum Beispiel von den Bergsteigerdörfern (externer Link).

Auch Skitourengeher profitieren vom Schwenden

Die freiwilligen Helfer bei dieser Aktion an der Grenze zwischen dem Bregenzerwald und dem Allgäu freuen sich darüber, dass sie noch gebraucht werden. Ihrer geliebten heimischen Berglandschaft geben sie gerne was zurück. Und ein bisschen Eigennutz ist auch dabei: Im Winter kann man hier Skitouren gehen. Edwin Mennel betreibt die Burgl-Hütte in der Nähe. Für seine Gäste möchte er attraktive Routen freilegen.

Dort, wo er mit dem Freischneider hantiert, war alles von Büschen überwachsen. Gemeinsam mit den Freiwilligen hat er schon vor ein paar Jahren eine Schneise freigeschnitten, um den Tourengehern ihren Weg auf natürliche Weise vorzugeben. Und ihnen eine schöne Abfahrt zu ermöglichen: "Wenn der Hang komplett verbuscht ist, gibt es kein skifahrerisches Erlebnis, wegen dem wir ja eigentlich herkommen."

Geht es also eigentlich nur um die schönsten Turns durch den Pulverschnee? Nicht nur, sagt Elisabeth Sohm: "Das ist natürlich ein berechtigtes Interesse, aber auch eine Störung für viele Wildtiere. Hier lebt unter anderem das Birkhuhn. Unser Gedanke ist: Wenn die Aufstiegs- und Abfahrtsspur gut geräumt ist, fahren die Leute eher dort und die Bereiche rechts und links davon bleiben beruhigt. Tiere können sich an solche kanalisierten Routen gewöhnen."

So versuchen alle Beteiligten, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen. Auch die Grundbesitzer freuen sich über die Unterstützung der Ehrenamtlichen. Als Dank gibt’s für alle zum Abschluss Getränke, Salate und Würschtl vom Grill. Denn auf das Schuften folgt das Schlemmen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!