Bei 27 Grad, unter freiem Himmel, mitten in Dinkelsbühls Altstadt, zeigt die siebenbürgische Projektgruppe "Haferland" ihre Backkünste. Die 35 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer haben am Samstag Großes vor: Sie wollen mit zehn Metern Länge den längsten Baumstriezel der Welt backen. Das Hefegebäck ist seit Ende des 19. Jahrhunderts und seit der Industrialisierung des Zuckers eine siebenbürgische Tradition.
Zu heiße Temperaturen für den Hefeteig?
"Man braucht nur Butter, Mehl, Zucker, Eier, Milch, Hefe und Salz. Daraus wird ein Hefeteig hergestellt. Wir haben tatsächlich zehn Kilogramm Mehl verwendet. Dann lässt man den Teig gehen, bis er sich verdoppelt hat", erzählt Isolde Binder, eine der 35 Helferinnen und Helfer.
Um elf Uhr haben die Vorbereitungen für den Weltrekordversuch gestartet. Jetzt muss der Teig aufgehen – doch irgendwie läuft noch nicht alles ganz nach Plan: "In der Küche war es zu kühl für den Teig, in der Sonne ist es ihm zu heiß. Deswegen müssen wir ihn immer etwas umstellen. Es muss perfekt passen", erklärt Projektgruppenleiter Werner Kloos. Die Aufregung steigt.
Aufgabenteilung beim Backvorgang
Nach knapp einer Stunde scheint der Teig perfekt aufgegangen zu sein – trotz sommerlichen 28 Grad. Für Isolde Binder und ihre drei Mithelferinnen geht es schnell in die Küche des Dinkelsbühler Schrannensaals. Der empfindliche Hefeteig wird in mehrere kleine Stücke aufgeteilt, um später perfekt um die Backrolle gewickelt werden zu können.
Währenddessen wird draußen schon einmal die Kohle angezündet, damit es direkt losgehen kann, sobald der Teig portioniert ist. Nach wenigen Minuten tragen die Ehrenamtlichen den Hefeteig nach außen, dann geht es Schlag auf Schlag.
Rund 15 Minuten heißes Backen über den Kohlen
"Wir müssen jetzt die einzelnen Portionen hier um die Backrolle, beziehungsweise um den Baum wickeln. Und wenn das alles sitzt, wird der Teig mit der zerlassenen Butter eingeschmiert. Dann kommt die Backrolle über die heißen Kohlen, während einer von uns mit einem Lenkrad die Rolle dreht. Und dann wird noch Zucker drübergestreut und der Baumstriezel karamellisiert", erklärt Werner Kloos den Backvorgang, der 15 bis 20 Minuten dauert. Währenddessen versammeln sich mehrere hundert Schaulustige um den Baumstriezel herum und drücken die Daumen für den Weltrekord.
Unter den Augen vieler Zuschauer: Probleme beim Backen
Doch der scheint kurz auf dem Spiel zu stehen. Zwar haben die Ehrenamtlichen am Vormittag schon einen ersten "Probe-Baumstriezel" gebacken, doch der zweite Baumstriezel soll unter den Augen der vielen Zuschauer natürlich genauso klappen.
Nach rund sieben Minuten Backzeit fallen allerdings kleine Teigstückchen von der Backrolle auf den Boden runter. Die zehn Meter sind geschafft – aber mit zwei Löchern in der Mitte. "Beim ersten Mal hat es sehr gut geklappt, beim zweiten Mal hätte es besser laufen können. Wahrscheinlich spielt auch das Wetter eine ganz große Rolle. Es ist im Moment zu warm für Hefegebäck. Hefegebäck ist sehr empfindlich und wenn es zu warm ist, dann besteht die Möglichkeit, dass es ein bisschen abreißt an dem ein oder anderen Stück", zeigt sich Kloos selbstkritisch.
Weltrekord geschafft, Zuschauer begeistert
Dennoch: Nach rund 15 Minuten ist der Baumstriezel goldbraun fertig gebacken – und der Weltrekord wegen des ersten gelungenen Baumstriezels geschafft. Die vielen Zuschauer kommen selbstverständlich auch auf ihre Kosten: Gegen eine kleine Spende für die Dachsanierung des siebenbürgischen Schlosses Horneck darf sich jeder ein Stückchen Baumstriezel nehmen. Und die Reaktionen fallen trotz der zwei kleinen Löcher durchweg positiv aus.
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