Archivbild: Mitarbeiter der Wasserwacht waten durch eine Gasse in Passau, Juni 2024
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Archivbild: Mitarbeiter der Wasserwacht waten durch eine Gasse in Passau, Juni 2024
Bildrechte: picture alliance/dpa | Peter Kneffel
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So wappnet die Wasserwacht ihre Einsatzkräfte für Hochwasser

So wappnet die Wasserwacht ihre Einsatzkräfte für Hochwasser

Aus einem Starkregenereignis kann schnell eine Katastrophe werden. Retter müssen rechtzeitig und realistisch einschätzen können, wie sich Wassermassen ausbreiten und welche Gefahren dabei entstehen. Ein neuer Lehrgang soll ihnen dabei helfen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Nachrichten am .

Viele Menschen haben heute noch die zerstörerischen Bilder im Kopf: die Flutkatastrophe in Deggendorf 2013, das verheerende Unglück im Ahrtal 2021 oder vor zwei Jahren die Überschwemmungen im Süden Bayerns, bei denen mindestens vier Menschen starben. Extreme Hochwasser treffen Regionen immer wieder mit voller Wucht – und sie scheinen sich zu häufen.

Einsatzkräfte der Wasserwacht stellt dies vor Herausforderungen. Sie möchte sie deshalb noch gezielter auf solche Lagen vorbereiten und hat nun erstmalig im Wasserbaulabor der Bundeswehr in Neubiberg einen Lehrgang gestartet – für "Fachberater Hochwasserschutz".

Hochwasser – "die größte Gefahr ist die Strömung"

Wenn Starkregen, Sturzfluten oder Überschwemmungen auftreten, bleibt Rettungskräften vor Ort oft nur wenig Zeit, die Situation zu koordinieren. Gleichzeitig müssen sie darauf achten, sich selbst nicht in Lebensgefahr zu bringen. Denn Hochwassereinsätze gelten als besonders riskant, sagt Christian Gumpendobler, Stellvertretender Technischer Leiter der Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK).

Er weiß aus Erfahrung, wie unberechenbar solche Situationen sein können: Die größte Gefahr gehe oft von der Strömung aus. Die Fließgeschwindigkeit von Wassermassen sei schwer einzuschätzen, sagt er. Dazu komme Treibgut, das Einsatzkräfte mitreißen oder verletzen könne. Auch überflutete Straßen seien riskant: "Ich weiß nicht, wie der Untergrund ist – er ist einfach nicht sichtbar", so Gumpendobler.

Erstmals Lehrgang Fachberater Hochwasserschutz

Der neue Lehrgang für sogenannte "Fachberater Hochwasserschutz" des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) soll helfen, auf solche Gefahren besser vorbereitet zu sein. Die dadurch speziell geschulten Kräfte der Wasserwacht sollen künftig Einsatzleitungen unterstützen und vor Ort beurteilen, welche Risiken bestehen und wie Rettungseinsätze möglichst sicher durchgeführt werden können.

Wasserbaulabor der Bundeswehr unterstützt

Damit genau das möglichst realistisch trainiert werden kann, findet der dreitägige Lehrgang mit 25 Mitgliedern der Wasserwacht aus ganz Deutschland im Wasserbaulabor der Bundeswehr in Neubiberg statt. Dort lassen sich verschiedene Hochwasserszenarien unter kontrollierten Bedingungen simulieren. Auch ein Dammbruch kann nachgestellt werden – etwas, das in der Realität sonst kaum trainiert werden könnte.

Thomas Huber, Landesvorsitzender der Wasserwacht Bayern, beschreibt den Effekt solcher Simulationen als besonders eindrücklich: Innerhalb weniger Sekunden werde sichtbar, welche enormen Wassermassen und Kräfte im Ernstfall ganze Regionen betreffen können. Die Dynamik solcher Ereignisse lasse sich oft nicht aufhalten – umso wichtiger sei es, sie zu verstehen und richtig einzuschätzen.

Die Teilnehmer lernen ganz praktisch, wie Hochwasserfälle vorbereitet werden können. Dazu gehört etwa die Frage, wie Einsatzkräfte in einem Schadensgebiet abgesichert werden, welche Evakuierungswege über Land oder Wasser möglich sind und wo sich besonders gefährliche Bereiche befinden.

Einsatzkräfte besser auf Besonderheiten von Hochwasser vorbereiten

Johann Penn, stellvertretender Leiter der Wasserwacht des BRK, erklärt, dass Hochwassersituationen bislang in der klassischen Ausbildung vieler Einsatzkräfte kaum eine Rolle spielen. "Die Einsatzkräfte lernen Tauchen, sie lernen Bootfahren, Rettungsschwimmen. Aber sie haben keine Adaption des Hochwassers", sagt er. Das soll sich mit dem neuen Lehrgang ändern.

Bedarf an spezialisierten Schulungen wächst

Laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt gab es seit 1999 fünf extreme Hochwasserereignisse im Freistaat – im Schnitt also etwa alle fünf Jahre. Auch deshalb passt die Wasserwacht ihre Ausbildung zunehmend an die Herausforderungen solcher Extremwetterlagen an.

Der Landesvorsitzende der Wasserwacht Bayern sieht darin eine notwendige Entwicklung. In den vergangenen Jahren habe man an vielen Orten erlebt, wie schnell aus einem Starkregenereignis eine Katastrophe werden könne. In solchen Situationen reiche es nicht aus, nur über gut ausgebildete Einsatzkräfte zu verfügen. Ebenso wichtig sei eine fundierte Lagebewertung.

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