Die Kinder der 2g der Nürnberger Konrad-Groß-Schule sind voll motiviert und konzentriert. Zum einen gilt es, der schwingenden Schwimmnudel auszuweichen, dann den Kopf bei einem möglichen Angriff zu schützen und die richtige Abwehrhaltung einzunehmen, falls sich ein Konflikt tatsächlich einmal nicht vermeiden lässt. Konfliktvermeidung sei aber immer das oberste Ziel, so Dominik Piskol. Er ist einer der Kursleiter des Gewaltpräventionstrainings und bringt die Kids ordentlich zum Schwitzen. "Wir zeigen vor allem spielerisch, dass es andere Lösungen als Gewalt gibt“, sagt Kursleiter Piskol.
In Theorie und Praxis lernen die Schülerinnen und Schüler, wie sie sich in Konfliktsituationen verhalten können, damit es möglichst nicht eskaliert. "Gemeinsam sind wir stark" nennt sich das Gewaltpräventionsprojekt, das derzeit an drei Nürnberger Schulen erprobt wird. "Das Potential ist groß, wir wollen das auf jeden Fall ausweiten", sagt der Club-Vereinsvorstand, Niels Rossow.
"Frederik & Luca-Stiftung" will Gewalt verhindern
Der Hintergrund des Projektes ist ein trauriger. Vor fast genau sieben Jahren wurden die Heroldsberger Freunde Luca Ballmann und Frederik Wilke an der S-Bahnhaltestelle "Frankenstadion" von zwei Jugendlichen auf die Gleise geschubst, als sie dort einen Streit schlichten wollten. Die beiden 16-Jährigen verloren dabei ihr Leben. Die Eltern der Opfer verharrten damals nicht in ihrer Trauer, sondern gründeten eine Stiftung: die "Frederik und Luca-Stiftung" für ein friedliches, gewaltfreies Leben.
Beide Jungs waren große Fußballfans. Der Kontakt zum 1. FC Nürnberg, der unweit der S-Bahnhaltestelle sein Max-Morlock-Stadion hat, wächst über die Jahre und mündet jetzt in dieser Zusammenarbeit. Georg Ballmann ist sich sicher, das Anti-Gewalt-Projekt wäre im Sinne seines verstorbenen Sohnes, der großer Club-Fan war. "Wir sind miteinander verbunden, ich spreche regelmäßig mit ihm, er fände das gut", sagt Georg Ballmann, der auch Vorsitzender der Stiftung ist.
Ex-Club-Kapitän Valentini: Früh Werte vermitteln
Dass Gewalt immer die schlechteste Lösung ist, müsse man den Kids so früh wie möglich beibringen, betont auch der ehemalige Kapitän des 1. FCN, Enrico Valentini. Daher sei der Start schon in der Grundschule die richtige Entscheidung. Der Nürnberger trainiert den U14-Nachwuchs beim Club und stellt die Vermittlung von Werten über alles. Valentini sagt: "Wir bereiten die Jungs auch aufs Leben vor, da geht es nicht nur um Fußball.“
Das Gewaltpräventionstraining an den Schulen entpuppt sich nach rund einem Jahr der Testphase auf jeden Fall als Erfolgsprojekt. Die Kinder der 2g jedenfalls sind mit Begeisterung dabei und bringen es auf den Punkt: "Es gefällt uns, dass wir hier viel spielen und um unser Leben kämpfen!"
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