Der Reiz ist groß: In Österreich und Tschechien ist Sprit oft billiger als in Bayern, wo Diesel und Super die Marke von 2,50 Euro pro Liter teilweise schon überschritten haben. Für viele Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, ist das eine spürbare finanzielle Belastung.
ADAC: Tanktourismus lohnt sich nur bedingt
Die scheinbare Lösung: Tanktourismus. Der ADAC rät hier jedoch zur Vorsicht, denn die Fahrt in Nachbarländer lohnt sich nicht immer. Wer zum Tanken extra über die Grenze fährt, sollte genau nachrechnen, ob sich die Tour tatsächlich auszahlt.
Unternehmenssprecherin Katharina Lucà gibt zu bedenken: "Man darf nicht vergessen, dass man mit dem Sprit, den man in Deutschland vielleicht noch teuer getankt hat, auch einen Umweg fährt." Der Verband nennt bewusst keine Cent- oder Kilometergrenzen. Entscheidend sind Entfernung, der Verbrauch des Autos sowie der zusätzliche Verschleiß von Fahrzeug und Reifen.
Wann sich Tanken im Ausland auszahlt
Klarer sieht der ADAC den Vorteil für alle, die ohnehin regelmäßig ins Nachbarland fahren, etwa zur Arbeit, zum Einkauf oder in den Urlaub. Wer dann noch mit einem halbvollen Tank unterwegs ist, kann die günstigeren Preise mitnehmen und volltanken. Zum Beispiel in Österreich, wo Sprit vor allem wegen niedrigerer Steuern und einer Spritpreisbremse günstiger ist. So ist die Mineralölsteuer noch bis Ende September um 1,9 Cent pro Liter gesenkt. Auch dort steigen die Preise, aber auf niedrigerem Niveau.
Die Folge: zahlreiche deutsche Pkw an grenznahen Tankstellen, wie im österreichischen Schärding – knapp 20 Kilometer südlich von Passau. Hier betreibt Franz Aschenbrenner eine OMV-Tankstelle: "Wir erleben jetzt schon einen Ansturm von deutschen Autofahrern, die bei uns tanken. Natürlich situationsbedingt erklärt durch die Preisdifferenz beim Sprit von rund 30 bis 40 Cent."
In Tschechien sind die Preise teils noch günstiger. Wer von dort nach Deutschland zurückfährt, darf zusätzlich zum vollen Tank 10 Liter Kraftstoff im Kanister mitnehmen.
Bayerische Tankstellenpächter unter Druck
Bayerische Tankstationen nahe der Grenze, wie die Nibelungen-Tankstelle in Passau, fahren derzeit nur noch wenige Autos an. Betreiber Manuel Lang muss zusehen, wie deutsche Pkw vorbeiziehen und zur nächstgelegenen österreichischen Tankstelle fahren – nur wenige hundert Meter entfernt.
Lang befürchtet, dass diese Lage bis auf Weiteres bleibt: "Die Preise steigen einfach in die Höhe. Man hat noch ein paar Firmenkunden, die treu bleiben. Aber ohne meine Poststation und Werkstatt könnte ich den Betrieb nicht mehr aufrechterhalten."
Spritpreise derzeit auf Höchststand
Die hohen Spritpreise liegen nach Einschätzung des ADAC insbesondere am Konflikt im Nahen Osten und der Lage in der Straße von Hormus. Zwischenzeitliche Entspannung hatte die Preise etwas sinken lassen, seitdem steigen sie jedoch wieder kontinuierlich. Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) fürchtet, dass die Drei-Euro-Marke beim bundesweiten Tagesdurchschnitt geknackt werden könnte.
Laut Unternehmenssprecherin Lucà hält der ADAC diese Entwicklung derzeit für nicht realistisch. Je nach Benzinsorte liegen die Preise noch 60 bis 70 Cent darunter. An einzelnen Tankstellen könne es aber mittags zu sprunghaften Anhebungen um mehr als 20 Cent kommen – eine Zeit, in der man Tankstellen nicht anfahren solle.
Grafik: So viel kostet Kraftstoff in Deutschland
Mineralölkonzerne in Verantwortung
Laut ADAC stehen auch die Mineralölkonzerne in der Verantwortung. "Wir sehen den Rohölpreis als großen Treiber der Spritpreise. Doch er und der Euro‑Dollar‑Wechselkurs allein können dieses Preisniveau nicht rechtfertigen", so Lucà. Hier sieht der ADAC kartellrechtliche Ansatzpunkte für genauere Prüfungen.
So lässt sich auch ohne Umweg sparen
Statt zusätzlicher Fahrten über die Grenze können Autofahrer laut ADAC auch anderweitig den Spritverbrauch senken, indem sie spritsparend fahren. Auch wer Fahrradträger abmontiert und so die Beladung reduziert, spart Sprit. Zudem könnte man dafür freigegebene Pkw öfter mit E10 tanken, das meist günstiger sei als normales Super. So lassen sich oft mehr Kosten einsparen als durch zusätzliche Kilometer zur nächsten günstigen Zapfsäule im Nachbarland.
Im Audio: Teure Spritpreise - Tanktourismus im Nachbarland
Teure Spritpreise - Tanktourismus (Symbolbild).
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

