Fotomontage Reiche mit Solarpark, Windrädern, Stromleitungen.
Fotomontage Reiche mit Solarpark, Windrädern, Stromleitungen.
Bild
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will in manchen Gebieten den Zubau von Windkraft und Solarparks erschweren (Fotomontage).
Bildrechte: icture alliance / Wolfgang Maria Weber | R7172
Schlagwörter
Bildrechte: icture alliance / Wolfgang Maria Weber | R7172
Audiobeitrag

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will in manchen Gebieten den Zubau von Windkraft und Solarparks erschweren (Fotomontage).

Audiobeitrag
>

Reiches Netzpaket: Hier wird es für Solarparks schwierig

Reiches Netzpaket: Hier wird es für Solarparks schwierig

Laut CDU-Bundeswirtschaftsministerin Reiche soll ihr "Netzpaket" die Energiewende effizienter machen. Kritiker fürchten dagegen, dass es sie abwürgt. Jetzt ist klar, in welchen Regionen Einschränkungen auf Windkraft und Photovoltaik zukommen würden.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Bayern am .

Schwierig wird es für neue Solarparks künftig in erster Linie in Bayern – vor allem in Teilen von Niederbayern und Mittelfranken. Denn hier werden schon jetzt mehr als fünf Prozent des Solarstroms abgeregelt – das heißt: Das Stromnetz ist überlastet und kann die erzeugte Energie nicht mehr aufnehmen. Das geht aus einer Auswertung der spezialisierten Energie-Unternehmensberatung E-Bridge im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (externer Link) hervor. E-Bridge konnte interne Daten vieler Stromnetzbetreiber auswerten, deshalb gilt diese sozusagen "amtliche" Untersuchung im Vergleich zu früheren Studien als besonders zuverlässig.

In den so genannten "kapazitätslimitierten Netzgebieten", wie sie die untenstehende Karte ausweist, sollen Solarpark- und Windkraftbetreiber künftig nur noch eine beschränkte Entschädigung für Strommengen bekommen, die nicht mehr ins Netz passen.

Bildrechte: BR/E-Bridge
Bildbeitrag

Einschränkungen gibt es nach dem bisherigen Entwurf des Netzpakets bei der Photovoltaik vor allem in Bayern. Bei Windkraft dagegen im Norden.

Reiche: Weniger Abregelungen auf Kosten der Allgemeinheit

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) begründet diese Neuregelung, die auch unter dem Namen "Redispatch-Vorbehalt" bekannt ist, mit mehr Effizienz für die Energiewende: "Wenn Anlagen sehenden Auges in eine Abregelung laufen, dann soll der Betreiber vorübergehend für einen bestimmten Anteil keine Förderung mehr erhalten. Die Kosten werden aktuell nämlich von der Allgemeinheit getragen." Die Regelung soll einen Anreiz schaffen, Windkraft und Photovoltaik im Bundesgebiet möglichst gleichmäßig zu verteilen, denn das verbessert die Auslastung des Stromnetzes und kann den Bedarf an neuen Stromleitungen minimieren.

Keine flächendeckenden "Solar-Sperrzonen"

Reiche hatte ihren Gesetzentwurf abgeschwächt, ein Engpassgebiet soll jetzt erst bei einer Abregelung von fünf Prozent des Stroms erklärt werden, statt bei drei Prozent – wie ursprünglich geplant. Anders als zuvor teilweise befürchtet, würde nach den jetzt vorliegenden Daten Bayern nicht flächendeckend zum Engpassgebiet für Photovoltaik. In den meisten Regionen blieben neue Solarparks weiter möglich, ohne dass es durch das Netzpaket zu Einschränkungen käme.

Der Branchenverband BSW Solar warnt trotzdem vor einer "Investitionsbremse" durch "solare Sperrzonen". Der Verband der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) dagegen, der sowohl Netzbetreiber als auch Stromproduzenten vertritt, befürwortet das Netzpaket in der jetzigen Form: "Ich gehe nicht davon aus, dass es hier zu einer starken Verlangsamung oder gar zu einem Abbruch des Ausbaus der Photovoltaik in Bayern kommt", sagte VBEW-Geschäftsführer Marian Rappl dem Bayerischen Rundfunk.

Windkraft in Bayern könnte sogar profitieren

Für die Windkraft in Bayern sieht das Ergebnis der E-Bridge-Auswertung noch deutlich freundlicher aus als für die Photovoltaik: Durch das Netzpaket sind im Freistaat für Windräder keinerlei Einschränkungen zu erwarten. Die "kapazitätslimitierten Gebiete" für Windkraft liegen so gut wie alle in Norddeutschland. Das könnte theoretisch sogar einen Wettbewerbsvorteil für bayerische Windkraftprojekte bedeuten, weil bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur die Konkurrenz aus dem Norden geschwächt wird.

Möglich wurde dieses Ergebnis, weil Reiche auch hier ihren ursprünglichen Entwurf für das Netzpaket korrigiert hat. Er sah Restriktionen für neue Windräder auch dort vor, wo bisher nur Photovoltaik steht – obwohl Windkraft und Photovoltaik meist nicht gleichzeitig, sondern abwechselnd einspeisen und sich deshalb Stromnetz-Anschlüsse teilen können. Hier reagierte das Bundeswirtschaftsministerium auf die einhellige Kritik der Bundesländer.

Grüne wollen Netzbetreiber härter anfassen

Der Energieexperte der Grünen im bayerischen Landtag, Martin Stümpfig, sieht in Reiches Netzpaket trotzdem einen grundsätzlichen Fehler: Es mache einseitig Druck auf die Erzeuger von erneuerbarer Energie, schone aber andererseits Netzbetreiber, die ihre Kapazität zu langsam ausbauen. "Die fossilen Preise gehen durch die Decke und Katharina Reiche bremst bei den Erneuerbaren", kritisiert Stümpfig. Die Netzbetreiber verhielten sich wie "kleine Fürsten", es sei möglich und nötig, von ihnen Strafzahlungen zu verlangen, wenn sie beim Netzausbau zu langsam sind.

Demnächst befasst sich der Bundestag mit dem Stromnetz-Paket. Weitere Änderungen sind im parlamentarischen Verfahren noch möglich.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!