Hartnäckiger Husten, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust: Diese Symptome können auf eine Tuberkulose-Erkrankung deuten. Das Gesundheitsamt im Landkreis Dillingen hat jetzt mitgeteilt, dass die Krankheit gleich mehrfach nachgewiesen wurde. Eine Person hat sich mit Lungentuberkulose infiziert und befindet sich in stationärer Behandlung. Mehrere Kinder aus dem familiären Umfeld haben sich zudem angesteckt, wie das Gesundheitsamt Dillingen bestätigt hat. Die Kinder besuchen unterschiedliche Schulen in Lauingen. Weil auch andere Schülerinnen und Schüler Kontaktpersonen sein könnten, handelt jetzt das Gesundheitsamt.
Eltern und Lehrkräfte werden heute informiert
Die betroffenen Familien hat die Behörde bereits per Brief informiert, heute sind sie gemeinsam mit Lehrkräften der betroffenen Klassen zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Gesundheitsamtsleiterin Dr. Uta-Maria Kastner beruhigt jedoch. Das Ansteckungsrisiko für Mitschülerinnen und Mitschüler sei gering. Doch das gilt nicht für alle gleichermaßen, erklärt Dr. Caroline Balling dem BR, Ärztin im Tuberkulose-Fachdienst des Gesundheitsamtes. Säuglinge, Kleinkinder sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa durch HIV, Diabetes oder bestimmte Medikamente, hätten ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko. Für gesunde Menschen gelte jedoch: Selbst, wenn es zu einer Infektion komme, schaffe es der Körper oft, die Erreger selbstständig zu eliminieren oder abzukapseln.
Gesundheitsamt sucht nach möglichen Kontaktpersonen
Ob die erkrankten Kinder Tuberkulose-Bakterien über die Lunge ausscheiden oder die Erkrankung bereits verheilt ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Die Behörde ermittelt derzeit den genauen Kontaktkreis. Je nach Länge und Intensität des Kontakts werden dann Bluttests oder Röntgenuntersuchungen veranlasst. Dabei gilt: Eine Ansteckung lässt sich erst acht Wochen nach dem letzten Kontakt nachweisen, so lange braucht der Körper, um eine messbare Immunantwort zu bilden.
Warum Schulen besonders schnell reagieren müssen
Tuberkulose-Fälle an Schulen und Kitas werden immer mal wieder bekannt. Das liegt aber laut Dr. Caroline Balling nicht daran, dass das Risiko dort höher sei. Das Gesundheitsamt reagiere bei Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder schlicht sehr sensibel und informiere schnell, schon weil dann meist größere Gruppen als mögliche Kontaktpersonen in Frage kämen. Anders sieht es in Pflegeheimen aus: Dort müssen Bewohnerinnen und Bewohner laut Infektionsschutzgesetz vor dem Einzug einen Nachweis erbringen, dass sie tuberkulosefrei sind und wurden damit bereits ärztlich untersucht. Eine solche Pflicht gilt weder vor der Einschulung noch vor dem Kindergarteneintritt.
Tuberkulose: selten, aber weltweit nicht ausgerottet
Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die weltweit verbreitet ist. In Deutschland gilt sie aber als selten: Das Robert Koch-Institut registriert jährlich etwa 4.500 Fälle. Übertragen wird die Krankheit über winzige Tröpfchen beim Husten, aber nur bei engem, längerem Kontakt. Wer sich angesteckt hat, erkrankt in der Mehrheit der Fälle nicht, das bestätigt auch Dr. Caroline Balling. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der Infizierten entwickeln demnach eine Tuberkulose-Erkrankung. Die Krankheit ist laut RKI außerdem gut behandelbar: Mit einer mehrmonatigen Antibiotika-Therapie lässt sie sich in den meisten Fällen vollständig heilen. Als ausgerottet gilt die Tuberkulose weltweit noch lange nicht, die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass rund ein Viertel der Weltbevölkerung mit dem Erreger infiziert ist.
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