Schon morgens um neun Uhr ist der Parkplatz, von dem aus man zum Gaisalpsee bei Oberstdorf startet, ziemlich voll. Bernhard Kirchbihler arbeitet seit 20 Jahren als Jäger in dem Gebiet. Jetzt sei nicht nur viel mehr los als früher – auch das Verhalten der Besucher habe sich verändert.
"Wilde Saufgelage, Wildcampen, Feuer machen. Es liegt viel Schutt rum. Das tut schon weh, wenn man sieht, was da passiert", sagt Kirchbihler. An Tagen mit Hochbetrieb sehe es dort oben aus "wie auf einer Liegewiese an einem Badesee", sagt der Jäger. Und das, obwohl der See auf 1.508 Metern in einem Naturschutzgebiet liegt und man rund 2,5 Stunden hinaufwandert.
Vandalismus und Einbrüche
Sogar Einbrüche in Hütten und Vandalismus kommen immer wieder vor, erzählt Kirchbihler. Er betont aber: Längst nicht alle würden sich so unmöglich aufführen. Doch wenn an Spitzentagen über 1.000 Leute zum Gaisalpsee wandern, seien eben auch oft ein paar schwarze Schafe dabei.
Was den Jäger besonders schmerzt: Viele Wanderer laufen querfeldein durchs Naturschutzgebiet. Dadurch ziehen sich Tiere zurück, haben weniger Platz, die Artenvielfalt ist in Gefahr. Deshalb fordert er mehr Kontrollen.
"Nutzung der Natur ist in Ordnung, bei der Übernutzung wird es kritisch"
Auch Grundbesitzer Markus Kramer wünscht sich mehr Schutz für die Umwelt, klare Verbote und konsequente Strafen. "Die Nutzung der Natur ist in Ordnung, bei der Übernutzung wird es kritisch. Tausende Menschen hinterlassen gewisse Dinge dort oben und das belastet die Natur", sagt Kramer.
Das zuständige Landratsamt Oberallgäu schreibt auf Anfrage, dass sich die bestehenden Maßnahmen aus Besucherinformation, Besucherlenkung und Kontrollen grundsätzlich bewährt hätten. Man beobachte die Entwicklung an den stark frequentierten Orten sehr genau. "Sollte sich zeigen, dass zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind oder bestehende angepasst werden müssen, behalten wir uns weitere Schritte vor", heißt es vom Landratsamt.
Andernorts wird schon mit Kontingenten gearbeitet. Zum Beispiel darf man mit dem Auto in der Hochsaison tagsüber nur mit einer Online-Reservierung zum Pragser Wildsee in Südtirol.
Shampoo und Sonnencreme belasten den See
Das Baden im See ist nicht generell verboten. "Der Genuss und die Erholung in der freien Natur haben in Bayern Verfassungsrang", heißt es vom Landratsamt. Gleichzeitig verpflichte die Verfassung jeden dazu, mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen. Shampoo und Sonnencreme sind tabu. Zudem sollte man die empfindlichen Uferbereiche schonen. Auch Drohnen sind verboten.
Die Wiesen und der See selbst sind sehr nährstoffarm. Das heißt: Hier herrscht eine große Artenvielfalt. Die leidet allerdings, wenn viele Leute querfeldein über Wiesen gehen, Müll hinterlassen und sich im See oder in den Büschen daneben erleichtern. Letztendlich "eine Düngung", erklärt Felix Steinmeyer vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz – was sich mit den nährstoffarmen Wiesen aber nicht verträgt. Er ist als Gebietsbetreuer für die Allgäuer Hochalpen tätig. Lang musste er nicht suchen, um weggeworfenes Klopapier zu finden. "Das führt letztendlich zu einer Vereinheitlichung der Vegetation. Ein paar einzelne Arten – Löwenzahn, ein paar Gräser – können damit umgehen, aber die Vielfalt geht verloren", sagt Steinmeyer.
Im Video: Wenn der Bergsee zum Badesee wird
Wenn der Bergsee zum Badesee wird
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