Wohnraum ist knapp und teuer, gerade in Städten wie München. Zugleich stehen zahlreiche Büros leer. In München waren das laut Stadt im ersten Quartal 2026 zehn Prozent der Büroimmobilien. Und: Die Nachfrage nach Büros geht laut einer Studie des ifo-Instituts zurück. Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle führten dazu, dass Unternehmen ihre Flächen verkleinern.
Umbauagentur soll Projekte zu leerstehenden Büros begleiten
Etwa 60.000 Wohnungen könnten rechnerisch in München entstehen, wenn dieses Potenzial genutzt und die Gebäude, bei denen das baurechtlich und technisch möglich ist, umgenutzt werden, heißt es in der ifo-Instituts-Studie "Homeoffice und die Zukunft der Büros".
Das will die Stadt München nutzen und hat dafür nun eine eigene Umbauagentur "Büro zu Wohnen" gegründet. Was die Stadt sich vorstellt: Die Agentur soll das konkrete "realistische Potenzial" identifizieren. Dazu soll sie auf Eigentümer leerstehender Büroimmobilien zugehen und sie unterstützen, diese zu Wohnraum umzubauen.
Außerdem soll sie Anlaufstelle für Umbau-Projekte sein, diese von der Idee bis zur Umsetzung begleiten, über Förderungen informieren und ein Netzwerk zum Thema aufbauen.
Ein Schwerpunkt: Temporäre Wohnkonzepte für junge Menschen
Bis 2028 plant die Stadt dafür laut Beschlussvorlage etwas mehr als 6,3 Millionen Euro für Personal und Sachmittel wie Gutachten, Machbarkeitsstudien und Projekte ein. Die Agentur soll mit zwölf Vollzeitstellen ausgestattet werden. Noch in diesem Jahr soll sie fünf Pilotprojekte angehen.
Ein Schwerpunkt soll auf temporärem Wohnen und der Schaffung von Wohnraum für Auszubildende, Studierende und Berufsanfänger liegen. Das könnten beispielsweise "Pop-Up-Wohnkonzepte" in leeren Bürogebäuden sein. Nach einer Zeit sollen die Gebäude auch wieder als Büros genutzt werden können.
Projekte wie Ten Towers im Osten von München
Manche Ideen liegen bereits auf dem Tisch. Im Februar hatte die Stadt den Weg für ein Pilotprojekt zu den Ten Towers im Münchner Osten freigemacht. Ein Teil der Türme soll in Wohnraum für Auszubildende und Studierende umgewandelt werden. Denn der früher von der Telekom genutzte Bürokomplex steht seit Jahren leer.
Entstehen soll nun ein gemischtes Gebiet: Vier der zehn Türme sollen in Wohnraum für junge Menschen umgewandelt werden, in zwei soll ein Hotel entstehen und vier sollen weiter als Büros genutzt werden.
Mieterverein München lobt Umbau-Vorhaben
Der Mieterverein München begrüßt den Schritt: "Jeder Quadratmeter an Wohnraum in München zählt", teilte die Geschäftsführerin Monika Schmid-Balzert auf Anfrage mit. Sie weist allerdings auch darauf hin, dass eine Umwandlung in der Praxis "sicherlich auch manchmal schwierig" sein werde.
Dem Mieterverein sei wichtig, mit pragmatischen Lösungen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Sie betont zugleich: "Auch wenn beim Wohnen Abstriche gemacht werden müssen, muss Wohnen sicher bleiben."
Architektinnen und Architekten: Proaktiver Zugang wichtig
Wie das funktionieren kann? Dafür hat etwa der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) Bayern Tipps und Ideen im Papier "Office to Housing": etwa zu gemischten Quartieren, juristischen Rahmenbedingungen oder Optionen für Umbauten. Der Verband lobt das Münchner Vorhaben ausdrücklich, insbesondere den Ansatz, gezielt auf Eigentümerinnen und Eigentümer zuzugehen: "Dieser proaktive Zugang ist ein wichtiger Schritt, um Bewegung in einen komplexen und zurückhaltenden Markt zu bringen. "
Für den Erfolg des Vorhabens ist es laut BDA Bayern wichtig, planende Berufsgruppen und Architekten frühzeitig einzubinden. Ansonsten werde "diese Transformation weder qualitativ noch wirtschaftlich überzeugen", ist der Verband überzeugt. Umnutzungen seien komplex und erforderten "planerische Kompetenz von Anfang an, interdisziplinäre Zusammenarbeit und einen starken Fokus auf Baukultur". Um dauerhaft lebenswerten Wohnraum zu gestalten, müssten architektonische Qualität, funktionale Grundrisse und langfristige Nutzbarkeit berücksichtigt werden.
Dieser Artikel ist erstmals am 17.07.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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