Ein Penthouse in Toronto, danach ein historisches Stadthaus in Albany und am Schluss zwei volle Wochen in New York. "Wir erfüllen uns unseren ganz großen Traum", schwärmt Mandy. Dass sich die Wahlmünchnerin ganze zwei Wochen im Big Apple leisten kann, liegt daran, dass sie und ihre Familie in Privatwohnungen anderer Leute unterkommen. Im Gegenzug stellt Mandy ihre Wohnung im Münchner Südwesten ebenfalls für Reisende zur Verfügung.
Wachsende Community in Deutschland
Für Wohnungs- oder Haustausche gibt es mittlerweile mehrere Anbieter: zum Beispiel HomeExchange, HomeLink oder People Like Us. HomeExchange als einer der größten Anbieter zählt weltweit 270.000 aktive Mitglieder, die anderen Plattformen haben eigenen Angaben zufolge jeweils etwas mehr als 10.000. Deutschland gehöre zwar nicht zu den Top-Märkten, sei aber eine schnell wachsende Region, teilte eine HomeExchange-Sprecherin mit.
So funktioniert das Konzept
Gegen eine jährliche Mitgliedsgebühr zwischen 150 und 175 Euro bekommen die Mitglieder Zugang zu den Tauschangeboten. Außerdem bieten viele Plattformen einen Kundenservice und verifizieren Adressen und Profile der Mitglieder. Lediglich Reinigungsgebühren können bei einem Tausch noch anfallen, der Rest ist kostenlos.
Einige Anbieter werben auch mit einem ausgeklügelten Punktesystem. Es ermöglicht, dass die Urlauber ihre Wohnungen nicht direkt miteinander tauschen müssen, erklärt der Geschäftsführer von HomeExchange, Emmanuel Arnaud: "Mein Haus ist eine bestimmte Menge an Gastpunkten wert, und wenn du bei mir übernachtest, bekomme ich diese Gastpunkte und kann damit woanders Urlaub machen."
Kostenlos heißt nicht umsonst: Eigenleistung ist gefordert
So einfach das klingt: Ein Wohnungstausch erfordert viel Eigenleistung von den Reisenden. Allein das eigene Zuhause so zu putzen und herzurichten, dass Fremde dort unterkommen können, sei ein ziemlicher Aufwand, erzählt Mandy: "Da geht schon ein bisschen Zeit ins Land."
Haus- oder Wohnungstausche leben von dem Vertrauen in fremde Menschen. Das Prinzip ist klar: Was du nicht willst, dass man deinem Zuhause tut, das füg‘ auch nicht dem Meinigen zu. Aber was passiert, wenn Gäste doch mal einen Schaden anrichten oder etwas stehlen? HomeExchange etwa fordert vor jedem Tausch die Autorisierung einer Kaution auf dem Konto der Tauschgäste. Darüber hinaus verspricht die Plattform, in bestimmten Fällen finanziell einzuspringen.
Haus- und Wohnungstausche im rechtlichen Graubereich
Doch als Mieter haftet man erstmal selbst gegenüber dem Vermieter, betont der Münchner Mieterverein. Hinzu kommt, dass sich der Wohnungs- und Haustausch in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Denn: Ununterbrochenen Besuch dürften Mieter zwar eigentlich sechs Wochen lang in der Wohnung empfangen, ohne dafür eine Genehmigung des Vermieters zu brauchen.
Aber: Das setze eine persönliche Beziehung zwischen Gästen und Mietern voraus – was beim Haustausch nicht zwingend der Fall ist. "Deswegen würden wir in solchen Fällen immer dazu raten, sich eine Genehmigung zur Untervermietung einzuholen", empfiehlt der Mieterverein München. Außerdem gibt es Regeln der Stadt bzw. Kommune zu beachten: In München beispielsweise kann es beispielsweise als Zweckentfremdung gelten, wenn eine Wohnung für mehr als acht Wochen im Kalenderjahr als Ferienwohnung genutzt wird.
Betrug im Internet: Auch beim Home-Swap möglich
Und noch ein Risiko birgt der Tausch des eigenen Heims über Online-Plattformen: Trotz Verifikation der Profile können dort – wie auch überall sonst im Internet – Betrüger lauern. Diese Erfahrung musste auch schon Mandy machen: Sie hatte eine Unterkunft reserviert, "aber im Nachgang kam dann die Forderung, dass ich eine Kaution in Höhe von 1.500 US-Dollar anweisen soll". Und das, obwohl die Plattform stets selbst eine Kaution auf dem Konto der Gäste reserviert und betont, dass außer der Reinigungsgebühr keine weiteren Gelder zwischen den Mitgliedern fließen dürfen. Der Kundenservice sperrte auf Mandys Hinweis das Fake-Profil.
Auch Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) warnte bereits vor Online-Betrug im Reisesektor. Gerade bei Ferienwohnungen lockten Cyberbetrüger "mit Angeboten zu Schnäppchenpreisen, die sich am Ende als Phantom-Wohnungen entpuppen", so Eisenreich. Den Reisenden empfiehlt er, bei Angeboten genau hinzusehen und vorsichtig beim Versenden der eigenen Ausweisdokumente zu sein.
Mehrheit der registrierten Unterkünfte sind Hauptwohnsitze
Wer sich dieser Risiken bewusst ist und sich an die Regeln fürs Haustauschen hält, entlastet damit nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern auch den vielerorts angespannten Wohnungsmarkt. Denn: Airbnbs und Ferienwohnungen belegen wertvollen Wohnraum, der den Einheimischen dann fehlt. Beim Wohnungs- und Haustausch ist genau das in den meisten Fällen nicht so: 73 Prozent der weltweit inserierten Unterkünfte seien Hauptwohnsitze, rund 27 Prozent Zweitwohnungen, teilt etwa HomeExchange mit.
Ein Konzept nicht nur für die Metropolen
Übrigens: Haus- und Wohnungstauscher gibt es nicht nur in großen Städten wie München, sondern auch in ländlicheren Gegenden. Beispielsweise in Murnau, wo Familie Höfel ihr großzügiges Haus als Tauschobjekt registriert hat. Wer sich dieses oberbayerische Juwel ertauscht hat, kann in wenigen Minuten zum Staffelsee laufen.
Die Familie hatte anfangs Berührungsängste mit dem Konzept. "Oftmals sind diese Ängste ja stark verbunden mit dem eigenen Bett", sagt Vater Karl. Aber: "Ich reise beruflich viel und übernachte in Hotels, da haben tausend Leute vor mir drin geschlafen." Wenn also mal ein Fremder im eigenen Bett schlafe, sei das nicht so dramatisch. Wer immer noch skeptisch ist, könne auf Überzüge und Topper setzen, empfiehlt er mit einem Augenzwinkern.
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