Die Ernte von Junglandwirt Jochen Schandel in Großwallstadt ist dieses Jahr nicht gut ausgefallen.
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Verdorrtes Fest? Erntedank nach dem Hitzesommer

Verdorrtes Fest? Erntedank nach dem Hitzesommer

Anfang Oktober feiern Katholiken und Protestanten Erntedank. Doch vielen Landwirten ist mit Blick auf ihre verdorrten Felder und schlechten Ernten nicht zum Feiern zumute. Warum Erntedank nach dem Hitze-Sommers ihrer Meinung nach trotzdem Sinn macht.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Am ersten Sonntag im Oktober feiern die Kirchen Erntedank. Doch manchen Landwirten in Bayern ist eher nach Klagen zumute. Vielerorts war es heuer so trocken, dass die Erträge klein ausfallen.

Bayernweit in Unterfranken am trockensten

Vor allem in Unterfranken, wo es bayernweit am trockensten war, gab es den Sommer über wenig Regen, sodass die Ernte vielerorts mickrig ausfällt. Kann man in so einer Situation dankbar sein? "Es ist traurig, dass man aus einem Jahr nur so wenig rausholt", sagt Jochen Schandel und hält eine Zuckerrübe hoch. Nur mit Mühe hat sie der 24-jährige Landwirt aus Großwallstadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg aus seinem viel zu trockenen Ackerboden bekommen. Er wirft mit seinem Vater Dieter einen kritischen Blick auf die Rübe: "Durch die Trockenheit sind die Blätter abgestorben, es ist keine Flüssigkeit mehr drin. Es wird bei ihr also der Zuckergehalt fehlen."

Die Trockenheit hat in der Landwirtschaft zu enormen Einbußen geführt. Und was an einem Ende fehlt, das hat auch Folgen an anderer Stelle auf dem Hof. "Wir bauen die Rüben nur noch an für die Zuckergewinnung. Früher haben wir noch welche an die Tiere verfüttert", sagt Jochen Schandel.

Kühe werden verkauft, weil das Futter fehlt

Denn die Schandels sind im Haupterwerb Milchbauern. Auch frisches Gras gibt es auf den vertrockneten Wiesen in der Region viel zu wenig, um die rund 150 Tiere in seinem Kuhstall satt zu bekommen. "Wir helfen uns damit, dass wir Stroh untermischen ins Futter, damit sie satt werden", erklärt der Landwirt. Damit weniger hungrige Kühe im Stall stehen, überlegt er demnächst Kühe zu verkaufen. "Wir werden noch einige verkaufen zum Schlachten und haben den Monat auch schon fünf Stück fortgeschafft."

Unterm Strich hat der Junglandwirt, der mitten im Hitze-Sommer in den väterlichen Betrieb eingestiegen ist, wohl wenig Grund, dankbar zu sein. Trotzdem überlegt Jochen Schandel, dass Erntedank gerade am Ende dieses trockenen Sommers umso wichtiger wird. "Man muss dankbar sein für das, was trotzdem noch gewachsen ist und auch für das, was an Wasser von oben gekommen ist – aber man wäre natürlich dankbarer, wenn's mehr gewesen wäre", meint der 24-Jährige.

Pfarrer aus einer Landwirtsfamilie kennt die die Sorgen

Im Nachbarlandkreis Aschaffenburg kennt Pfarrer Erich Sauer die Sorgen der Landwirte. Der katholische Seelsorger ist selbst in einer Landwirts-Familie aufgewachsen. Gerade wegen des Hitze-Sommers sei das Feiern von Erntedank umso wichtiger, meint er. "Dass wir ein Bewusstsein dafür wecken, dass nichts selbstverständlich ist, dass nicht einfach alles wächst auf den Feldern. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt für Erntedank in der heutigen Zeit, weil man rechnet ja auch damit, dass die nächsten Jahre wieder trocken und heiß werden", sagt der Pfarrer.

Auch wenn der Klimawandel der Landwirtschaft in Zukunft enorm zu schaffen machen wird, Untergangsphantasien will der Pfarrer nicht befeuern, "weil wir schon auch darauf vertrauen, dass Gottes gute Schöpfung weitergeht und da verbinden wir die Hoffnung damit, dass sich das auch zum Guten wenden kann. Dass auch alle, die in der Landwirtschaft tätig sind, ihr Auskommen haben werden."

Erntedank: Nachdenken statt feiern

Der gleichen Meinung ist auch die Kreisbäuerin des Landkreises Miltenberg, Diana Reinhart. Dass Erntedank die Leute nicht nur zum Feiern, sondern auch zum Nachdenken bringt, findet sie gut. "Es ist wichtig, dass der Verbraucher versteht, dass Erntedank jeden Tag stattfindet, nämlich beim Einkauf. Und ganz besonders in dem Jahr, wo Trockenheit herrscht, dass wir alle mit unserem Kauf die regionale Landwirtschaft unterstützen können", appelliert die Kreisbäuerin.

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