Bei der Vorstellung des Ernteberichts 2026 sprach Alois Rainer von einer "Krise nationaler Tragweite". Ernterückgänge von mehr als elf Prozent beim Raps und über zehn Prozent beim Winterweizen seien eine "herbe Enttäuschung". Deshalb können Landwirte jetzt vergünstigte Kredite beantragen. Der Bauernverband fordert allerdings mehr langfristige Unterstützung. Umweltverbände unterstützen das nur, wenn das Geld auch der Umwelt nützt.
Die Soforthilfen für die Bauern
Er hat dabei Soforthilfen in Höhe von 200 Millionen Euro angekündigt, in Form von verbilligten Krediten bei der landwirtschaftlichen Rentenbank. Das Volumen soll im kommenden Jahr um 300 Millionen Euro auf insgesamt 500 Millionen aufgestockt werden, vorausgesetzt, das Finanzministerium gibt grünes Licht. Das Geld könne von Landwirten als Darlehen unbürokratisch abgerufen werden, das heißt ohne besondere Bedürftigkeitsprüfung.
Betriebe mit großen Ernteeinbußen können beantragen, ihre Sozialversicherungsbeiträge zu stunden, fällige Pachtraten im Notfall aufzuschieben und die Tilgung laufender Rentenbank-Darlehen auszusetzen.
Wie viele Kredite aus dem Liquiditätsprogramm tatsächlich schon abgerufen worden sind, haben Ministerium und die Landwirtschaftliche Rentenbank noch nicht bekannt gegeben.
Jeder dritte Landwirtschaftsbetrieb mit Finanznöten
Jeder dritte deutsche Landwirtschaftsbetrieb hat nach Schätzungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums aktuell Liquiditätsprobleme. Stefan Meitinger vom Bayerischen Bauernverband (BBV) sagt, das wirke sich auch schon aufs nächste Erntejahr aus, weil schon Saatgut und Dünger gekauft werden müssten. "Die Rapsbestellung läuft ja schon, also das ist ja dann schon für die Ernte 2027 und entsprechend dann das Gleiche auch für das Wintergetreide."
Futtervorräte aufgebraucht
Trotz Regen in manchen Regionen wachsen späte Grasschnitte und auch neu eingesätes Ackerfutter eher spärlich, sagt Stefan Meitinger: "Was durch die Hitze verloren gegangen ist, kann nicht so einfach nachgeholt werden". Futterreserven für den Winter würden jetzt schon angebrochen.
Agrarhilfen umstritten in ihrer Wirksamkeit
Die Soforthilfen seien besser als nichts, bedeuten aber laut Bauernverband für die Betriebe neue zusätzliche Schulden, die zurückgezahlt werden müssten. Der Bauernverband fordert deshalb mittel- und langfristige Hilfen. Harald Ulmer, Agrarexperte beim Bund Naturschutz in Bayern, spricht sich gegen ein Gießkannenprinzip aus und fordert stattdessen wirksame Soforthilfen nur für bedürftige Betriebe. Vor allem für "tierhaltende Betriebe, denn wir müssen natürlich uns um die Tiere kümmern, dass die nicht auch unter dieser Situation leiden,“ so Ulmer.
Hilfe für Düngemittel und Diesel
Auch eine höhere Düngemittelhilfe hätte sich der Bauernverband gewünscht, eine Aufstockung auf 180 Millionen. Denn solange die Straße von Hormus nicht befahrbar ist, sieht Stefan Meitinger vom BBV wenig Chancen auf sinkende Düngerpreise, die stark vom Gaspreis abhängig sind. Ähnlich ist die Situation beim Kraftstoff: hier hofft der Bauernverband darauf, dass Biodiesel von der Steuer befreit werden könnte.
Ökoverbände wollen Hilfe nur an konkrete Umweltleistungen knüpfen
Ökoverbände verweisen darauf, dass die Ernte in diesem Jahr verglichen mit dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre gar nicht so schlecht ausfalle. Hilfe für die Landwirte müsse an längerfristige Leistungen zur Klimaanpassung gebunden werden, sagt Harald Ulmer vom Bund Naturschutz. Als Beispiel nennt er Maßnahmen für einen besseren Landschaftswasserhaushalt, dass der Boden mehr Wasser halten kann, etwa eine Wiedervernässung von Mooren, entsprechende Grünlandbewirtschaftung oder im Ackerbau eine Bearbeitung, die Erosion verringert.
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