Kinder sitzen auf kleinen Stühlen im Kindergarten und lauschen einer Vorleserin
Kinder sitzen auf kleinen Stühlen im Kindergarten und lauschen einer Vorleserin
Bild
Vorlesezeit im preisgekrönten Kindergarten Sankt Ruprecht in Heldenstein
Bildrechte: Nadine Cibu/BR
Schlagwörter
Bildrechte: Nadine Cibu/BR
Audiobeitrag

Vorlesezeit im preisgekrönten Kindergarten Sankt Ruprecht in Heldenstein

Audiobeitrag
>

Vorlesen in der Kita – Auszeichnung für Sprachförderung

Vorlesen in der Kita – Auszeichnung für Sprachförderung

Bücher sind wichtig für die Entwicklung von Kindern. Doch Vorlesen ist längst nicht in allen Familien Alltag. Der Kindergarten St. Rupert in Heldenstein setzt auf Bücher. Für dieses Konzept bekommt die Einrichtung das Gütesiegel "Buchkita".

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Im "Fuchsbau", dem Leseraum des Kindergartens St. Rupert in Heldenstein, wartet an diesem Vormittag eine kleine Maus auf die Kinder: Frederick. Erzieherin und Sprachfachkraft Heidi Huber hat das bekannte Bilderbuch mitgebracht, samt Erzählkiste.

Vorlesen wird zum gemeinsamen Erlebnis

Während sie vorliest, sitzen die Kinder im Kreis um sie herum. Immer wieder stellt Huber Fragen: Was passiert gerade? Was könnte Frederick machen? Die Kinder überlegen, antworten und erzählen mit. Dann wird das Buch auf dem Boden weitergebaut: Der fünfjährige Felix breitet ein braunes Tuch aus, sein Zwillingsbruder Jonas baut eine Steinmauer und Ella darf kleine, graue Spielzeugmäuse darauflegen.

Heidi Huber ist auf alltagsintegrierte Sprachförderung spezialisiert. Das bedeutet: Sprache wird nicht in einer eigenen Unterrichtsstunde geübt, sondern zieht sich durch den gesamten Kita-Alltag. "Lesen ist ein ganz wichtiger Baustein der Sprachförderung“, erklärt die Sprachfachkraft. "Kinder lernen beim Vorlesen einen neuen Wortschatz kennen, das Vorlesen regt zum Sprechen an, zum Austausch. Und lesen schafft auch Nähe, gemeinsam Zeit verbringen."

Kindern wird immer weniger vorgelesen

Lesen gehört in St. Rupert fest zum Kita-Alltag und wird in den Gruppen immer wieder kreativ aufgegriffen. Das hat auch eine bundesweite Jury überzeugt: St. Rupert trägt nun das Gütesiegel "Buchkita". 352 Einrichtungen aus ganz Deutschland hatten sich in diesem Jahr beworben, 102 wurden ausgezeichnet. In Bayern sind es insgesamt 14 Kitas. Bewertet wird unter anderem, wie regelmäßig vorgelesen wird, welchen Zugang die Kinder zu Büchern haben und wie Sprach- und Leseförderung in den Alltag eingebaut werden.

Die Arbeit hat auch einen ernsten Hintergrund. Laut Vorlesemonitor der Stiftung Lesen wird etwa jedem dritten Kind zwischen einem und acht Jahren zuhause nur selten oder gar nicht vorgelesen.

Das merken auch die Erzieherinnen und Erzieher im Kindergarten. "Drum fangen wir das bei uns im Kindergarten ganz gut auf", sagt Huber. "Wir nehmen zum Beispiel an den Vorlesetagen teil. Da kommen Omas und Opas zu uns in den Kindergarten und lesen vor. Das ist ein Highlight für die Kinder." Am Kinderbuchtag dürfen die Kinder auch ihre Lieblingsbücher mitbringen. Diese werden dann im ganzen Haus vorgelesen.

Gütesiegel "Buchkita" für drei Jahre

Dass die Methode bei den Kindern ankommt, zeigt sich nach nur einem gemeinsamen Vorlesen. Die Kinder können selbst erzählen, was Frederick macht, was die anderen Mäuse sammeln – und warum Frederick sich anders verhält. "Der Frederik ist eine Maus, die Wörter, Sonnenstrahlen und Farben sammelt", erklärt Jonas stolz. Die dreijährige Ella ergänzt die Farben: "Die waren grün, blau, rot und gelb."

Mit dem offiziellen Siegel darf sich St. Rupert nun drei Jahre lang "Buchkita" nennen. Ein Preisgeld gibt es dafür nicht. Für die Einrichtung ist die Auszeichnung vor allem Anerkennung für die Arbeit, die längst zum Alltag gehört. Und für die Kinder? Die sitzen inzwischen auf einem selbst gestalteten Teppich zwischen Spielzeugmäusen, getrocknetem Mais und einer Steinmauer, blättern selbst noch einmal durch das Buch und spielen weiter. Aus dem Vorlesen entsteht so ihre ganz eigene kleine Welt.

Vorlesen, gemeinsam Geschichten entdecken und dabei Sprache lernen: Dafür werden Kitas mit dem Gütesiegel "Buchkita" ausgezeichnet. Rund 350 Einrichtungen hatten sich beworben, gut 100 haben es geschafft.
Bildrechte: BR24
Videobeitrag

Vorlesen, gemeinsam Geschichten entdecken und dabei Sprache lernen: Dafür werden Kitas mit dem Gütesiegel "Buchkita" ausgezeichnet.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!