US-Präsident Trump verlässt das Weiße Haus in Richtung eines Helikopters.
US-Präsident Trump verlässt das Weiße Haus in Richtung eines Helikopters.
Bild
Präsident Trump wolle nicht mehr Zeit in endlosen Verhandlungen vergeuden, sagt sein Außenminister.
Bildrechte: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Michael Brochstein
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Michael Brochstein
Audiobeitrag

Präsident Trump wolle nicht mehr Zeit in endlosen Verhandlungen vergeuden, sagt sein Außenminister.

Audiobeitrag
>

Während Putin eskaliert und Kiew zurückschlägt: Wo ist Trump?

Während Putin eskaliert und Kiew zurückschlägt: Wo ist Trump?

16 Monate nach seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus erwähnt Trump den Krieg Russlands gegen die Ukraine kaum noch. Der Präsident wolle nicht mehr Zeit in endlosen Verhandlungen vergeuden, sagt sein Außenminister. Dabei eskaliert Putin immer heftiger.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Russlands militärischer Vorteil beginne sich aufzulösen, die Ukraine weite ihre Angriffe sowohl in Reichweite wie Intensität aus, "während die USA eine Pause in den Verhandlungen eingelegt haben". Diese Analyse der Russland-Expertin Tatiana Stanovaya von der Carnegie Russia Eurasia Foundation trifft die gegenwärtige Phase des über vierjährigen Angriffskriegs Russlands gegen das Nachbarland auf den Punkt.

Gegenüber der "Washington Post" begründet die Wissenschaftlerin ihre Einschätzung mit den Worten: "All dies vermittelt den Eindruck, dass die Dinge nicht in die Richtung laufen, die Putin sich wünscht." Die Eskalation sei offenkundig der einzige Weg, auf eine Situation zu reagieren, "die man nicht kontrollieren kann."

Massive Luftangriffe auf die Ukraine

So überzog Russland innerhalb von drei Wochen die ukrainische Zivilbevölkerung mit massiven Luftangriffen. Allein beim letzten Angriff in der Nacht zu Dienstag feuerte die Invasionsarmee 656 Drohnen und 73 Raketen auf Kiew und Dnipro ab, denen 22 Menschen zum Opfer fielen.

Das sei eine "unmissverständliche Erklärung aus Russland," schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf X: "Wenn die Ukraine nicht vor ballistischen und anderen Raketenangriffen geschützt wird, werden diese Angriffe weitergehen." Europa brauche eine eigene Raketenabwehr, um den Krieg endlich zu beenden.

Mangel an Patriot-Raketen

Und mit Blick auf Washington sprach Selenskyj das derzeit dringendste Problem bei der Verteidigung der Ukraine an: "Die Unterstützung der Vereinigten Staaten bei der Lieferung von Raketen für Patriot-Systeme ist absolut notwendig."

Nach Schätzungen der ukrainischen Luftwaffe habe die Ukraine zwar 602 der 656 Drohnen abschießen können, aber nur 40 von 73 russischen Raketen. Von den acht russischen Hyperschallraketen "Zircon" sei in der Angriffsnacht zu Dienstag keine einzige vernichtet worden.

Engpässe bei der Luftverteidigung

Weltweit sind Abfangraketen für die Patriot-Systeme nicht mehr in ausreichender Anzahl verfügbar. Das US-Militär habe seit Kriegsbeginn gegen den Iran bis zu 70 Prozent ihrer Abfangraketen für die Patriot-Systeme verschossen, meldeten amerikanische Medien übereinstimmend. Die Ukraine spürt diesen Mangel an Abfangraketen jeden Tag.

"Es gab Fälle, in denen ich mit Putin schon alles geklärt hatte, Selenskyj aber nicht zustimmen wollte und umgekehrt," sagte der US-Präsident zu Beginn dieses Jahres der "New York Times". Er glaube, jetzt wollten beide eine Einigung erzielen, "aber das wird sich noch zeigen."

Washington zieht sich zurück

Zu diesem Zeitpunkt hatte Trumps Verhandlungsduo Steve Witkoff und Jared Kushner bei ihren mehrmaligen Visiten in Moskau im Jahr 2025 keine Ergebnisse erzielen können. Putin war es gelungen, Trump den Eindruck zu vermitteln, als sei Russland zu Gesprächen bereit und die Ukraine stelle das Hindernis auf dem Weg zu einem Ende des Krieges dar.

Immer wieder versicherte Trump, ein "Deal" sei in greifbarer Nähe und immer wieder stellte sich das Gegenteil heraus. Nach seinem Angriff auf den Iran Ende Februar richtete der US-Präsident sein Augenmerk vor allem auf die Golfregion. Russlands Krieg gegen die Ukraine rückte immer weiter in den Hintergrund.

Diplomatische Pause der USA

So konnte es nicht verwundern, dass Trumps Außenminister Marco Rubio zu erkennen gab, dass Washington es aufgebe, weiterhin Druck auf beide Kriegsparteien auszuüben. "Die USA sind bereit und in der Lage, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um das Ende dieses Krieges zu unterstützen," sagte Rubio gestern gegenüber Journalisten.

Hoffentlich ergebe sich "irgendwann die Gelegenheit," dass die USA diese Rolle erneut übernehmen könnten. Derzeit hat Washington auf die diplomatische Pause-Taste gedrückt.

Stimmung im Kreml verändert sich

Dabei sei der Kriegs Russlands gegen die Ukraine eigentlich "reif für ein Ende," beobachten amerikanische Ex-Diplomaten mit Russland-Erfahrung wie Thomas Graham, der unter Präsident George W. Bush den strategischen Dialog mit Moskau führte.

"Die Stimmung in Moskau hat sich gewandelt," sagte Graham der "New York Times." Die Ukrainer hätten die Frontlinie eingefroren. Die wirtschaftlichen Probleme in Russland verschärften sich. Es brodele eine gewisse politische Unzufriedenheit mit Putin.

Frage nach einem Verhandlungsprozess

Im Kreml drehe sich die Diskussion um die Frage: "Wie stellen wir das als Sieg dar?" Doch um bei Verhandlungen vorwärtszukommen, so der Ex-Russland Berater von Präsident Bush, "muss es einen Verhandlungsprozess geben". Und dieser fehle nach wie vor. Es reiche eben nicht, "nur ein Paar Gesandte zu schicken, die mit Putin sprechen."

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!