Als Lara R. 15 Jahre alt war, dachte sie darüber nach, sich das Leben zu nehmen. In dieser Zeit war sie schwer depressiv. Sie registrierte sich bei U25, einer kostenlosen Online-Suizidprävention der Caritas für Jugendliche und junge Erwachsene.
Innerhalb weniger Tage meldete sich Laras damalige Beraterin bei ihr, eine Abiturientin, also kaum älter als sie selbst. "Da konnte ich eben alles sagen", erzählt Lara. "Auch wenn es noch so schlimm war. Ich hatte da einen Schutzraum."
Anonymer Account und 1-zu-1-Gespräche per Mail
Mehr als 10.000 Menschen haben sich 2024 in Deutschland das Leben genommen – unter ihnen rund 500 Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren. Therapieplätze sind rar, Wartezeiten lang. Zugleich gibt es junge Menschen in schweren Krisen, die diese professionelle psychologische Hilfe nicht in Anspruch nehmen wollen.
Genau für sie ist die niederschwellige Online-Beratung gedacht. Sie läuft komplett digital über die Plattform U25-deutschland.de (externer Link). Wer Hilfe sucht, erstellt dort anonym einen Account. Dies ist bewusst so gewählt – es schafft Distanz und damit Sicherheit. Die Beraterinnen und Berater, sogenannte Peers, sind junge Menschen, die im ähnlichen Alter wie die Ratsuchenden sein sollen. Standort in Bayern ist die Caritas Nürnberg.
Jugendliche helfen Jugendlichen
Die Peers werden umfassend vorbereitet: 32 Stunden dauert ihre Ausbildung, bevor sie eigenständig beraten. Es geht darum, wie man schreibt, wie man sich in die oft hoch belasteten Lebenssituationen hineinversetzt – und auch darum, wie die jungen Beratenden sich selbst schützen. Immer wieder werden sie daran erinnert, dass hinter den Nachrichten echte Menschen stehen, die oft in existenziellen Krisen sind. Manche Ratsuchende bleiben über Jahre mit ihrem Peer online verbunden, andere nur für eine oder zwei Nachrichten. Was aus ihnen wird, erfahren die Peers häufig nicht.
Heute, rund sechs Jahre, nachdem sich Lara damals bei U25 gemeldet hat, ist sie selbst ausgebildete Peer. Sie hört zu, fühlt mit, begleitet – ausschließlich virtuell, per schriftlicher Online-Beratung. Dabei ist immer nur ein Peer jeweils zuständig für einen Chat. "Es ist sehr wichtig, dass niemand mitliest", sagt sie. Außerdem entscheidend: "Dass die Person sich irgendwie verstanden fühlt, also, wenn es zum Beispiel eine ganz junge Person wäre, die in ganz kurzen Sätzen schreibt, dann kann ich keinen dreizeiligen Satz schreiben, ich muss irgendwie schauen, dass die Person das versteht."
Ein Job zwischen Hoffnung und Schwere
Lara Kirkute ist Teamleiterin von U25 in Nürnberg. Sie hat schon häufig erfreuliche Rückmeldungen nach Online-Begleitungen bekommen: "Wir haben auch Ratsuchende, die sagen: 'Mir geht's besser. Danke, dass du da warst, danke, dass du mir zuhörst. Dass ich komplett ich selbst sein kann mit allen schlimmen Gedanken, die ich so habe'". Aber auch traurige Nachrichten gehören zu der Arbeit: Wenn sich Verwandte der Ratsuchenden melden und mitteilen, dass die Person durch Suizid verstorben ist. "Die sich dann aber bedanken, dass wir am Ende noch da waren", sagt Kirkute.
Finanziert wird U25 derzeit vom Bund, in Bayern beteiligt sich auch der Freistaat. Bis Ende 2027 ist die Finanzierung gesichert – was danach passiert, ist noch offen.
Beratung war ein Wendepunkt für Lara
Für Lara R. jedenfalls war U25 ein Wendepunkt. Sie studiert heute Soziale Arbeit und steht wieder fest im Leben. Ihre eigene Geschichte zeigt, welche Bedeutung der geschützte digitale Raum für suizidgefährdete junge Menschen haben kann: "Ich war mir damals ganz sicher, dass ich nie mehr 18 werde. Jetzt bin ich 21, also, es gab dann noch ein Happy End."
Sollten Sie selbst akut Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Beratung erhalten Sie unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222. Weitere Hilfsangebote gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.
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