"Merz hat es voll vergeigt. Er muss weg." Als Investor Carsten Maschmeyer am Dienstagabend in der Sendung "Maischberger" im Ersten mit dem Kanzler abrechnet, ist Markus Söder schon nicht mehr im Studio. Dabei wäre Söders Reaktion auf Maschmeyers Kritik, Deutschland habe ein "Chefproblem", durchaus interessant gewesen. Schließlich nennt der von Merz enttäuschte Maschmeyer auch potenzielle Nachfolger des Kanzlers, unter anderem den CSU-Chef.
Söder geht auf manche Fragen nicht direkt ein
Zuvor hat Sandra Maischberger mehrfach versucht, aus Söder eine kritische Bemerkung zu Kanzler Merz herauszukitzeln. Ob er "der richtige Kanzler für diese Zeit" sei, will die Moderatorin wissen. Worauf Söder sagt: "Ich glaube, dass er Kanzler ist." Und das Grundgesetz gebe dem Kanzler ein starkes verfassungsmäßiges Recht. Worauf Maischberger nachhakt: "Also – man kriegt ihn nicht weg", was Söder mit den Worten quittiert, das Vorgehen der Moderatorin sei zwar "nicht unhumorvoll", aber der Lage des Landes nicht voll angemessen.
"So kann es nicht weitergehen" – in Berlin
Stellt sich Söder damit hinter den Kanzler? Ausdrücklich tut er das nicht. Vielmehr betont der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident in mehreren Interviews, unter anderem im BR, dass die Berliner Politik anders werden müsse, verständlicher. Schließlich habe es sich am Sonntag um eine "Denkzettelwahl" gehandelt, die weniger mit Sachsen-Anhalt und mehr mit Berlin zu tun gehabt habe. "Deswegen muss klar sein, so kann es nicht weitergehen."
Damit geht Söder auf Distanz zur Arbeit der Berliner Koalition. Inwieweit das auch mit Distanz zum Kanzler verbunden ist, lässt er zwar offen. Doch nach Unterstützung für Merz klingt es nicht, wenn Söder im ARD-Brennpunkt auf die Frage "Wackelt der Stuhl des Kanzlers?" antwortet: "Nein, aber es ist eine Herausforderung."
Friedrich Merz ist "angezählt" – heißt es auch bei CSU-lern
Nicht nur bei Söder hält sich der Zuspruch für den Kanzler in Grenzen. Auch andere CSU-ler äußern hinter vorgehaltener Hand Zweifel, machen Merz verantwortlich für das schlechte Image der Bundesregierung. Ein Christsozialer nennt Merz "angezählt". So formuliert es auch der Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky von der Universität Halle: "Man kann von Autoritäts-Erosion sprechen."
Doch wäre Söder bereit, im Fall der Fälle seinen Hut in den Ring zu werfen? Im ARD-Brennpunkt lässt der CSU-Chef, der zum 70. Geburtstag von Merz im vergangenen Jahr von sich noch als dem "freundlichste(n) CSU-Vorsitzende(n) seit Jahrzehnten" gesprochen hatte, an einer Stelle durchblicken, dass er zumindest Wahlkampf besser kann: "Ich war auch da (in Sachsen-Anhalt, Anm. der Red). Ich hatte, glaube ich, mit die größte Veranstaltung."
Nicht mit nach unten gezogen werden – ein mögliches Motiv
Im Moment sieht es vor allem danach aus, als wollte Söder mit seiner Distanz vermeiden, von der negativen Bewertung der Berliner Koalition in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Der "ARD DeutschlandTrend extra", der nach der Wahl am Sonntag erhoben wurde, zeigt, dass die CSU innerhalb der Bundesregierung am besten wegkommt. Bei der Frage, über welche Partei sich Menschen, die mit der Bundesregierung unzufrieden sind, am meisten ärgern, nennen 63 Prozent die CDU, 22 Prozent die SPD, aber nur 7 Prozent die CSU.
Merz' Zukunft: Nach dem 20. September könnte es spannend werden
Klar ist: Auch wenn aus einzelnen Verbänden der CDU und ihrer Nachwuchsorganisation Junge Union bereits Rücktrittsforderungen an den Kanzler gekommen sind – solange noch in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern Wahlkampf geführt wird, dürfte es keine große Personaldiskussion geben. Je nachdem, wie die Wahlen ausgehen, könnte nach dem 20. September aber erneut die Führungsfähigkeit von Friedrich Merz hinterfragt werden. Womit auch die Frage nach einem Nachfolger auf dem Tisch wäre. Eine Frage, die sich dann womöglich auch an Markus Söder richten würde.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
