Seit Jahrzehnten arbeitet Michael Schott als Bergführer im Allgäu. Sonnenschutz war während seiner Arbeit im Gebirge so gut wie kein Thema, berichtet er. Das Einzige, was er und Kollegen sich auf dem Gletscher geteilt hätten, sei eine Tube Labiosan-Creme für die Lippen gewesen. Aus heutiger Sicht fahrlässig, sagt Schott, der Präsident des Verbands Deutscher Berg- und Skiführer e.V ist. Vor etwa zehn Jahren wurde an seinem Ohr heller Hautkrebs entdeckt – und inzwischen erfolgreich behandelt.
Nicht nur Sonnenbrand ist gefährlich
Mit der Diagnose ist der Allgäuer Bergführer nicht allein. Auch wenn es beim Bergführerverband keine offizielle Zählung gibt – Berg- und Skiführer und alle, die sich oft der prallen Sonne im Gebirge aussetzen, haben ein erhöhtes Risiko, an hellem Hautkrebs zu erkranken. Das bestätigt Oana Persa, Leiterin des Hautkrebszentrums der Klinik der Technischen Universität München am Biederstein. Pro 1.000 Höhenmeter steigt die Menge an UV-Strahlung um zehn Prozent. Und zu viel UV-Strahlung kann langfristig zu hellem oder weißem Hautkrebs führen. Sonnenschutz ist daher im Gebirge besonders wichtig. Die Dermatologin betont: Nicht nur Sonnenbrand sei eine Gefahr für die Haut, sondern auch die Gesamtbelastung an UV-Strahlung, die man im Laufe eines Lebens abbekomme.
Lieber Hut statt Käppi, Mittagssonne meiden
Am Berg sollte man daher nicht nur Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor benutzen, sondern auch eine Kopfbedeckung sowie schützende Kleidung tragen – und die Tour umsichtig planen, sagt Dermatologieprofessorin Andrea Bauer vom Universitätsklinikum Dresden. Wenn möglich, soll man sich während der Mittagszeit ganz aus der Sonne zurückziehen. Besser als ein Käppi ist ein großer Hut, der vielleicht weniger schick aussieht, dafür aber Gesicht, Ohren und Nacken zuverlässig schützt.
Ein Schnitt schmerzt sofort, Verletzung durch Sonne erst viel später
Heller oder weißer Hautkrebs durch UV-Strahlung ist im Vergleich zu anderen Krebsarten als Tumor auf der Haut gut sichtbar. Wird er rechtzeitig entdeckt und entfernt, bevor er streut, bestehen 100 Prozent Heilungschancen, so Dermatologieprofessorin Bauer. Sie zieht einen blutigen Vergleich: Wer sich mit dem Messer schneidet, hört sofort auf und legt das Messer weg. Bei Verbrennungen der Haut durch zu viel Sonne ist das anders. Es blutet nicht sofort, dafür sind die Folgen langfristig sicht- und spürbar. Deshalb ist es so schwierig, das Bewusstsein für das Hautkrebsrisiko durch UV-Strahlung zu schärfen.
Prävention, regelmäßige Kontrolle und das Behandeln von Krebsvorstufen wie sogenannter "Aktinische Keratosen" sind besonders wichtig für Menschen, die Bergsport betreiben. Bergführer Michael Schott geht heute nicht nur selbst regelmäßig zur Untersuchung, sondern versucht auch, dafür zu sensibilisieren, am Berg konsequent auf Sonnenschutz zu achten.
Im Video: Risiko Bergsport - Immer mehr Hautkrebsfälle
Die Zahl der Hautkrebsfälle steigt seit Jahren. Haupt-Risikofaktor ist UV-Strahlung – besonders intensiv ist die Sonne in den Bergen.
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