Die Stadt Burghausen will ein oder mehrere Chemieunternehmen wegen der Folgen des Einsatzes von PFOA in der Region verklagen. Der Stadtrat hat beschlossen, eine sogenannte Leistungsklage einzureichen.
Kosten in Höhe von einer Million Euro
Wie es aus dem Rathaus heißt, sollen rund eine Million Euro an Kosten geltend gemacht werden. Kosten in dieser Höhe sollen der Stadt und den städtischen Gesellschaften aufgrund der PFOA-Belastung schon entstanden sein, unter anderem bei Baumaßnahmen. Die Klage werde sich unter anderem gegen den Konzern Dyneon richten, der Erste Bürgermeister der Stadt Burghausen, Florian Schneider (SPD), sagte: "Die Einreichung erfolgt noch heuer, wir gehen von November aus."
Folgekosten könnten 100 Millionen Euro betragen
Die Stadt will außerdem Forderungen in Höhe von rund 80 bis 100 Millionen Euro gegenüber der Dyneon-Mutter 3M anmelden. Weil Dyneon verkauft wurden, muss das binnen eines halben Jahres nach Verkauf angemeldet werden, also noch dieses Jahr.
Es geht dabei um geschätzte Folgekosten, die auf Burghausen etwa durch die Entsorgung von belastetem Erdreich zukommen könnten. Bei Bauprojekten sei das extrem teuer, hieß es. "Investoren sind aufgrund der zu erwartenden Zusatzkosten zögerlich und haben Projekte deshalb zum Teil auch schon abgesagt", so Bürgermeister Schneider.
Burghausen als Vorbild
Andere Kommunen und Betroffene könnten sich ein Vorbild am juristischen Vorgehen der Stadt Burghausen nehmen. Der Grund unweit des bayerischen Chemiedreiecks ist vielerorts mit PFOA belastet. Die Chemikalie war früher bei Firmen im Chemiepark Gendorf in Burgkirchen an der Alz unweit von Altötting legal im Einsatz. Sie darf aber in der EU seit 2020 nicht mehr hergestellt werden.
PFOA, die "Ewigkeitschemikalie"
Der Stoff wurde in einigen Kommunen, darunter Altötting, vor Jahren auch im Trinkwasser gefunden – und in der Folge im Blut von Anwohnern. Als wichtigste Maßnahme wurden deshalb die betroffenen Trinkwasserversorgungen unter anderem mit Aktivkohlefiltern ausgestattet.
Laut Umweltbundesamt baut sich PFOA nicht ab, die Chemikalie gilt als möglicherweise krebserregend und soll unter anderem die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
Mit Informationen von dpa
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
