Passagiere im Abflugbereich des Albrecht Duerer Airport Nuernberg
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Wenig los am Himmel: Deutsche Luftfahrt klagt über Steuern
Bildrechte: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Eibner-Pressefoto/Ardan Fuessman
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Wenig Passagiere: Deutsche Luftfahrt klagt über hohe Steuern

Wenig Passagiere: Deutsche Luftfahrt klagt über hohe Steuern

Wenig Passagiere an deutschen Flughäfen: Die hohen Steuern sind laut Branchenverband der Luftverkehrswirtschaft ein großer Wettbewerbsnachteil. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum Deutschland beim Luftverkehr hinterherhängt.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten Franken am .

Branchenverbänden wie dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) sind die höheren Steuern in Deutschland, verglichen mit anderen europäischen Ländern, schon länger ein Dorn im Auge. Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des BDL, sprach bei einem Pressetermin am Nürnberger Albrecht-Dürer-Airport diese Woche von einem klaren Wettbewerbsnachteil.

Passagierzahlen steigen in anderen europäischen Ländern schneller

Der Flugverkehr in Deutschland hinkt dem Vor-Corona-Niveau hinterher. Das ist in vielen anderen europäischen Ländern anders. Seit Ende der Pandemie steigen die Passagierzahlen in Deutschland zwar jährlich wieder an, dennoch war man 2024 erst bei 85 Prozent der Passagierzahlen, die man noch 2019 gehabt hatte (2019: 248,1 Millionen, 2024: 211,9 Millionen Passagiere laut Flughafenverband ADV). Europaweit würden nur Finnland, Slowenien und Schweden schlechter abschneiden, so Joachim Lang.

Die sogenannten Standortkosten in Deutschland bestehen in der Regel aus der Luftverkehrssteuersteuer, den Flugsicherungsgebühren sowie den Sicherheitsgebühren am Boden und machen ungefähr ein Drittel des Ticketpreises aus.

"Innerdeutsche Flüge lohnen sich nicht mehr"

Für viele Airlines lohnt es sich nicht mehr, innerdeutsche Verbindungen anzubieten, sagt Lang. Denn da müsse die Luftverkehrssteuer dann zweimal bezahlt werden (die Steuer gilt jeweils für den Abflug aus Deutschland). Das deckt sich mit den Aussagen eines Brancheninsiders einer Fluggesellschaft, der nicht genannt werden möchte. Wer Geld verdienen will, stationiert sein Flugzeug lieber außerhalb Deutschlands und fliegt dann von dort, sagt er. Umsetzen könnten das aber in der Regel nur Billigfluggesellschaften wie Ryanair oder EasyJet, die nicht an feste Drehkreuze gebunden sind – im Gegensatz zu Anbietern wie beispielsweise die Lufthansa (München und Frankfurt) oder KLM (Amsterdam).

Ein weiterer Insider berichtet, dass gerade Billigfluggesellschaften mit kleineren Flughäfen attraktive Pakete abgeschlossen hätten. Diese machten es dann immer noch rentabel, diese Flughäfen anzusteuern.

DLR-Studie untersuchte genaue Ursachen

Warum in Deutschland das Passagieraufkommen langsamer wächst als in anderen europäischen Staaten, hat auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beschäftigt. In einer Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums untersuchte ein Team um Dr. Sven Maertens vom Institut für Luftverkehr am DLR die genauen Gründe. Demnach stiegen die Standortkosten in Deutschland zwischen 2019 und 2024 um 38 Prozent, im europäischen Durchschnitt um 26 Prozent.

Statistisch signifikant seien neben den Standortkosten auch die schwache Wirtschaft, sagt Maertens. Diese beiden Faktoren machen demnach etwa 18 Prozent aus und tragen zur fehlenden Erholung des Luftverkehrs in Deutschland bei.

"Bunter Blumenstrauß an Gründen"

Es gebe aber insgesamt einen "bunten Blumenstrauß an Gründen", warum der deutsche Luftverkehr anderen europäischen hinterherhinke. Dazu zähle zum Beispiel der Krieg in der Ukraine und Russland (macht etwa fünf Millionen Passagiere aus), um 27 Prozent gestiegene Ticketpreise sowie ein Umdenken bei der Bevölkerung, die gerade auf innerdeutschen Strecken auch auf die Bahn ausgewichen ist. Auch bei den Geschäftsreisen habe es ein Umdenken gegeben. Viele Unternehmen setzten vermehrt auf Online-Sitzungen.

Flughafen Nürnberg breit aufgestellt 

Auch der Nürnberger Albrecht-Dürer-Airport beklagt hohe Standortkosten und hofft auf eine Reduzierung. Im vergangenen Jahr hatte der Airport rund vier Millionen Passagiere, in diesem Jahr rechnet man mit rund 4,4 Millionen. Vor allem mit einer stabilen Preispolitik gegenüber den Airlines sowie einem Mix aus Billigfluggesellschaften wie Ryanair oder SunExpress und Netzwerk-Airlines, die Passagiere an Drehkreuze wie Frankfurt, Paris oder Amsterdam fliegen, hat der Flughafen es geschafft, nach Corona wieder stabiler zu wirtschaften als andere kleinere Airports in Deutschland. 

Fehlende Geschäftsreisende, Tourismus boomt 

Wie an vielen deutschen Flughäfen fehlen auch in Nürnberg die Geschäftsreisenden. Gerade die Strecken in wirtschaftsstarke Regionen wie Österreich, Schweiz, UK oder Norditalien sind von Deutschland aus reduziert oder ganz gestrichen worden. Nur dank der starken Nachfrage in touristische Gebiete, beispielsweise in den Mittelmeerraum, können Flughäfen wie der Nürnberger ihre Bilanz ausgleichen, sagen mehrere Branchenkenner. Hinzu kommen weitere Geschäftsfelder, wie beispielsweise das Vermieten von Park- und Büroflächen, mit denen Geld verdient wird.

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