Eigentlich können Flüsse nicht einfach verschwinden. Doch der Miesbach war jahrelang auf Online-Karten im Internet nicht mehr auffindbar. Obwohl die gleichnamige Kreisstadt in Oberbayern nach diesem Bach benannt worden war.
Wie der Miesbach aus dem Internet verschwand
Plötzlich sei nur noch vom Thalerbach - oder auch Talerbach - die Rede gewesen, ärgerte sich der Miesbacher Stadtrat Markus Baumgärtner (CSU). Er hatte sich deshalb mit drei Mitstreitern aus der Region zusammengetan, um den Miesbach zurück zu bringen [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]. Bei ihrer Recherche fanden sie heraus: Tatsächlich stand schon 2014 im Gewässerverzeichnis des Bayerischen Landesamts für Umwelt der falsche Name.
Irgendwann wurde der Miesbach offenbar fehlerhaft als Thalerbach betitelt und von dort aus habe sich der Irrtum immer weiter verbreitet zu Google Maps oder Wikipedia. Dabei sei der Thalerbach eigentlich immer nur ein kleines Bacherl gewesen, ein Rinnsal, das weiter oben in den Miesbach fließt.
Eine Karte mit Bächen rund um Miesbach.
Falschinformation verbreitet sich
"Der eine sagt es falsch und ein anderer sagt es weiter und auf einmal wird's zur Wahrheit", vermutet Baumgartner, "wie bei der Flüsterpost". Für ihn als Alteingesessenen hieß der Bach durch seinen Heimatort aber schon immer Miesbach. Früher habe es für jeden Grundschüler zum Unterricht dazu gehört, mit den Klosterschwestern einmal ins Quellgebiet zu wandern.
Im Zuge der Recherche verfolgte er den Miesbach bis zum Ursprung. Auch der Miesbacher Stadtkurator Alexander Langheiter forschte nach, sprach mit Familien, die schon immer neben dem Miesbach wohnten. Auch die wunderten sich, dass ihr Bach auf einmal anders heißen soll. Seit 2024 versucht Langheiter, den Eintrag auf dem amtlichen Weg korrigieren zu lassen.
Digitale Spurensuche dauert drei Monate
Dann bekam das Team Verstärkung durch Stadtrat Bernhard Hering (Grüne). Als Software-Entwickler forschte er im Internet, wo die Fehlerkette begann. Seiner Erfahrung nach seien alle Kartendienste im Internet vernetzt und schreiben voneinander ab. So habe sich der Fehler im Netz immer weiter verbreitet.
Drei Monate lang hat er sich deshalb reingefuchst, um nach und nach die Falscheinträge auf Wikipedia, Open Street Map oder Google Maps zu korrigieren – mit Erfolg.
Das Rätsel habe ihm Spaß gemacht, gesteht er ehrlich. Google sei aber schon ein Brett gewesen. Bei Open Street Map hat ihn Mitstreiter Horst Garstka unterstützt. Auch im Bayernatlas ist der richtige Name wieder eingetragen. Der namensgebende Miesbach fließt jetzt auch wieder offiziell durch den Ort.
Erfolg für die Miesbacher und ihren Bach
Der Thalerbach hingegen ist lediglich wieder ein kleiner Bach, der in den Miesbach fließt. Laut Markus Baumgartner sei dieser Thalerbach gerade mal 30 bis 40 Zentimeter breit. Trotzdem habe dieses Rinnsal fast die Oberhand gewonnen. Es mache ihn froh, dass Miesbach seinen Miesbach wieder hat.
Bei der Recherche konnten die vier Mitstreiter außerdem noch einen Namen aufdecken, der fast in Vergessenheit geraten wäre. Denn ein weiterer Zufluss zum Miesbach war über die Karten nur noch als "Bacherl" bekannt. Bei der Recherche mit Anwohnern im Quellgebiet konnten sie herausfinden, dass dieser Bach eigentlich Erlbach heißt – und auch der wurde nun offiziell wieder eingetragen.
Im Internet hieß der Miesbach plötzlich Talerbach.
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