Der Name RASF - Radikale Anti Smartphone Front - klingt ziemlich extrem. Das findet auch der Initiator der Aktion, Benno Flügel: "Viele Menschen fragen sich, ob wir Apple Stores in die Luft sprengen. Aber nein, wir sind ganz friedlich. Wir wollen die Welt mit Worten verändern."
Flyer-Aktion in Münchner Innenstadt
Der 35-jährige Aktionskünstler aus Berlin hat sich ganz gezielt die Oktoberfestzeit für seinen ersten Auftritt in München ausgesucht. Nicht zuletzt, weil er hofft, so besonders viele junge Menschen zu erreichen.
"Lieben statt Liken", "Maß statt Meta" und "Mia san Offline!" so die Sprüche auf den postkartengroßen Flyern die jetzt überall in der Münchner Altstadt und rund um die Festwiese recht auffällig an Laternenmasten kleben.
Benno Flügel findet, dass die Smartphones wertvolle Zeit für andere Dinge stehlen. "Dinge, wie Freunde treffen, Bücher lesen, Sport machen bringen mir einen Reichtum, der nicht mit Geld aufzuwiegen ist."
Suchtpotential: Zu viel Zeit am Bildschirm
Gerade junge Menschen seien sehr empfänglich für die Verlockungen der digitalen Alleskönner-Geräte, deswegen sucht Aktionskünstler Benno Flügel während seiner Klebeaktionen gezielt das Gespräch und findet recht schnell eine Gruppe von jungen 16-Jährigen, die fast alle zugeben, dass sie eigentlich zu viel Zeit am Smartphone-Bildschirm verbringen.
Kris sagt: "Ich merke ja selber, dass ich am Smartphone chille, obwohl ich weiß, dass ich eigentlich was anderes zu tun habe oder lieber ein Buch lesen möchte." Lilli ergänzt: "Man merkt, dass das Handy echter Alltag ist, und dass das auch das Erste ist, wonach man in der Früh greift. Aber das will ich eigentlich gar nicht."
Forscher: Weiterwischen wird zur Sucht
Suchtfaktor Nummer eins sind Social Media Kanäle wie Instagram oder Tik Tok. Der renommierte Gehirnforscher Manfred Spitzer, bis 2025 Professor für Psychiatrie an der Universität Ulm, warnt seit langem vor den Gefahren der digitalen Reizüberflutung. Nach jedem Post steckt noch einer, der vielleicht noch interessanter ist. Für viele Menschen sei das Weiterwischen auf den Social Media-Kanälen nahezu unwiderstehlich, so der bekannte Hirnforscher.
Auf seinem Laptop zeigt der Professors Fotos, die die jeweiligen Gehirnaktivitäten bei bestimmten Tätigkeiten hervorheben. "Hier eine Studie zur Kokainsucht und den Effekten auf das Gehirn und hier zur Social Media-Sucht – und man sieht ganz deutlich: Es sind fast die selben Gehirnareale aktiviert. Das zeigt, dass übermäßige Social Media-Nutzung tatsächlich eine Sucht ist."
Wie geht Digital Detox?
Wie bei jeder Sucht ist der Entzug oft nicht mit einfachen Vorsätzen zu schaffen. Mittlerweile gibt es sogar Apps, die einem helfen, die Bildschirmzeit zu beschränken. Dabei lassen sich sowohl die Gesamtdauer für die Nutzung des Smartphones als auch jeweils nur die Nutzungsdauer einzelner Apps vorab festlegen. Eine Bildschirmanzeige ploppt dann jeweils beim Erreichen des Zeitlimits auf.
Aber auch das hilft nicht immer, erzählt der 14-jährige Felix bei der Straßenumfrage: "Also ich finde auch, dass ich manchmal zu viel am Smartphone bin, und setz mir dann einen Timer. Aber wenn die Anzeige kommt, dann wische ich die weg, weil ich weiter schauen will."
Digital Detox - also digitale Entgiftung - ein Thema, mit dem sich Daniela Halsboer schon mehrfach als Autorin beschäftigt hat. Sie empfiehlt: eine radikale Pause. Ein paar Wochen oder sogar Monate ganz ohne Bildschirm. "Erst wenn ich diesen ganzen digitalen Lärm mal abschalte, dann höre ich mich wieder, dann nehme ich mich wieder wahr, und man wird auch spüren, wie der ganze Druck, immer mithalten zu müssen, von einem abfällt."
Wegwerfen oder weitermachen
So radikal der Name der RASF auch klingt, Benno Flügel wirbt eigentlich für einen gemäßigten Mittelweg. Ein Leben ganz ohne Smartphone sei heutzutage ziemlich utopisch. So habe er selbst vor zwei Jahren sein altes Tastenhandy durch ein Smartphone ersetzt. Ganz einfach, weil man Dinge wie den Kauf von Bahntickets und das Bezahlen per Banküberweisungen fast gar nicht mehr anderes erledigen könne.
"Wir möchten die Smartphones nicht wegwerfen oder verdammen! Wir möchten, dass sie ein Werkzeug werden, mit dem wir Zeit sparen und nicht verschwenden." Weniger Smartphone und mehr echtes Leben – es lohnt sich drüber nach zu denken.
Benno Flügel von der Radikalen Anti Smartphone Front will Denkstöße geben.
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