Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht beim Gedenkakt der Landeshauptstadt München anlässlich des 10. Jahrestags des Attentats am Olympia-Einkaufszentrum am Denkmal „Für Euch“.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht beim Gedenkakt der Landeshauptstadt München anlässlich des 10. Jahrestags des Attentats am Olympia-Einkaufszentrum am Denkmal „Für Euch“.
Bild
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim OEZ-Gedenkakt in München
Bildrechte: pa/Dpa/Sven Hoppe
Schlagwörter
Bildrechte: pa/Dpa/Sven Hoppe
Videobeitrag

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim OEZ-Gedenkakt in München

Aktualisiert am
Videobeitrag
Erschien zuerst am
>

Zehn Jahre OEZ-Anschlag: Gedenken und Mahnung

Zehn Jahre OEZ-Anschlag: Gedenken und Mahnung

Zehn Jahre nach dem rechtsextremen Anschlag am OEZ erinnerte München mit einer großen Gedenkfeier an die neun Ermordeten. Angehörige, Überlebende und Politiker kamen zusammen – es ging um Schmerz, Wut und noch immer offene Fragen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Die Hanauer Straße ist weiträumig abgesperrt. Direkt vor dem Eingang zum Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) ist wie jedes Jahr eine Bühne aufgebaut. Überall erinnern Bilder an die neun Getöteten des Anschlags vor zehn Jahren: Armela, Can, Dijamant, Guiliano, Hüseyin, Roberto, Sabine, Selçuk und Sevda – sie stehen heute im Mittelpunkt.

Der Bereich direkt vor der Bühne ist für geladene Gäste aus der Politik vorbehalten sowie für die Angehörigen. Hinter der Absperrung nehmen zudem hunderte Menschen Anteil. Die Angehörigen hatten sich bereits am Nachmittag mit dem Bundespräsidenten getroffen, abgeschirmt von den Augen der Öffentlichkeit.

Beim offiziellen Gedenken sitzen dann neben Frank-Walter Steinmeier auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) sowie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne).

Steinmeier: OEZ-Anschlag "betrifft unser ganzes Land"

In seiner Rede würdigt der Bundespräsident den langen Kampf der Angehörigen. Über drei Jahre und drei Monate mussten sie warten, bis der Freistaat Bayern die Tat als rechtsextremen, rassistischen Terroranschlag anerkannt hatte. Die Tat betreffe nicht nur die Opfer und ihre Angehörigen und Freunde, nicht nur die Stadt München, nicht nur den Freistaat Bayern, "sie betrifft unser ganzes Land, und sie geht uns alle in diesem Land an", betont Steinmeier. Die Opfer würden nicht vergessen.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner sagt, man habe verstanden, es gebe an diesem Tag keinen anderen Ort, an dem man sein solle. Im vergangenen Jahr fand zum Gedenkzeitpunkt der offizielle Empfang der Landtagspräsidentin in Schloss Schleißheim statt. Ein Umstand, der bei den Hinterbliebenen der Getöteten auf völliges Unverständnis gestoßen war.

Was die Angehörigen fordern

Das eigentliche Zentrum der Veranstaltung bilden die Beiträge der Angehörigen. In acht persönlichen, oft unter Tränen gesprochenen Beiträgen erinnern sie an die Getöteten. Manche lassen ihre Worte stellvertretend verlesen, weil sie selbst nicht sprechen können. Was fast alle von ihnen fordern: die sofortige Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses im bayerischen Landtag.

Lange hätten sie sich alleine gelassen gefühlt und viele Fragen seien immer noch ungeklärt. In einem sehr emotionalen Redebeitrag fragt Gisela Kollmann, die Großmutter des getöteten Guiliano Kollmann, warum man die Angehörigen so lange alleine gelassen habe. Warum es drei Jahre dauerte, bis die Tat als rechter Terror eingestuft wurde.

Herrmann lehnt Untersuchungsausschuss ab

Weder der Bundespräsident noch die Landtagspräsidentin gehen in ihren Reden auf den Wunsch nach einem Untersuchungsausschuss ein. Münchens OB Krause stellt klar: Der Anschlag habe die Stadt "ins Mark getroffen". Auch er erinnert daran, dass es lange dauerte, bis die Tat offiziell als rechtsextrem eingestuft wurde: "Warum fällt es unserer Gesellschaft immer wieder so schwer, rechtsextremen Terror als das zu benennen, was er ist?"

Zum Wunsch nach einem Untersuchungsausschuss äußert sich Innenminister Joachim Herrmann bei BR24: Er glaube nicht, dass ein solches Gremium "hier noch mal neue Erkenntnisse zutage fördern würde". Der Minister verweist darauf, dass dem Landtag bereits 2019 ein umfassender Bericht vorgelegt wurde, in dem die Tat klar als rassistisch und rechtsextremistisch motiviert benannt worden sei. Der CSU-Politiker kündigt aber an, sich im September mit den Angehörigen treffen zu wollen, "um dem nachzugehen, welche konkreten Fragen denn da eigentlich jetzt noch offen sind".

OEZ-Anschlag löste Massenpanik in München aus

Zum Hintergrund: Am 22. Juli 2016 erschoss ein 18-jähriger rechtsextremer Deutsch-Iraner in der McDonald's-Filiale an der Hanauer Straße sowie vor der damaligen Saturn-Filiale und im Olympia-Einkaufszentrum acht junge Menschen und eine Mutter. Weitere Menschen wurden verletzt. Der Täter erschoss sich selbst.

Im weiteren Verlauf löste der Anschlag eine Massenpanik in München aus. Es gab heutigen Infos zufolge circa 75 "Phantom-Tatorte" – Tatorte, die keine waren. Drei von der Stadt München beauftragte Gutachter kamen 2017 unabhängig voneinander zu dem Schluss, dass es sich bei der Tat um rechten Terror handelte. Dieser Auffassung folgten die bayerischen Ermittler erst im Jahr 2019.

Im Video: Der Gedenkakt in voller Länge

22.07.2026, Bayern, München: Angehörige der Opfer nehmen am Gedenkakt der Landeshauptstadt München anlässlich des 10. Jahrestags des Attentats am Olympia-Einkaufszentrum teil. (zu dpa: «Gedenken am OEZ: «Die Tat betrifft unser ganzes Land»») Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe
Videobeitrag

10. Jahrestag des Attentats am Olympia-Einkaufszentrum

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!