Ein Landwirt steht vor einem Berg Kartoffeln. Im Hintergrund ist ein riesiger Misthaufen.
Ein Landwirt steht vor einem Berg Kartoffeln. Im Hintergrund ist ein riesiger Misthaufen.
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Vor der Biogasanlage muss Landwirt Karlheinz Böck seine Kartoffeln direkt neben den Misthaufen kippen, weil er keine Abnehmer findet.
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Vor der Biogasanlage muss Landwirt Karlheinz Böck seine Kartoffeln direkt neben den Misthaufen kippen, weil er keine Abnehmer findet.

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Wohin mit Kartoffeln? Gute Ernte im Vorjahr – jetzt ein Problem

Wohin mit Kartoffeln? Gute Ernte im Vorjahr – jetzt ein Problem

Weil die vergangene Kartoffelernte besonders gut war, lagern bei vielen Kartoffelbauern in Bayern noch tonnenweise Kartoffeln ein. Sie müssen bald weg – aber die Abnehmer fehlen. Deshalb müssen einige Landwirte zu einem traurigen Mittel greifen.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Bei Landwirt Karlheinz Götz und seinem Sohn Christoph lagert in einer Halle das Ergebnis dessen, woran sie das ganze letzte Jahr gearbeitet haben: ihre Kartoffelernte, 2.400 Tonnen. Bald werden sie zu keimen beginnen. Höchste Zeit für die Kartoffelbauer aus Wallerstein im Landkreis Donau-Ries, Abnehmer zu finden. Doch das ist nicht nur schwierig, sondern zum Teil fast unmöglich.

Kartoffelbauer: "Die will niemand"

Für ein Drittel seiner Ernte macht sich Senior Karlheinz Götz keine Hoffnung mehr. "Die will niemand, die will einfach niemand", sagt er und meint vor allem die Pommes-Frites-Fabrik in der Nähe. Mit ihr hat er einen Vertrag abgeschlossen. Aber sie nimmt nur die vertraglich vereinbarten Mengen ab – je nach Nachfrage der Kunden. Der Rest ist sogenannte freie Ware. Auch die hat das Vater-Sohn-Gespann in vielen Jahren gemeinsamer Arbeit immer verkaufen können. Bis heute.

An diesem Tag werden sie mit dem Anhänger die ersten Ladungen zur nahegelegenen Biogasanlage fahren. Dort wird aus den Kartoffeln gemeinsam mit anderen Reststoffen Methangas hergestellt.

Notlösung: Kartoffeln kommen in die Biogasanlage

Eine ethisch fragwürdige Entscheidung – und ein schlechtes Geschäft obendrein: Zwei Euro pro hundert Kilo verdienen Karlheinz und Christoph Götz damit. Das ist ein Zehntel dessen, was sie normalerweise verdient hätten. Doch auch auf dem freien Markt sind die Preise für alle Kartoffelsorten gerade niedrig. Für festkochende Kartoffeln etwa bekommen Landwirte gerade sieben Euro pro hundert Kilo. Im vergangenen Jahr war es mehr als dreimal so viel.

Der Grund für die Misere ist paradox, nämlich die gute Ernte dank des Wetters im vergangenen Jahr. Ein warmes Frühjahr hatte die Pflanzen gut sprießen lassen und viel Regen im Sommer hat eine überdurchschnittlich große und hochwertige Ernte hervorgebracht. Das Resultat: ein Überangebot an Kartoffeln – und zwar nicht nur in Schwaben, sondern deutschland- und sogar europaweit.

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Im Vergleich zum letzten Jahr sind die Kartoffelpreise aktuell besonders niedrig.

Gute Ernte sorgte für Überangebot

"Wir haben im Oktober Erntedank gefeiert und ich habe es auch öffentlich gesagt: Wir sind auch dankbar, dass so viel gewachsen ist. Nur wenn man dann sieht, dass man es entsorgen muss, dann tut es einfach weh. Nicht nur finanziell, sondern auch ethisch", sagt Kartoffelbauer Karlheinz Götz.

Wie ihm geht es den meisten bayerischen Kartoffelbauern. Viele von ihnen sind organisiert in der Erzeugergemeinschaft für Bayerische Qualitätskartoffeln. Ihr Geschäftsführer Johann Graf erklärt, einen "Schuldigen" gebe es für das Problem nicht, auch die Politik könne aktuell nicht helfen. "Die Ernte war einfach riesig und die muss jetzt verräumt werden", so Graf gegenüber BR24.

Zum Spargel: heimische Lager- statt importierte Frühkartoffeln

Aber: Verbraucher können regionale Erzeuger unterstützen, gerade jetzt zur Spargelzeit. Häufig würden im Einzelhandel gerade Frühkartoffeln als Beilage angeboten. Da die aber bei uns noch nicht wachsen, kommen sie aus dem Ausland. "Es gibt jetzt gute bayerische Kartoffeln, die alten Lagerkartoffeln, die herzhaften Kartoffeln passen perfekt zum frischen Spargel", so Graf.

Die Tafel kann nicht alle Kartoffeln "retten"

Bei Kartoffelbauer Karlheinz Götz und seinem Sohn Christoph aus dem schwäbischen Wallerstein gibt es zumindest einen Lichtblick: Die Tafel in Nördlingen hat sich bereit erklärt, einen Teil der Kartoffeln mitzunehmen. Daran verdient Götz keinen Cent, aber es sei besser als Wegschmeißen.

Elf Kisten und damit circa eine halbe Tonne sind es am Ende. Mehr ist nicht drin, sagt ehrenamtliche Helferin Silvia Balan. "Wir haben 200 Kunden pro Woche und werden woanders noch beliefert. Wir hätten nicht mal den Platz, das alles zu lagern. Die würden bei uns leider kaputt gehen."

Kartoffelbauer Karlheinz Götz plant nun, in der kommenden Saison 40 Prozent weniger Kartoffeln anzubauen – und hofft, dass er in diesem Jahr kostendeckend arbeiten kann. Dafür habe es im vergangenen Jahr nicht gereicht.

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