Symbolbild: Flugzeug am Flughafen München.
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Die unfreiwillige Übernachtung von Passagieren in Flugzeugen am Münchner Flughafen schlägt weiter hohe Wellen.
Bildrechte: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Eibner-Pressefoto/Ardan Fuessman
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Zwangsübernachtung am Münchner Flughafen – Kritik von Feuerwehr

Zwangsübernachtung am Münchner Flughafen – Kritik von Feuerwehr

Die unfreiwillige Übernachtung von Passagieren in Flugzeugen am Münchner Flughafen schlägt weiter hohe Wellen. Jetzt kommt Kritik auch von der Feuerwehr.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Nach der unfreiwilligen Übernachtung Hunderter Passagiere in Flugzeugen am Münchner Flughafen gibt es nun auch Kritik von der Feuerwehr. Der Bundesvorsitzende der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft, Siegfried Maier, bemängelte, "dass es nicht zu einer Alarmierung der Flughafenfeuerwehr gekommen ist", wie er der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.

Warum kam die Flughafenfeuerwehr nicht zum Einsatz? 

"Flughafenfeuerwehren halten spezielle Treppen vor, um Menschen in besonderen Situationen das Aussteigen aus einem Flugzeug zu ermöglichen. Auch am Flughafen München werden solche Treppen bei der Flughafenfeuerwehr vorgehalten", sagte Maier. Warum die nicht zum Einsatz kamen, wisse er nicht. Denn wären sie zum Einsatz gekommen, hätten die Einsatzkräfte dafür gesorgt, dass die Passagiere aussteigen können.

"Ein eventueller Transport in ein Flughafengebäude wäre ebenfalls zu organisieren möglich gewesen", betonte Maier. Dazu hätten beispielsweise auch Fahrzeuge von Feuerwehr und Bundespolizei genutzt werden können. "Ein Notausstieg und Transport in ein Gebäude wäre vielleicht nicht für alle Betroffenen zeitgleich zu realisieren, aber möglich gewesen", sagte der Gewerkschaftschef.

Vielleicht gebe es bislang nicht veröffentlichte Gründe dafür, dass die Feuerwehr nicht alarmiert wurde. Sollte das aber gar nicht erwogen worden sein - obwohl die Feuerwehr doch extra für besondere Situationen da ist - dann "müssen Schlüsse für die Zukunft gezogen werden", so Maier weiter.

Pressekonferenz von Flughafen und Lufthansa angekündigt

Insgesamt waren laut Flughafen in der Nacht zum Freitag vergangener Woche sechs Flüge mit rund 600 Passagieren betroffen, die bereits an Bord waren und eigentlich starten sollten. Als die Flugzeuge dann aber wegen des starken Schneefalls wider Erwarten doch nicht abheben durften, fehlten Busse, um die Fluggäste ins Flughafengebäude zurückzubringen.

Zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr morgens gilt in München die Nachtflugregelung. Um trotzdem doch noch möglichst viele Flüge zu ermöglichen, sei in der Nacht eine Sonderfluggenehmigung eingeholt worden und Flugzeuge seien noch bis 1.00 Uhr nachts auf die Rollfelder geschickt worden. Wegen des massiven Schneefalls konnten die betroffenen sechs Flieger in dem Zeitfenster nicht abheben, hieß es vom Flughafen.

Für den morgigen Freitag haben der Flughafen und die Lufthansa eine Pressekonferenz zu dem Vorfall angekündigt. In der Einladung dazu heißt es: "Die Flughafen München GmbH und Lufthansa arbeiten intensiv an der Aufklärung der Abläufe."

Kritik von Grünen und SPD

Dass etwa 600 Passagiere stundenlang in ihren Maschinen ausharren mussten, hatte zuvor unter anderem der Grünen-Politiker Johannes Becher schon kritisiert: "Dieser Vorgang ist eines sogenannten Fünf-Sterne-Airports unwürdig und peinlich für Bayern". Er hatte gefragt: "Wer hat diese untragbare Entscheidung zu verantworten, die Passagiere über Nacht nicht aus den Flugzeugen herauszulassen? Und warum griffen keine entsprechenden Notfallpläne?"

Dass im Winter Flugzeuge wegen zu starken Schneefalls nicht abheben können, sei "zumindest kein unvorhersehbares Szenario", hieß es von den Grünen, die zugleich "ein erneutes organisatorisches Totalversagen der Flughafen München GmbH" beklagten.

Die Grünen hatten auch gefragt, wer entschieden habe, dass Maschinen mit allen Passagieren an Bord über Nacht draußen stehen bleiben, warum keine Busse organisiert oder Alternativen geprüft wurden, und wie der "Imageschaden für Bayerns wichtigstes internationales Drehkreuz repariert werden" soll. Nun kommen also ähnlich kritische Fragen von der Feuerwehrgewerkschaft.

Die SPD hatte eine "lückenlose Aufklärung" und einen Bericht des Finanzministers zu Ursachen und Konsequenzen gefordert: "Das war kein Lapsus oder individueller Fehler, sondern das offenbart strukturelle Probleme bei Kommunikation und Führung", hatte der SPD-Abgeordnete Volkmar Halbleib erklärt. Der Vorfall sei auch "peinlich für den Freistaat" als Mehrheitseigener: "Die Staatsregierung sieht Bayern in der Champions League, die Panne zeigt leider nur Regionalliga-Niveau".

Mit Informationen von dpa.

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