(Symbolbild) Die Terroranschläge vom 11. September 2001 stellen für viele Musliminnen und Muslime eine Zäsur dar.
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(Symbolbild) Die Terroranschläge vom 11. September 2001 stellen für viele Musliminnen und Muslime eine Zäsur dar.
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9/11 und die Folgen: Viele Muslime unter Generalverdacht

9/11 und die Folgen: Viele Muslime unter Generalverdacht

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 stellen für viele Musliminnen und Muslime eine Zäsur dar. Viele beklagen, dass sie unter Generalverdacht stünden. Betroffene fordern mehr Zivilcourage – und dass die Politik endlich handelt.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

"Kurz nach dem 11. September hat mich einer meiner Lehrer gefragt: 'Karim, weißt du mehr über die Hintergründe der Tat als wir?'" Der heute 42 Jahre alte Karim Fereidooni erinnert sich, wie sehr ihn diese Frage damals irritierte. Er habe schnell gemerkt, dass er als Stellvertreter gesehen werde. "Diese Verbindung zwischen ganz normalen muslimischen Menschen, die in Deutschland wohnen, und Terrorist:innen, die war ganz schnell da", sagt der Professor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum.

Auch Didem Karabulut, Vorständin von Agaby (externer Link), dem Dachverband der kommunalen Integrationsbeiräte in Bayern, erzählt: "Ich wurde sehr oft gefragt, ob ich Muslimin bin und wie ich dazu stehe – als elfjähriges Kind."

Fast 4.100 antimuslimische Vorfälle

Seit den Terroranschlägen von 9/11 prägen Vorurteile und Feindseligkeiten den Alltag vieler Muslime – noch mehr als zuvor. 2025 wurden bundesweit 4.096 antimuslimische Vorfälle dokumentiert. Die Dunkelziffer liegt wohl deutlich höher, so Rima Hanano von der Allianz Claim (externer Link).

9/11 habe dazu beigetragen, dass Muslime "dämonisiert und mit Gefahr und Bedrohung" in Verbindung gebracht worden seien. "Und das hat sich natürlich auch manifestiert in Polizeimaßnahmen, in Überwachungs- und Präventionspraktiken." Hanano sagt: "In den Köpfen vieler Menschen ist das Bild entstanden, dass muslimische Menschen vor allem Täter sind."

Grafik: Zuschreibungen von Islamismus und Bedrohung

Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2026
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Zuschreibungen von Islamismus und Bedrohung

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Zuschreibungen von Islamismus und Bedrohung

Muslime im Visier der Rasterfahndung

Didem Karabulut erinnert zudem an die vom Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern verwendeten Rasterkriterien, mit denen nach 9/11 nach "Schläfern" gesucht wurde. Dabei "war islamische Religionszugehörigkeit tatsächlich ein Suchkriterium. Und wenn eine ganze Menschengruppe pauschal zum Suchkriterium wird, das macht mit Menschen etwas." Erst 2006 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Rasterfahndung nur bei einer konkreten Gefahr für hochrangige Rechtsgüter zulässig ist (externer Link).

Viele Folgen sind bis heute zu spüren: Wer muslimisch gelesen werde, werde häufiger kontrolliert, sagt Fereidooni. "Wir haben gute Forschungsbefunde dafür, dass Racial Profiling, anlasslose Personenkontrollen gegenüber muslimischen Menschen massiv zugenommen haben."

Kontrollen und Pöbeleien

Doch antimuslimischen Rassismus gab es schon vor 9/11. Für ihn habe sich nichts geändert, sagt zum Beispiel der in Schwaben lebende Musiker Şeref Dalyanoğlu. "Nach wie vor gibt es hin und wieder Kontrollen und auch Pöbeleien am Parkplatz, beim Einkaufen. Der Grund liegt einfach an dem, dass ich eine dunklere Haut habe und dadurch auch öfter kontrolliert werde durch die Polizei". Dalyanoğlu hat den Eindruck, dass er "als Ventil dient für die Unzufriedenheit der Leute".

Auch Jasmina Sarac-Hodzic, Geschäftsführerin beim Muslimischen Bildungswerk Bayern (externer Link) arbeitet, machte früh Rassismus-Erfahrung. 1994 sei ihr beim Arbeitsamt "klipp und klar gesagt worden: 'Also wenn Sie so rumlaufen'. Natürlich auf meinen Hijab hinweisend, auf mein Kopftuch – 'dann können Sie es auf dem Arbeitsmarkt vergessen'". Es sei frustrierend, ständig unter Generalverdacht zu stehen, diskriminiert und benachteiligt zu werden, so die 48-Jährige. "Und es ist wirklich ein Kampf, in der Gesellschaft etabliert zu bleiben, bleiben zu wollen und sich nicht einfach zu verkriechen, weil man denkt: 'Nein, das muss ich mir nicht geben'."

"Sagen Sie 'Stopp'"

Besonders erschreckend findet Sarac-Hodzic, der erst kürzlich ein Mann im Supermarkt ein "Hau ab" entgegen schleuderte, dass niemand einschreite: "Es sagt einfach keiner was." Sie wünsche sich mehr Zivilcourage. Auch Fereidooni fordert: "Lachen Sie nicht mit, wenn die Nachbarin einen Witz erzählt, der rassistisch ist. Sagen Sie 'Stopp', wenn jemand sagt, muslimische Menschen oder Migrantinnen sind für die Misere in Deutschland verantwortlich."

Umsetzungsdefizit – Kritik an Politikern

Enttäuscht zeigt sich der Wissenschaftler auch von der Politik. Der Professor arbeitete an der 2023 veröffentlichten Studie "Muslimfeindlichkeit in Deutschland" (externer Link) mit. Die Expertenkommission habe seitenweise Handlungsempfehlungen geschrieben, zum Beispiel mehr Weiterbildungsangebote gefordert. "Nichts davon wurde bislang umgesetzt", sagt Fereidooni.

Man müsse sich fragen, "warum setzen führende Politiker/innen solche Maßnahmen nicht um, obwohl sie (dafür) 1,5 Millionen Euro Geld ausgegeben haben, Steuergeld. (…) Und meine Antwort ist: Weil man mit antimuslimischem Rassismus immer noch Stimmen erhält in Deutschland und weil man muslimische Menschen scheinbar nicht als Wähler:innen-Potenzial auserkoren hat. Die sind einfach nicht wichtig genug."

💡Am 11. September 2001 (9/11) wurden in den USA mehrere Terroranschläge verübt. Terroristen entführten vier Flugzeuge. Zwei Flugzeuge wurden in die Türme des World Trade Centers in New York gelenkt. Beide Türme stürzten ein. Ein drittes Flugzeug wurde in Washington D.C. in das Pentagon gesteuert. Das vierte Flugzeug stürzte ab. Die Passagiere hatten die Entführer angegriffen. Verübt wurden die Anschläge vom islamistischen Terrornetzwerk al-Qaida. Insgesamt gab es 2.977 Tote. Darunter waren auch muslimische Opfer, zum Beispiel Menschen, die aus Pakistan, Ägypten, dem Libanon und der Türkei stammten. Studien zufolge (externer Link) leiden weltweit Muslime am meisten unter islamistischem Terror.

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