Die Deutsche Bundesbank präsentiert im August 2017 in ihrer Zentrale in Frankfurt am Main Goldbarren (Symbolbild).
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Die Deutsche Bundesbank präsentiert im August 2017 in ihrer Zentrale in Frankfurt am Main Goldbarren (Symbolbild).
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Die Deutsche Bundesbank präsentiert im August 2017 in ihrer Zentrale in Frankfurt am Main Goldbarren (Symbolbild).

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Goldreserven verkaufen: Die Lösung für den Bundeshaushalt?

Goldreserven verkaufen: Die Lösung für den Bundeshaushalt?

Die Haushaltslage ist angespannt, Schwarz-Rot steht vor neuen Milliardenlöchern. Warum also nicht einen Teil der staatlichen Goldreserve verkaufen, um den Bundeshaushalt aufzupäppeln? Weshalb viel dagegen spricht – und wie sich Bayern positioniert.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Noch ist der Bundeshaushalt für das Jahr 2027 nicht verabschiedet, das schwarz-rote Kabinett hat nur Eckpunkte beschlossen – an denen es viel Kritik gibt. Aber klar ist: Auch wegen der Energiekrise samt Inflation, ausgelöst besonders durch den Iran-Krieg, bleibt der finanzielle Druck hoch.

Der Ökonom Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), forderte jüngst im Gespräch mit t-online (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt): Deutschland solle einen "zumindest kleinen Teil" seiner Goldreserve verkaufen, "zur Bekämpfung dieser Krise und zur Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen". Ein realistischer Vorschlag?

Deutschlands strategische Goldreserve – die zweitgrößte weltweit

Die Bundesrepublik sitzt auf einem der größten Goldschätze der Welt: Rund 3.355 Tonnen lagern in Tresoren der Deutschen Bundesbank. Mengenmäßig belegt Deutschland damit hinter den USA Rang zwei unter den staatlichen Goldhaltern. Beim aktuellen Preis entspricht das einem Marktwert von gut 400 Milliarden Euro, je nach Goldkurs und Wechselkurs zum Dollar. Fratzscher selbst sprach vergangene Woche von rund 440 Milliarden Euro.

Lange lag der Großteil des deutschen Golds im Ausland – aus Sicherheitsgründen und wegen der Handelsplätze in den USA und Großbritannien. Heute gilt: Etwa die Hälfte der Reserven befindet sich in der Bundesbank in Frankfurt am Main. Der Rest verteilt sich im Wesentlichen auf New York (Federal Reserve Bank of New York) und London (Bank of England). Dort kann Gold im Krisenfall schnell verpfändet oder verkauft werden. Außerdem werden durch mehrere Standorte die Risiken gestreut.

Warum hält Deutschland so viel Gold?

Das Gold ist eine zentrale, vielleicht die wichtigste "Notfallreserve" der Bundesbank. Es dient als Absicherung des Währungssystems, stärkt Vertrauen in Deutschland bzw. den Euro und stellt die Währungsreserven auf breitere Füße. Anders als Staatsanleihen ist Gold kein Schuldpapier, sondern ein Sachwert – und damit eine Art Versicherung gegen extreme Finanz- oder Währungskrisen.

Könnte man Gold für Entlastungen und Investitionen verkaufen?

Die aktuell vom Ökonomen Fratzscher aufgeworfene Frage taucht immer wieder auf: Wenn Deutschland so viel Gold besitzt – warum nicht bei guten Wechselkursen einen Teil verkaufen, um Steuern zu senken oder Investitionen zu finanzieren?

Was zunächst schlüssig klingt, ist aber hochkompliziert. Eigentümerin des Golds ist die Deutsche Bundesbank, nicht die Bundesregierung. Die Bundesbank ist laut EU-Verträgen unabhängig, sie darf den Staat nicht direkt finanzieren. Eine Sprecherin der Bundesbank betont auf BR24-Anfrage: "Ein Verkauf von Goldreserven zur Reduzierung der Staatsverschuldung oder zur Finanzierung von Investitionen wäre daher nicht zulässig." Die Bundesregierung oder der Bundesfinanzminister könnten keine Goldverkäufe anordnen.

Ein Goldverkauf, um Haushaltslöcher zu stopfen oder für Entlastungen, würde dieses Verbot klar berühren. Dazu kommt: Der jährliche Bundeshaushalt umfasste zuletzt Ausgaben von rund 525 Milliarden Euro. Beispielsweise ein zweistelliger Milliardenbetrag über den Goldverkauf hätte also keinen riesigen Effekt. Viele Fachleute warnen: Eine solche Aktion wäre kein dauerhaftes Einnahmemodell. Zudem drohten Vertrauensverluste in die Stabilität des Eurosystems.

Wie könnte ein solcher Verkauf ablaufen?

Theoretisch könnte die Bundesbank trotzdem Gold verkaufen – vermutlich schrittweise über die Handelsplätze in London und New York. Der Erlös würde dann in der Bilanz als Finanzvermögen auftauchen. Über Umwege, etwa höhere Jahresgewinne und daraus resultierende Ausschüttungen an den Bund, könnte indirekt Geld beim Staat landen – wie gesagt juristisch extrem heikel.

Riesige Summen Gold auf einmal zu verkaufen, wäre kein Selbstläufer. Man müsste schrittweise und diskret verkaufen, um den Markt nicht zu überfluten und keinen Preisverfall zu provozieren.

Wie sieht es Bayerns Staatsregierung?

Bayerns Finanzministerium zeigt sich auf BR24-Anfrage ebenfalls skeptisch, was einen Teilverkauf der strategischen Goldreserve angeht. "Die Verwaltung der deutschen Währungs- und damit auch der Goldreserven liegt in der alleinigen Zuständigkeit der Deutschen Bundesbank", betont eine Sprecherin auf BR24-Anfrage. "Generell sei jedoch angemerkt, dass die Währungsreserven ein Anker für Stabilität, Unabhängigkeit und Vertrauen in die Währung und letztlich in die Wirtschaft eines Landes sind."

Bei vorschnellen Überlegungen, das "Tafelsilber" zu verkaufen, um damit Staatsausgaben zu finanzieren, sei daher Vorsicht geboten. "Ist ein solcher Weg einmal eingeschlagen, besteht die Gefahr der Wiederholung bei nächster Gelegenheit", warnt die Ministeriumssprecherin. Stattdessen brauche es eine "sorgfältige Ausgaben- und Aufgabenkritik sowie eine verantwortungsvolle Finanzpolitik". Der Freistaat Bayern selbst halte keine eigenen Goldreserven vor.

Grafik: So hat sich der Goldpreis entwickelt

Hinweis (5.5.26): In der ursprünglichen Version dieses Textes stand, die strategische Goldreserve Deutschlands habe aktuell einen Marktwert von 200 bis 230 Milliarden Euro. Tatsächlich sind es, je nach Schätzung und Wechselkurs, derzeit gut 400 Milliarden Euro. Wir haben die Stelle entsprechend korrigiert.

Dieser Artikel ist erstmals am 5. Mai 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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