Archivbild: Blick in einen Hörsaal.
Archivbild: Blick in einen Hörsaal.
Bild
(Archivbild): Mehr Geld für Studierende: Die Bundesregierung will das Bafög schrittweise erhöhen.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Oliver Berg
Schlagwörter
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Oliver Berg
Videobeitrag

(Archivbild): Mehr Geld für Studierende: Die Bundesregierung will das Bafög schrittweise erhöhen.

Videobeitrag
>

Bafög-Bezieher bekommen mehr Geld - aber erst später

Bafög-Bezieher bekommen mehr Geld - aber erst später

Nach langem Ringen hat die Bundesregierung eine einfachere Bafög-Beantragung beschlossen. Auch mehr Geld soll es geben. Trotz Kostenexplosion: Der Grundsicherungssatz wird wohl erst 2029 erreicht.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Ein WG-Zimmer in München? Für viele unbezahlbar. Im Schnitt 800 Euro wurden für ein unmöbliertes Zimmer in einer Wohngemeinschaft zum Anfang des Sommersemesters verlangt, wie eine Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts ermittelte. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 512 Euro warm. Auch die Lebensmittelpreise sind deutlich gestiegen - laut Statistischem Bundesamt um 30 Prozent gegenüber 2021.

Höhere Wohnkostenpauschale kommt - später

In ihren Koalitionsvertrag hatten Union und SPD eine Erhöhung der Wohnkostenpauschale und des Bafög-Grundbedarfs geschrieben. Geplant war die Erhöhung der Wohnkostenpauschale zum kommenden Wintersemester, also ab Oktober. Dann folgte ein monatelanges Ringen in der Koalition, weil das Geld knapp ist. Zwischenzeitig stand die Erhöhung ganz infrage, die SPD protestierte. Heraus kam ein Kompromiss, den die Regierung am Mittwoch verabschiedet hat. Die Wohnkostenpauschale wird erst zum Sommersemester 2027 erhöht: von derzeit 380 auf 440 Euro.

Bundesregierung: Mehr Geld, höhere Freibeträge

Der Bafög-Grundbedarf zum Wintersemester 2027/28. Zunächst auf 503 Euro und – später als geplant - zum Sommersemester 2029 auf 563 Euro, was der heutigen Grundsicherung entspricht, also dem Existenzminimum. Geeinigt hat sich die Koalition auch darauf, dass der Kreis der Bafög-Empfänger erweitert werden soll. Dazu soll die Berechnungsgrundlage angepasst werden, mit der der Bafög-Satz auf Grundlage des Einkommens der Eltern berechnet wird. Geplant sind höhere Freibeträge. Ab Sommer 2028 sollen sie jährlich um 1,5 Prozent steigen. Ohne die Anpassung könnten Bafög-Bezieher durch Lohnentwicklung der Eltern und Inflation den Anspruch verlieren, heißt es aus der SPD. Außerdem soll die Beantragung von Bafög einfacher und digitaler werden.

Zahl der Bafög-Bezieher sinkt

Im vergangenen Jahr bezogen laut Statistischem Bundesamt 570.000 Personen Bafög. Den größten Teil machen Studierende aus, gefolgt von Schülern. Doch die Zahl der Bezieher sinkt - 2025 gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent. Sie liegt derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Seit zwei Jahren liegt der Bafög-Grundbedarf bei 475 Euro. Mit dem Wohnkostenpauschale kommen Bezieher auf insgesamt 855 Euro. Zuschläge gibt es für Personen, die bereits Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge selbst bezahlen. Der Bafög-Satz wird aus dem eigenen und dem Einkommen der Eltern berechnet, der Wohnsituation und der Ausbildungsstätte. Das Statistische Bundesamt gibt an, dass die durchschnittliche Förderung im vergangenen Jahr bei 552 Euro lag. 2025 gab der Bund drei Milliarden Euro dafür aus.

Forschungsministerin Bär: "Aufstiegsversprechen erfüllt"

Die fürs Bafög zuständige Forschungsministerin Dothee Bär (CSU) betont die geplante digitale Beantragung und den damit verbundenen Bürokratieabbau. Sie sieht mit dem Gesetz das Ziel erreicht: "Mit dem Kabinettbeschluss sind wir einen entscheidenden Schritt gegangen, damit das Bafög sein Aufstiegsversprechen erfüllen kann." Das Bafög sei und bleibe die zentrale gesetzliche Leistung zur Finanzierung akademischer und schulischer Ausbildung, erklärte die Ministerin am Mittwoch.

Landesstudierendenrat Bayern: Guter Schritt, aber zu spät

Auch das Landesstudierendenrat Bayern findet die Reform grundsätzlich gut. Vor allem, weil "da endlich mal was vorangeht", sagt Sprecherin Sabine Kamintzky im Gespräch mit BR24. Vor allem die geplante Ausweitung des Empfängerkreises durch die Erhöhung der Freibeträge sei sehr gut. Auch die geplante Digitalisierung und Vereinfachung des Antragsverfahrens hält Kamintzky für einen guten Schritt. Allerdings sei die Erhöhung der Wohngeldpauschale auf 440 Euro in Städten wie München einfach nicht ausreichend. Die Mieten seien hier "exorbitant". Für besonders problematisch hält Kamintzky die Verschiebung der Erhöhung der Wohnkostenpauschale aufs kommende Jahr und die Anpassung des Grundbedarfs auf Grundsicherungsniveau erst 2029. Bis dahin müssen Stand jetzt Studierende und Schüler weiter mit einem Betrag unter dem Existenzminium zurechtkommen. Das Gesetz muss aber noch durch Bundestag und Bundesrat. Hier könnte noch einiges geändert werden.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!