(Archivbild): Bundeswehrsoldaten im Baltikum.
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Bundeswehr: Russland stört Kommunikationssysteme im Baltikum

Bundeswehr: Russland stört Kommunikationssysteme im Baltikum

In Litauen baut Deutschland eine Heeresbrigade auf. Russland und Belarus haben das offenbar genau im Blick. Kommunikationssysteme wurden gestört. Das reiht sich ein in mehrere bekannte Vorfälle, in denen etwa GPS-Navigation behindert wurde.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Ortstermin in Unterfranken. Ende Januar findet in Veitshöchheim ein feierlicher Appell statt. Der Litauen-Brigade der Bundeswehr werden an diesem Tag Truppen unterstellt, die noch in Deutschland sind, aber perspektivisch nach Litauen verlegt werden. Bis Ende 2027 soll die Brigade dort einsatzbereit sein. Ziel: ein Signal der Abschreckung gen Moskau senden, um so Frieden zu erhalten, sagt Brigadekommandeur Christoph Huber. Wenn erforderlich, verteidigen wir "jeden Zentimeter des Nato-Bündnisgebiets", um die Freiheit zu schützen, so der Brigadegeneral.

Huber ist für den Termin aus Litauen angereist. Denn er baut die Brigade vor Ort auf. Die Bundeswehr ist damit schon jetzt stärker als früher aktiv im Baltikum, das als Achillesferse der NATO gilt – eingekeilt zwischen Russland, dessen Exklave Kaliningrad und Belarus.

Störungen von Kommunikationssystemen

Dabei ist die Sicherheitslage in der Region ernst, das legen nun Recherchen des Bayerischen Rundfunks nahe. Wie die Bundeswehr bestätigt, kam es in der Vergangenheit punktuell oder phasenweise zu Störungen von deutschen Kommunikationssystemen durch russische oder belarussische Kräfte. Für die Truppe ist so etwas mitunter eine Herausforderung. Ohne zuverlässige Kommunikation wird das Führen von Einheiten schwierig.

Klar ist: Diese Störungen reihen sich ein in eine ganze Menge von Vorfällen, die auch die zivile Luft- und Seefahrt im Baltikum betreffen. Seit der russischen Vollinvasion in der Ukraine hätten die Störmaßnahmen durch Russland zugenommen, teilt das litauische Verteidigungsministerium in einer Stellungnahme mit. Es verweist auf Behinderungen bei der Nutzung von GPS-Navigation, die demnach fortlaufend zu beobachten sind.

Telefonate werden abgehört

Laut Vizeadmiral Thomas Daum ist vor Ort das "gesamte Spektrum an Störmaßnahmen" zu beobachten. Von Cyberangriffen, über Störmaßnahmen gegen Radar oder Flugfunk bis hin zu Desinformationskampagnen. Daum steht als Inspekteur an der Spitze der deutschen Kräfte für den Cyber- und Informationsraum, abgekürzt "CIR". Die Spezialisten der Teilstreitkraft der Bundeswehr sind immer wieder selbst im Baltikum vor Ort, schildert Daum im BR-Interview. Dort gewinnen sie auch den Eindruck, dass bei Telefongesprächen mit der Heimat ein Dritter mithört. Entsprechende russische Fähigkeiten seien nachgewiesen, so Daum: "Da wird dem Soldaten der Eindruck vermittelt, dass er jetzt nicht alleine ist in diesem Call mit seiner Liebsten zu Hause. All das hat natürlich viele verschiedene Ursachen. Es soll auch Unsicherheiten schüren."

EloKa gegen EloKa

Wenn man Daum zuhört, drängt sich der Eindruck auf, dass sich beide Seiten regelrecht belauern im Rahmen der Elektronischen Kampfführung, abgekürzt "EloKa". Gemeint sind damit etwa Stör- oder Abhörmaßnahmen, die den Gegner "blind" machen sollen oder seine Kommunikation offenlegen. Im Raum Litauen gehörten solche Maßnahmen inzwischen mehr oder minder zum Alltag, sagt Daum. Er spricht von einem "Normverhalten, in dem EloKa gegen EloKa alles macht, was unterhalb der Schwelle zur Gewaltanwendung bleibt".

Russland hat erhebliche Fähigkeiten

Der Vizeadmiral und CIR-Inspekteur verweist dabei auf erhebliche Fähigkeiten des russischen Militärs im Bereich der elektronischen Kampfführung. Laut litauischen Angaben sind entsprechende Einheiten insbesondere in Kaliningrad präsent. Russland sehe den elektronischen Kampf als einen Kernbaustein ihrer militärischen Operationen, um den Gegner auf diesem Wege blind und taub zu machen und damit die eigenen Operationen zu unterstützen, analysiert Daum. Russland habe massiv investiert.

Der Bundeswehr attestiert Thomas Daum hier Nachholbedarf. Er gibt zu verstehen, dass Russland Jahre Vorsprung habe. Bis die Bundeswehr aufhole, werde es noch dauern. Die Bedeutung der entsprechenden Fähigkeiten sei aber erkannt. Inzwischen sei auch das Geld da, sagt der Inspekteur. Es werde nachgesteuert. Selbst habe die Bundeswehr etwa bereits wertvolle Erkenntnisse über russisches Vorgehen gewinnen können – etwa während des Großmanövers Zapad im vergangenen Herbst, bei dem Spezialisten des CIR russische Kommunikation ausgewertet haben.

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