Pastoren beten kurz vor der Wahl im Herbst 2024 für Donald Trump und legen ihm ihre Hände auf die Schultern.
Pastoren beten kurz vor der Wahl im Herbst 2024 für Donald Trump und legen ihm ihre Hände auf die Schultern.
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Evangelikale sehen Trump als Vollstrecker biblischer Werte.
Bildrechte: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Robin Rayne
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Evangelikale sehen Trump als Vollstrecker biblischer Werte.

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Angebetet und kritisiert: Trumps Verhältnis zu den Kirchen

Angebetet und kritisiert: Trumps Verhältnis zu den Kirchen

Der christliche Nationalismus boomt in den USA. Evangelikale sehen Trump als Vollstrecker biblischer Werte. Doch US-Bischöfe und auch Papst Leo XIV. kritisieren den US-Präsidenten immer offener.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Mehrere Pastoren legen ihre Hände auf die Schultern von Donald Trump. Sie beten: "Father God, right now as I pray over President Trump, I thank you that you secure his life, his calling, his purpose." Sie bitten Gott, den damaligen Präsidentschaftskandidaten zu beschützen. Es ist Oktober 2024, kurz vor Trumps erneuter Wahl zum US-Präsidenten.

Beim Treffen der evangelikalen Freikirchen in Georgia wird der Präsidentschaftskandidat als "Auserwählter" gefeiert. Gott selbst habe ihn für seinen Zweck eingesetzt.

Trump richtet Büro für Glaubensfragen ein

Nach der Wahl revanchiert sich Trump bei seinen konservativ-christlichen Unterstützern: Im Weißen Haus richtet er das Büro für Glaubensfragen ein, die Kommission für Glaubensfreiheit und eine Task Force gegen antichristliche Vorurteile. Alle Kabinettsitzungen beginnen mit einem Gebet.

Und zum 250. Geburtstag des Landes startet Trump die Kampagne "Amerika betet". Donald Trump steht für den neuen christlichen Nationalismus – verbindet christliche und nationalistische Elemente – und ruft zu Kreuzzügen gegen "Globalisten und Marxisten" auf.

Kritik der Katholiken wird schärfer

Das spaltet die US-Kirchen, im Gegensatz zu vielen Evangelikalen geht die katholische Kirche auf Distanz. Ein Beispiel: Die Bischofskonferenz in den USA gibt nur selten politische Sondererklärungen ab. Zuletzt vor zwölf Jahren, als Barack Obama von den Krankenkassen verlangte, für Verhütungsmittel zu zahlen.

Im vergangenen November meldeten sich die Bischöfe dann erneut zu Wort. Der Grund war Trumps Abschiebepolitik. "Wir sind betrübt, wenn wir Eltern begegnen, die Angst haben, festgenommen zu werden, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen", schreiben die Bischöfe. "Aus diesem Grund fühlen wir uns verpflichtet, unsere Stimme zu erheben, um die von Gott gegebene Menschenwürde zu verteidigen."

Auch Papst Leo XIV. kritisiert Trump – und das immer schärfer. Im November bezeichnete er das Vorgehen der ICE-Agenten als "extrem respektlos". Er forderte einen "humanen Umgang mit Menschen unter Respektierung ihrer Würde". Die Kritik des Papstes wurde in den USA so sehr beachtet, dass Trumps Sprecherin Karoline Leavitt reagierte und die Kritik zurückwies.

Ebenso wird die Außenpolitik Trumps kritisiert. In einem Interview mit der BBC sagte Erzbischof Timothy Broglio, bei einer militärischen Invasion Grönlands durch die USA sei es "moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu missachten." Der Erzbischof ist für die Seelsorge in den US-Streitkräften zuständig.

US-Präsident nennt Bischöfin "linksradikale Trump-Hasserin"

Eine weitere prominente kirchliche Kritikerin ist Mariann Budde. Sie ist die Bischöfin der Episkopalkirche, Diözese Washington – protestantisch, liberal und sozial engagiert. Direkt nach Trumps Amtseinführung predigte sie in der National Cathedral. In der Kirchenbank: Donald Trump. Die Bischöfin spricht ihn direkt an: "Ich bitte Sie um Erbarmen, Herr Präsident, mit jenen in unseren Gemeinden, deren Kinder Angst haben, dass ihnen ihre Eltern weggenommen werden." Der damals neu gewählte Präsident schreibt daraufhin auf seiner Online-Plattform "Truth Social", die "sogenannte Bischöfin" sei eine "linksradikale Trump-Hasserin".

Im Mai 2024 wurde sie auf dem evangelischen Kirchentag in Hannover mit stehendem Applaus begrüßt. Heute kritisiert Budde noch immer Trumps Politik. Im Interview mit CNN fordert sie, "dass wir uns um unsere Nachbarn und unsere amerikanischen Mitbürger kümmern, ebenso wie um diejenigen, die als Einwanderer bei uns leben. Und dass wir uns nicht mit der Brutalität abfinden, die wir derzeit von denen erleben, die im Namen der Regierung handeln."

Durch die Innen- wie Außenpolitik Donald Trumps entwickeln sich Kirchen in den USA mehr und mehr zu einem Schauplatz politischer Kämpfe.

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