06.08.2026, Sachsen, Schkeuditz: Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen das Gelände abseits der Landebahn Nord auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle. Nach dem Drohnenvorfall in der Nacht zum Mittwoch laufen die Ermittlungen. Die für einen Angriff ausgerüstete Drohne war nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine sichergestellt worden. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert. Foto: Hendrik Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
06.08.2026, Sachsen, Schkeuditz: Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen das Gelände abseits der Landebahn Nord auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle. Nach dem Drohnenvorfall in der Nacht zum Mittwoch laufen die Ermittlungen. Die für einen Angriff ausgerüstete Drohne war nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine sichergestellt worden. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert. Foto: Hendrik Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Nach Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle
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Drohnenabwehr: "Wir sind da noch hinterher!"

Drohnenabwehr: "Wir sind da noch hinterher!"

Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen spricht Bundesinnenminister Dobrindt von einem "neuen Bedrohungsszenario". Während bei den Ermittlungen immer mehr Details bekannt werden, fällt die Analyse von Experten schonungslos aus.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Es hätte böse ausgehen können. Nach aktuellem Ermittlungsstand hat die Drohnenabwehr am Leipziger Flughafen nicht funktioniert. Vielmehr haben Mitarbeiter des Flughafens am Dienstagabend eher zufällig eine Drohne zwischen zwei Frachtflugzeugen der staatlichen ukrainischen Fluggesellschaft "Antonov Airlines" bemerkt. Zu diesem Zeitpunkt war die Drohne aber schon mehrere Stunden auf dem Flughafengelände.

Ukrainische Frachtmaschine nicht mit Munition beladen

WDR, NDR und SZ hatten zunächst berichtet, dass eines der beiden Antonov-Frachtflugzeuge mit Munition für die Ukraine beladen gewesen sei und sich dabei auf einen ihnen vorliegenden, vertraulichen Bericht der Polizei bezogen.

Nach einem neuen Ermittlungsstand soll dies aber nur am Vortag der Fall gewesen sein, wie der WDR auf X am Donnerstagabend schreibt: "Wie das Innenministerium gegenüber den Obleuten des Innenausschusses des Bundestages erklärte, habe das ukrainische Flugzeug am Vortag Munition aus Frankreich über Leipzig in Richtung Osten transportiert. Die Maschine soll dann aber ohne Munition nach Leipzig zurückgekehrt sein."

Zuvor hatten bereits Sachsens Innenminister Armin Schuster und die Flughafengesellschaft die Darstellung dementiert, wonach eines der ukrainischen Flugzeuge in der Nähe mit Munition beladen gewesen sei.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach am Mittwochabend von einem "hybriden Anschlagsszenario". Auch würden die bisherigen Erkenntnisse nicht auf ein amateurhaftes Vorgehen hinweisen, die Bedrohungslage sei "sehr professionell vorbereitet" worden, so Dobrindt.

ARD-Terrorismusexperte fordert "Aufwachen" bei der Drohnenabwehr

Bei der Drohnenabwehr geht es laut Dobrindt um einen Wettlauf mit der Zeit. "Wir sind mitten in diesem Wettlauf und wir tun gut daran, jetzt mal einen ordentlichen Spurt einzulegen", sagt dazu der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt auf tagesschau24. Viele Lösungen und viele Ideen lägen auf dem Tisch, so Schmidt, aber: "Die mobilen Drohnenabwehreinheiten, die jetzt aufgebaut wurden, sind noch relativ klein und nur partiell einsetzbar." Sein Fazit: "Das muss deutlich mehr werden!"

Flughafenverband sieht Lücken

Die Leipziger Sprengstoff-Drohne markiert ein neues Gefahrenniveau, doch sind Drohnenangriffe auf deutsche Infrastruktur längst keine Seltenheit mehr. Wie auch in München musste der Flugverkehr in Leipzig in den vergangenen Jahren nach Drohnensichtungen mehrmals eingestellt werden. In der Folge wurde ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zum Austausch zwischen Bund und Bundesländern bei der Bundespolizei eingerichtet, das laut Dobrindt auch im aktuellen Fall aktiv ist.

Der neue Fall in Leipzig zeigt jedoch: Auf die vom Innenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen warten die Flughäfen Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn noch immer, wie der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, auf dpa-Anfrage erklärte.

Drohnenexpertin Franke: "Wir sind ziemlich verwundbar!"

Drohnenexpertin Ulrike Franke vom European Council for Foreign Relations zeigt sich im BR24-Interview sehr beunruhigt über die aktuelle Situation. Jetzt handele es sich erstmals um eine bewaffnete Drohne, sagte Franke: "Dass wir jetzt eine Drohne hatten, die mit Sprengstoff tatsächlich bewaffnet war, das ist sehr beunruhigend."

Insgesamt sieht Franke bei der Drohnendetektion, also Drohnenerkennung, und auch bei der Drohnenabwehr weiterhin Nachholbedarf. Auch Leipzig habe wohl wieder gezeigt, dass Deutschland weitestgehend nicht vorbereitet sei. Überraschend sei dies nicht, so Franke: "Ich befürchte wir sind ziemlich verwundbar".

Herrmann: Sprengstoff-Drohne ist "neue Dimension" der Gefahr

Auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht nach dem Fund einer Drohne mit Sprengstoff eine neue Gefahrenlage in Deutschland. Man müsse "überall in Deutschland inzwischen mit dem Risiko solcher Anschlagsversuche rechnen", so Herrmann auf BR24-Anfrage. Zwar habe man schon länger damit gerechnet, dass so etwas passieren könne, der konkrete Fall sei aber "in der Tat neu und bedeutet natürlich, dass wir auch weiter höchst wachsam bleiben müssen."

In Erding hat Bayern im April ein Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum (DKAZ) mit 40 Polizeibeamten eröffnet. Bei Großveranstaltungen, wie beispielsweise dem Münchner Oktoberfest, gehört die Luftraumüberwachung künftig zum Sicherheitskonzept, das zusammen mit dem DKAZ geplant wird.

SPD-Fraktion fordert Geheimdienstabteilung zur Drohnenabwehr

Der Chef der Landtags-SPD, Holger Grießhammer, hat die Gründung einer Spezialabteilung für die Drohnenabwehr beim bayerischen Verfassungsschutz gefordert. Nach dem Drohnen-Vorfall in Leipzig müssten aus Sicht der SPD auch die Abwehrkonzepte der bayerischen Airports an die neue Situation angepasst werden. "Wir müssen alles unternehmen, damit es nicht irgendwann doch noch zu einer Katastrophe kommt", so Grießhammer.

Im Video: Sorge vor weiteren hybriden Anschlägen

Sorge vor weiteren hybriden Anschlägen
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Sorge vor weiteren hybriden Anschlägen

Im Interview: Prof. Neumann zur Drohne in Leipzig

Prof. Neumann zur Drohne in Leipzig
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Prof. Neumann zur Drohne in Leipzig

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