Im vergangenen Jahr haben so viele Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten wie noch nie. Laut Statistischem Bundesamt haben 2025 haben 332.500 Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit erworben, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl sei damit im fünften Jahr in Folge gestiegen. Und: "Noch nie seit der Einführung der Statistik im Jahr 2000 waren innerhalb eines Jahres mehr als 300.000 Personen eingebürgert worden", erklärten die Statistiker.
Menschen aus Syrien die größte Gruppe an Neubürgern
Am häufigsten ließen sich demnach Menschen aus Syrien einbürgern (65.600), dahinter folgen mit großem Abstand Türkinnen und Türken (34.100) sowie Russinnen und Russen (19.700). "Bei beiden Staatsangehörigkeiten stieg die Zahl der Einbürgerungen allerdings um mehr als die Hälfte gegenüber dem Vorjahr", hieß es. Die Zahl der eingebürgerten Syrer sank jedoch gegenüber dem Jahr 2024 um 21 Prozent.
Ein besonders starkes Wachstum wurde im Vorjahresvergleich auch bei den Einbürgerungen von bosnischen (plus 126 Prozent auf 8.800), US-amerikanischen (plus 100 Prozent auf 6.600) und albanischen (plus 97 Prozent auf 6.100) Staatsangehörigen verzeichnet.
Die Statistiker erklären die anhaltend hohe Zahl an Einbürgerungen von Syrern damit, dass viele der zwischen 2014 und 2016 zugezogenen Schutzsuchenden inzwischen die notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Ihre durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 7,9 Jahren.
Viele nutzen Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft
Der deutliche Anstieg bei türkischen und russischen Staatsangehörigen ist den Angaben zufolge maßgeblich auf die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts zurückzuführen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer zum Zeitpunkt der Einbürgerung lag bei Türkinnen und Türken im Schnitt bei 24,1 Jahren, bei Russen bei 14,1 Jahren.
Seit Inkrafttreten der Reform Ende Juni 2024 ist die mehrfache Staatsangehörigkeit generell möglich, während zuvor die Aufgabe der bisherigen Nationalität in der Regel Voraussetzung war. Von dieser Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft haben die meisten Menschen Gebrauch gemacht, die im vergangenen Jahr eingebürgert wurden. Das geht aus den Ergebnissen einer Umfrage des Mediendienstes Integration hervor. Demnach lag der Anteil der eingebürgerten Personen mit Mehrstaatigkeit in den Städten, die entsprechende Daten erhoben haben, zwischen 85 und 98 Prozent.
Die damalige Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hatte das Staatsangehörigkeitsrecht geändert. Ihre Reform trat Ende Juni 2024 in Kraft. Seither darf, wer Deutscher wird, grundsätzlich auch die bisherige Staatsangehörigkeit behalten. Zudem reichen als Voraussetzung fünf statt bisher acht Jahre rechtmäßiger, gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland. Besonders gut integrierte Ausländer konnten sich bereits nach drei Jahren einbürgern lassen – diese sogenannte Turbo-Einbürgerung hat die schwarz-rote Bundesregierung aber im vergangenen Jahr wieder gekippt.
Zahl der Einbürgerungen in Bayern auch auf Rekordniveau
Auch für Bayern war 2025 ein Rekordjahr bei den Einbürgerungen: Im Freistaat haben im vergangenen Jahr 84.029 Menschen einen Antrag auf Einbürgerung gestellt. Die meisten Anträge kamen dabei von Menschen aus der Türkei (9.342), aus Bosnien und Herzegowina (6.671), aus Syrien (6.391), dem Kosovo (5.561) und aus Russland (4.700), wie das Bayerische Landesamt für Statistik am Mittwoch mitteilte.
Unter den Regierungsbezirken Bayerns seien die meisten Anträge in Oberbayern mit der Landeshauptstadt München (37.035), Schwaben mit Augsburg (12.080) und Mittelfranken mit Nürnberg (12.044) gestellt worden. Die vorliegenden Zahlen sind nach Angaben des statistischen Landesamts für 2025 erstmals erhoben worden und Vergleiche mit den Vorjahren daher nicht möglich.
Mit Informationen von dpa, Reuters und epd
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