Im Zusammenhang mit dem Skandal um den verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist der Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF), Börge Brende, zurückgetreten. Der ehemalige norwegische Außenminister teilte am Donnerstag mit, "nach sorgfältiger Abwägung" habe er sich entschieden, zurückzutreten. Für das WEF sei es "der richtige Zeitpunkt, seine wichtige Arbeit ohne Ablenkung fortzusetzen".
Børge Brende: langjähriger norwegischer Minister
Brende stammt aus Norwegen und war dort lange Abgeordneter der konservativen Partei, sowie Umwelt-, Handels- und Außenminister. Seit 2017 ist er Präsident des WEF, das jedes Jahr im Januar das berühmte Treffen in Davos in den Schweizer Bergen ausrichtet.
Brendes Verteidigung: von "kein Kontakt" zu "keine Erinnerung"
Das WEF hatte Anfang Februar eine Untersuchung der Verbindungen von Brende zu Epstein angekündigt. Zuvor hatte das US-Justizministerium zahlreiche weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht.
Brende hatte zunächst bestritten, Kontakt mit Epstein gehabt zu haben. Später gab er dann zu, im Jahr 2018 und 2019 mit dem US-Finanzier mehrmals zu Abend gegessen zu haben – also zu einem Zeitpunkt, als Epstein bereits rechtskräftig wegen Missbrauchs im Jahr 2008 verurteilt worden war und eine Haftstrafe abgesessen hatte. Der Sender TV2 berichtete, dass Brende Epstein mehrere SMS geschickt hatte. Brende sagte dem Sender, er erinnere sich an die Nachrichten nicht. Zudem habe er nichts von Epsteins Machenschaften und seiner Vergangenheit gewusst.
Epstein und die Epstein-Files
Der US-Finanzberater Epstein war weltweit in höchsten Kreisen vernetzt und soll nach Angaben des Justizministeriums und der US-Bundespolizei FBI mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt haben. In den nun veröffentlichten mehr als drei Millionen Dokumenten tauchen die Namen zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten auf und führen zu Rücktritten und Ermittlungen.
Zu den prominentesten unter den mehr als beiläufigen Kontakten Epsteins zählen der Ex-Prinz Andrew und der frühere britische Regierungsberater Peter Mandelson, Microsoft-Gründer Bill Gates, Tesla-Gründer Elon Musk, US-Handelminister Howard Lutnick und Frankreichs populärer Ex-Kulturminister Jack Lang.
Neue Debatte in USA: Hält die Regierung Trump-belastendes Material zurück?
Stark betroffen sind bisher europäische Akteure – was auch daran liegen könnte, dass die zuständigen US-Behörden die Akten bisher nur zum Teil und mit willkürlich anmutenden Schwärzungen herausgegeben haben.
Aktuell gibt es in den USA neue Vorwürfe gegen die Regierung. US-Medien berichteten, die Regierung halte Teile der Akten zurück, in denen eine Frau Missbrauchsvorwürfe gegen Präsident Trump erhebt. Nach Angaben des Rundfunksenders NPR und der "New York Times" gibt es Hinweise, dass sich in den bisher nicht veröffentlichten Dokumenten zu dem Fall Memos der Bundespolizei FBI befinden. Darin sollen Befragungen einer Frau zusammengefasst sein, die 2019 nach der Verhaftung Epsteins angegeben habe, als Minderjährige sowohl von Epstein als auch von Trump sexuell missbraucht worden zu sein.
Skandal erschüttert Norwegen
In Europa sorgten zuletzt vor allem mutmaßliche Epstein-Vertraute aus Großbritannien, Frankreich, Schweden, Polen, Lettland, Litauen und der Slowakei für Schlagzeilen – und in hohem Maße Norweger.
Für Empörung sorgten in dem Königreich die Verbindungen der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit zu dem Sexualstraftäter. Mitte des Monats wurden zudem Immobilien des ehemaligen Regierungschefs Thorbjörn Jagland durchsucht. Die norwegische Polizei ermittelt im Zusammenhang mit den Epstein-Enthüllungen auch gegen die bekannte Diplomatin Mona Juul wegen des Verdachts der Korruption.
Mit Informationen von AFP, dpa und Reuters
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
