Collage zweier Screenshots. Links das Thumbnail eines Instagram-Videos von Sahra Wagenknecht, auf dem steht "Deutschland liefert Gas an die Ukraine?". Rechts eine Kachel, die Alice Weidel auf X postete, auf der steht: "CDU schickt unser Gas in die Ukraine!". Auf beiden Screenshots liegt der Stempel "falsch".
Collage zweier Screenshots. Links das Thumbnail eines Instagram-Videos von Sahra Wagenknecht, auf dem steht "Deutschland liefert Gas an die Ukraine?". Rechts eine Kachel, die Alice Weidel auf X postete, auf der steht: "CDU schickt unser Gas in die Ukraine!". Auf beiden Screenshots liegt der Stempel "falsch".
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Zwei Politikerinnen, eine Falschbehauptung: Dass Deutschland Gas an die Ukraine liefert, stimmt nicht.
Bildrechte: instagram.com/sahra_wagenknecht, x.com/alice_weidel; Montage: BR
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Zwei Politikerinnen, eine Falschbehauptung: Dass Deutschland Gas an die Ukraine liefert, stimmt nicht.

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#Faktenfuchs: Regierung liefert der Ukraine kein deutsches Gas

#Faktenfuchs: Regierung liefert der Ukraine kein deutsches Gas

Die AfD-Parteichefin Alice Weidel und Sahra Wagenknecht (BSW) behaupten fälschlicherweise, Deutschland liefere trotz geringer Vorräte das eigene Gas an die Ukraine. Richtig ist: US-Gas für die Ukraine wird weitergeleitet.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Darum geht’s:

  • Die deutsche Bundesregierung liefert kein Gas in die Ukraine.
  • Was es gibt: Gaslieferungen aus den USA, die in Deutschland ankommen und dann in die Ukraine weitergeliefert werden.
  • Diese Gaslieferungen haben keine Auswirkung auf die deutsche Versorgungssicherheit.

Die Füllstände der deutschen Gasspeicher waren dieses Jahr schon öfter Thema.

Am 25. Februar 2026 erreichten sie einen Tiefstand von rund 20 Prozent. Zwischen 2011 und 2025 war der Stand am 25. Februar nie niedriger.

Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel verbreitet nun eine Falschbehauptung über eine angebliche Gaslieferung aus deutschen Speichern an die Ukraine. In einem Video, das sie auf ihren Social Media-Plattformen teilte, behauptet sie: "Die Gasspeicher in Deutschland sind fast leer. Trotzdem hat sich Merz entschieden, das verbliebene Gas in die Ukraine zu leiten."

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Alice Weidel behauptete in mehreren Posts auf unterschiedlichen Plattformen fälschlicherweise, Deutschland liefere Gas an die Ukraine.

Kein Gas aus deutschen Speichern für die Ukraine

Dass die deutsche Bundesregierung angeordnet habe, der Ukraine Gas aus den eigenen Speichern zu liefern, stimmt nicht.

Ein Sprecher der Bundesregierung schreibt dem #Faktenfuchs auf Anfrage: "Diese Behauptung entbehrt jeder Grundlage." Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Bundesregierung finanziert und koordiniert keine Gaslieferungen an die Ukraine, auch nicht im Rahmen der deutsch-ukrainischen Energiepartnerschaft."

Auf welche angebliche Entscheidung von Friedrich Merz oder der deutschen Bundesregierung sich die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel bezieht, lässt sie in ihrem Video offen. Eine #Faktenfuchs-Anfrage an Weidel blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Gas kommt über Rügen und Polen in die Ukraine

Was es tatsächlich gibt, sind Gaslieferungen aus den USA, die in Deutschland ankommen und dann in die Ukraine weitertransportiert werden. Doch dieses Gas ist nie für die deutschen Speicher bestimmt gewesen. Auch die deutsche Gasversorgung ist durch diese Lieferungen nicht beeinträchtigt.

Am 23. Februar 2026 gab das ukrainische Energie-Unternehmen "Naftogaz" bekannt, Gas des französischen Energieunternehmens "TotalEnergies" zu kaufen. TotalEnergies liefert der entsprechenden Pressemitteilung zufolge Flüssigerdgas (LNG) aus den USA mit Schiffen zur deutschen Insel Rügen. Dort wird das Flüssiggas an einem LNG-Terminal des Unternehmens "Deutsche ReGas" regasifiziert – also wieder in Gas umgewandelt. Von dort aus fließt das Gas dann durch Pipelines über Deutschland und Polen in die Ukraine.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte der Bild-Zeitung: "Die Bezeichnung ‘Deutschland liefert’ ist hier also irreführend." Bei dem Lieferabkommen zwischen TotalEnergies und Naftogaz handele es sich um normale Warenströme der Privatwirtschaft.

Franziska Holz, Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, bestätigt im #Faktenfuchs-Interview: "Wir reden von Importen über ein privatwirtschaftliches LNG-Terminal, kein staatliches Terminal." Sie sehe keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung der Bundesregierung an dieser Lieferung. "Wir fungieren einfach als Transit für LNG. Bilanziell gehört das [Gas, Anm. d. Red.] permanent der ukrainischen Firma Naftogaz", so Holz.

Privatwirtschaftliche Gaslieferungen an die Ukraine sind möglich

Durch das europäische Gasverbundsystem könnte theoretisch auch Gas aus deutschen Gasspeichern in die Ukraine gelangen. Das wäre aber eine Folge von Handelsgeschäften auf dem Gasmarkt und nicht von politischen Entscheidungen.

Die Gasspeicher in Deutschland würden von Gas-Unternehmen vermarktet und von Händlern und Lieferanten gebucht, schreibt die Bundesnetzagentur dem #Faktenfuchs auf Anfrage. Sie ist zuständig für die deutsche Energieversorgung. Die Gasunternehmen stellten dadurch die Versorgung ihrer jeweiligen Kunden sicher. Speicherkapazitäten könnten auch von ausländischen Marktteilnehmern gebucht werden.

Laut Bundesnetzagentur buchen auch deutsche Energieversorgungsunternehmen Speicherkapazitäten in anderen europäischen Ländern und beziehen Gas über das europäische Gasverbundsystem.

Holz sagt: "Auch die Ukraine ist ins europäische Netz eingebunden."

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine strömt Gas aus mitteleuropäischen Staaten wie Ungarn und der Slowakei in die Ukraine, wie Daten des europäischen Gasverbunds zeigen.

Auch Wagenknecht verbreitet die Falschbehauptung

Auch die BSW-Mitgründerin Sahra Wagenknecht bringt in einem Social-Media-Video fälschlicherweise die relativ leeren Gasspeicher und angeblichen Gaslieferungen an die Ukraine in einen Zusammenhang. Sie sagt: "Die Gasspeicher in Deutschland sind fast leer. Und trotzdem liefern wir Gas in die Ukraine?" Aus dem Video geht hervor, dass sich Wagenknecht auf die Flüssiggaslieferungen nach Rügen bezieht.

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BSW-Mitgründerin Sahra Wagenknecht behauptete fälschlicherweise, LNG-Lieferungen an die Ukraine beeinträchtigten die deutsche Gasversorgung.

Wagenknecht behauptet außerdem, die Gaslieferungen würden über eines der LNG-Terminals führen, "die eigentlich dazu gedacht waren, die deutsche Energieversorgung sicherzustellen".

Laut Energieexpertin Franziska Holz sei nicht zu befürchten, dass sich die reine Annahme und Weiterleitung des für die Ukraine bestimmten Gases auf die deutsche Versorgungssicherheit auswirkt. "Durchschnittlich wurde 50 Prozent der LNG-Kapazität im letzten Jahr nicht genutzt. Einen Teil davon nutzt jetzt halt Naftogaz."

Das zeigen auch die Zahlen des europäischen Branchenverbands "Gas Infrastructure Europe". Das Flüssiggas-Terminal auf Rügen, an dem das Gas für die Ukraine ankommt, war demnach seit Februar 2025 an keinem Tag zu mehr als 44 Prozent ausgelastet.

Auch die Gefahr, dass durch die Lieferung deutsche Gaspipelines auf dem Abschnitt zwischen Rügen und Polen blockiert sein könnten, sieht Holz nicht. "Wir sind schon seit langen Jahren Transitland für andere mittelosteuropäische Nachbarn." Es seien ausreichend Pipeline-Kapazitäten vorhanden, so Holz.

Die Bundesnetzagentur schreibt dem #Faktenfuchs: "Es besteht kein Zusammenhang zwischen den Gasspeicherfüllständen und der Frage, ob von dem Terminal Gas für die Ukraine oder andere europäische Länder eingespeist wird." Deutschland verfüge über ausreichende Importkapazitäten.

Auch bei Stromausfall in Berlin Falschbehauptungen über Ukraine-Hilfen

Ihre Behauptungen verbreitete Weidel am 24. Februar, dem vierten Jahrestags des russischen Überfalls auf die Ukraine. Deutsche Unterstützung an die Ukraine steht seit Beginn der Invasion immer wieder im Fokus von Falschbehauptungen, um den gesellschaftlichen Rückhalt dafür zu schwächen.

Im Januar 2026 gab es in Teilen Berlins einen mehrtägigen Stromausfall infolge eines Brandanschlags auf eine Kabelbrücke.

Die AfD verbreitete die Falschbehauptung, die deutsche Lieferung von Notstromaggregaten an die Ukraine hätte die Versorgung in Berlin beeinträchtigt. Dabei standen ausreichend Notstromaggregate zur Verfügung, um kritische Infrastruktur zu versorgen. Die an die Ukraine gelieferten Aggregate wurden extra dafür angeschafft und nicht aus den Beständen entnommen.

Fazit

Die deutsche Bundesregierung liefert kein Gas aus deutschen Speichern an die Ukraine. Durch das europäische Gasverbundsystem könnte theoretisch auch Gas aus deutschen Gasspeichern in die Ukraine gelangen. Das wäre aber eine Folge von Handelsgeschäften auf dem Gasmarkt und nicht von politischen Entscheidungen.

Das Energieunternehmen TotalEnergies liefert Gas an die Ukraine. Dieses kommt als Flüssiggas aus den USA an einem privatwirtschaftlichen LNG-Terminal auf Rügen an. Laut einer Expertin und der Bundesnetzagentur hat dieser Transit aber keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

Quellen:

Interviews/Presseanfragen:

Anfrage bei Alice Weidel, AfD Bundesvorsitzende

Anfrage beim Bundespresseamt

Anfrage bei der Bundesnetzagentur

Interview mit Franziska Holz, Stelvertretende Abteilungsleiterin Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Veröffentlichungen

Bild: Weidel bei Ukraine-Gas-Lüge ertappt

European Network of Transmission System Operators for Gas: European gas flow dashboard

European Network of Transmission System Operators for Gas: Members

Gas Infrastructure Europe Aggregated LNG System Inventory: Mukran LNG Terminal

Naftogaz: Naftogaz secures first ever delivery of LNG via Germany terminal

Disclaimer, 03.03.2026, 9:00: In einer früheren Version des Texts bezeichneten wir Sahra Wagenknecht als BSW-Vorsitzende. Wir haben den Fehler korrigiert. Im Dezember 2025 löste Fabio De Masi Wagenknecht in dieser Funktion ab. Neben De Masi ist auch Amira Mohamed Ali BSW-Vorsitzende. Wagenknecht ist Leiterin der Grundwertekommission der Partei.

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