Darum geht's:
- AfD-Posts und andere Beiträge in sozialen Netzwerken suggerierten nach dem Stromausfall in Berlin fälschlicherweise: Lieferungen von Notstromaggregaten an die Ukraine hätten die Versorgung in Berlin beeinträchtigt.
- Laut Netzbetreiber, Technischem Hilfswerk und Bundesinnenministerium standen jedoch ausreichend Notstromaggregate zur Verfügung, um kritische Infrastruktur zu versorgen.
- Die an die Ukraine gelieferten Notstromaggregate wurden eigens für die Auslandshilfe beschafft und nicht aus den Beständen des THW entnommen.
Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Sonntag, dem 3. Januar, führte zum längsten Stromausfall in Berlins Nachkriegsgeschichte. Zeitweise saßen rund 100.000 Menschen in kalten, dunklen Wohnungen oder mussten auf Notunterkünfte ausweichen.
Parallel dazu verbreiteten sich in sozialen Netzwerken Falschbehauptungen, in Berlin hätten Notstromaggregate gefehlt, weil Deutschland diese seit Beginn des russischen Angriffskriegs an die Ukraine geliefert habe. Das sind leistungsstarke, meist dieselbetriebene Anlagen, die bei Stromausfällen vorübergehend kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen oder Leitstellen mit Strom versorgen.
Falschbehauptung: Keine Notstromaggregate wegen Ukraine-Hilfe
Vor allem die AfD verbreitete diese Behauptung und schrieb unter anderem auf X: "Und die 1.700 Notstromaggregate, die das THW in die Ukraine versendet hat, könnte man in Berlin sicher auch gut brauchen. Eigene Bürger zuerst!" In einem Facebook-Beitrag der AfD heißt es, das Technische Hilfswerk habe seit 2022 mehr als 1.700 Aggregate in die Ukraine geschickt. "Generatoren, die jetzt deutschen Haushalten, Krankenhäusern und Pflegeheimen Strom und Wärme liefern könnten." Auch andere User schrieben etwa auf X: "Das unsere Notstromaggregate lieber in der Ukraine verwendet werden, zeigt, dass unsere Regierung für uns nichts übrig hat. [sic!]"
In Berlin fehlten aber keine Notstromaggregate, sagen THW und der Netzbetreiber. Laut Bundesinnenministerium ist die Versorgung mit Notstromaggregaten in Deutschland sichergestellt. Notstromaggregate sind zudem für die kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser vorgesehen, nicht für private Wohnungen. Der #Faktenfuchs erklärt die Hintergründe.
Im Internet suggerierten verschiedene Accounts, Notstromaggregate hätten in Berlin gefehlt, weil Deutschland sie an die Ukraine geliefert hätten.
Notstromaggregate für die Ukraine beeinträchtigten nicht Versorgung in Berlin
Deutschland hat seit Beginn des russischen Angriffskriegs umfangreiche Hilfe für die Ukraine geleistet, darunter auch Notstromaggregate. Nach Angaben des Technischen Hilfswerks (THW) stimmt es, dass seit Kriegsbeginn rund 1.700 Stromerzeuger in die Ukraine geliefert wurden. Dabei handele es sich jedoch nicht um Geräte aus den Einsatzreserven des THW. Die Aggregate seien eigens für die Auslandshilfe beschafft worden.
"Die Beschaffung und Lieferung von Notstromerzeugern, Fahrzeugen und weiteren Geräten erfolgte durch das THW mit Sonder-Finanzmitteln des Auswärtigen Amtes und des Bundesministeriums des Innern. Die Geräte und Fahrzeuge wurden dafür gesondert beschafft. Das THW liefert keine eigene Einsatzausstattung an die Ukraine oder andere Länder", erklärte das THW dem #Faktenfuchs.
Das bestätigte auch eine Sprecherin des Bundesministeriums des Innern in der Bundespressekonferenz am Montag, dem 5. Januar 2026. Demnach hätten die Lieferungen an die Ukraine keinen Einfluss auf die Einsatzfähigkeit des THW in Berlin nach dem Stromausfall gehabt. "Die Notstromaggregate, die an die Ukraine geliefert wurden, wurden extra für diese Lieferungen angeschafft und nicht aus dem Bestand des THW genommen", sagte die Sprecherin. Die Einsatzkräfte des THW könnten zudem bundesweit zusammengezogen werden; für den Einsatz in Berlin hätten ausreichend Helfer zur Verfügung gestanden.
Die Bundesregierung prüfe bei allen Lieferungen an andere Staaten, ob die nationale Notfallvorsorge weiterhin gewährleistet sei: "Sie können davon ausgehen, dass bei allem, was wir abgeben, immer auch berücksichtigt wird, dass genug hierbleibt, um die hiesige Bevölkerung im Notfall – und das ist ein solcher Notfall – zu versorgen",so die Sprecherin weiter. "Es sind auch lange noch nicht alle Kräfte ausgeschöpft."
Genügend Notstromaggregate vorhanden
Nach dem Brandanschlag und dem folgenden Stromausfall rief Berlin eine Großschadenslage aus – um Entscheidungswege zu verkürzen und schnell Unterstützung durch Bundesbehörden anfordern zu können. Ein Krisenstab des Netzbetreibers Stromnetz Berlin übernahm die Verantwortung für die Sicherung der Stromversorgung kritischer Infrastruktur.
Einen Mangel an Notstromaggregaten habe es dabei nicht gegeben. Der #Faktenfuchs fragte bei Stromnetz Berlin nach, ob es nach dem Stromausfall an entsprechenden Geräten gefehlt habe. Olaf Weidner, Pressesprecher von Stromnetz Berlin, sagte dazu: "Nein, es haben keine Notstromaggregate gefehlt. Wir haben bei der Versorgung Hilfe von anderen bekommen, unter anderem der Bundeswehr und bundesweiten Infrastruktur- und Verteilnetzbetreibern, und hatten so schnell – mithilfe des THWs und der Bundeswehr – 40 Anlagen in Betrieb." Damit hätten alle betroffenen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen versorgt werden können, es habe ausreichend Geräte gegeben. Obwohl die reguläre Stromversorgung inzwischen wiederhergestellt sei, blieben die Notstromaggregate vorsorglich noch einige Tage vor Ort.
Nach Angaben der Wirtschafts- und Energiesenatorin Franziska Giffey hätten Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser dank der Versorgung durch Notstromaggregate nicht evakuiert werden müssen.
THW: Mehrere Hundert Notstromaggregate deutschlandweit
Auch das THW selbst weist Vorwürfe eines Mangels zurück. THW-Sprecher Michael Kretz bestätigte dem #Faktenfuchs, dass es während des Einsatzes zu keinen Engpässen bei Material oder Technik gekommen sei.
Bisher waren rund 970 (Stand 9.1.2026) ehrenamtliche Einsatzkräfte aus 34 THW-Ortsverbänden in Berlin im Einsatz. Für den Fall flächendeckender Stromausfälle halte das THW bundesweit mehrere Tausend Stromerzeuger unterschiedlicher Leistungsklassen sowie mehrere hundert leistungsstarke Netzaggregate vor, sagte THW-Sprecher Kretz.
Für kritische Infrastruktur gedacht – nicht private Haushalte
Vielen der kursierenden Beiträge liege zudem ein grundlegender Denkfehler zugrunde, wenn es um den Einsatz von Notstromaggregaten in Krisensituationen geht, so Kretz. Sie seien für die Absicherung kritischer Infrastruktur konzipiert. "Diese Geräte sind nicht dazu gedacht, einzelne private Haushalte mit Strom zu versorgen", betont Kretz.
Ähnlich ordnet auch Hans-Walter Borries, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands für den Schutz Kritischer Infrastruktur (BSKI), die Lage gegenüber dem #Faktenfuchs ein: Die Bereitstellung von Notstromaggregaten erfolge in der Regel durch Unternehmen, Stadtwerke oder größere Energieversorger. Der Einsatz werde mit den zuständigen Katastrophenschutz- und Verwaltungsstellen abgestimmt. In solchen Krisenlagen komme ein Prioritätenmodell zum Einsatz, das festlege, wer zuerst versorgt werde – "in der Regel zunächst Behörden mit Blaulichtaufgaben, Krankenhäuser und Kliniken, in wenigen Fällen auch Altenheime".
Fazit
Notstromaggregate sind keine Generatoren für Wohnhäuser, sondern werden im Krisenfall gezielt zur Absicherung kritischer Infrastruktur eingesetzt. Die an die Ukraine gelieferten Notstromaggregate wurden nicht aus den Beständen des Technischen Hilfswerks entnommen, sondern eigens für die Auslandshilfe beschafft.
Die Fähigkeit, nach dem Stromausfall in Berlin kritische Infrastruktur zu versorgen, war also dadurch nicht eingeschränkt. Laut Netzbetreiber, THW und Innenministerium standen während des Stromausfalls ausreichend Notstromaggregate zur Verfügung, um Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und andere zentrale Einrichtungen mit Strom zu versorgen.
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