"Es wird das größte urbane Free Solo aller Zeiten", sagt US-Extremkletterer Alex Honnold in einem Trailer des Streamingdienstes Netflix, der die Aktion vorstellt. Dieser endet mit der schlichten Botschaft, dass man nur aufpassen müsse, nicht herunterzufallen. Schließlich will Honnold den über 500 Meter hohen Wolkenkratzer "Taipei 101" in Taiwan "free solo", also ohne Seil, ohne Sicherung klettern. Netflix überträgt das Event live.
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Was, wenn er abstürzt?
Was aber, wenn Honnold abstürzt? Es ist davon auszugehen, dass der Streamingdienst die Aktion mit ein paar Sekunden Verzögerung überträgt, so die BR-Medienredaktion. Sollte Honnold tatsächlich fallen, würde das Bild wohl einfach schwarz werden. In Deutschland beginnt die Übertragung wegen der Zeitverschiebung am 24.01.26 um 2 Uhr morgens.
Herausforderung: Ermüdung durch immer gleiche Bewegung
"Klettern ist Klettern", sagt Honnold in einem Interview des Streamingdienstes auf die Frage, wo der Unterschied zum Klettern am Fels liegt. Allerdings seien die Bewegungsabläufe beim Klettern am Gebäude immer die gleichen, Zug um Zug. Darin bestehe die Herausforderung.
Das glaubt auch der österreichische Free Solo-Kletterer und Fotograf Heinz Zak. "Das Einzige ist, dass er müde werden kann, aber dafür hat er sich wahrscheinlich auch gut abgesichert", sagt Zak. Wenn er zu müde wird, gebe es immer wieder Absätze, an denen er gut stehen kann.
"Sinnvoller als Bergsteiger, die völlig unvorbereitet auf die Zugspitze raufgehen"
Das Klettern auf Wolkenkratzer hat eine lange Tradition. Alain Robert, bekannt als der "französische Spiderman", kletterte eigenen Angaben zufolge schon auf rund 170 Gebäude, darunter den Eiffelturm und das Empire State Building. Für Extremkletterer Heinz Zak spricht nichts dagegen, das Klettern auf Wolkenkratzer in die Öffentlichkeit zu bringen. Man sehe jemanden, der das richtig gut vorbereitet und einschätzen kann. "So jemand macht mehr Sinn als Bergsteiger, die völlig unvorbereitet auf die Zugspitze raufgehen", sagt Zak.
Auch Kletterprofi Alex Megos schätzt das Risiko für Honnold als recht gering ein. Das Risiko am Fels sei höher. Dort kann auch mal ein Griff ausbrechen. "Also klar kann man das jetzt sehen, wie man will, dass jemand sein Leben riskiert in Anführungszeichen für Geld und dass daraus halt diese Aktion gemacht wird. Aber das ist in anderen Sportarten nichts anderes", sagt Megos. Es bleibe jedem selbst überlassen, wie man sein Geld verdient.
Psychologe rechnet nicht mit unbedarften Nachahmern
Alex Honnold ist ein Star in der Kletterszene. Seit er vor neun Jahren die Route "Freerider" an der berühmten Felsformation "El Capitan" free solo kletterte, kennt ihn die ganze Welt. Das macht ihn für viele zum Vorbild. Auch wenn es nach spektakulären Solos von Alex Honnold und anderen Free Solo-Kletterern immer wieder Nachahmer gab – dass durch diese Aktion Unbedarfte auf Wolkenkratzer klettern, glaubt Alpinist und Psychologe Jan Mersch nicht.
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