Waldbrände kennen keine Grenzen, und auch die europäische Solidarität bei der Brandbekämpfung überschreitet diese zunehmend. Nachdem Belgien am Samstag, dem 15. August, Notfallverstärkung angefordert hatte, um den schlimmsten Waldbrand des Jahrhunderts in Belgien zu bekämpfen, entsandte die EU drei Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge aus ganz Europa in die Hautes Fagnes. Als Ende Juli dieses Jahres Flammen die Wälder südlich von Bordeaux (Frankreich) verschlangen, schickten ukrainische Experten für großflächige Waldbrände, ein Konvoi von Schweizer Feuerwehrleuten sowie eine litauische Einsatzleitung schlossen sich dem Kampf gegen die Brände an, die letztendlich 420 Quadratkilometer Land verwüsteten. Zu den Einsatzkräften, die in diesem Sommer in der italienischen Region Sardinien im Einsatz waren, gehörte eine Gruppe estnischer Feuerwehrleute, von denen die Hälfte bereits im vergangenen Jahr in Spanien im Einsatz gewesen war. Und Einsatzkräfte aus Tschechien, Moldawien und Rumänien leisteten laut dem Sprecher der griechischen Feuerwehr, Ioannis Atropoios, einen "wesentlichen Beitrag" zur Bekämpfung der Brände in der Umgebung von Athen und Thessaloniki in Griechenland.
Vor Ort können unterschiedliche Vorgehensweisen, Methoden und die Koordination der Ressourcen eine Herausforderung darstellen. "Während estnische Feuerwehrleute Brände hauptsächlich mit Schläuchen bekämpfen und dabei kilometerlange Schlauchleitungen durch den Wald verlegen, liegt der Schwerpunkt in Südeuropa eher auf der Überwachung und Erkundung, wohin sich das Feuer ausbreitet und wo es tatsächlich gestoppt werden kann", erklärte der Sprecher der estnischen Rettungsbehörde, Kaarel Langemets, gegenüber dem estnischen Sender ERR. Aus technischer Sicht ist das Gastland dafür verantwortlich, Schlauchadapter bereitzustellen, damit Teams aus anderen Ländern an das lokale Netzwerk angeschlossen werden können.
Estnische Feuerwehrleute auf Sardinien (Italien) im August 2026
Bei der Zusammenarbeit mit Feuerwehrleuten verschiedener Nationalitäten sei es entscheidend, sich "auf das Ziel zu konzentrieren", unabhängig von der Methode, erklärte Kommandant Arnault Angonin, Vertreter des französischen Feuerwehrverbands, gegenüber FranceInfo. Auch wenn die Einsatzkräfte vor Ort möglicherweise nicht dieselbe Sprache sprechen, "gibt es während der Einsätze nicht unbedingt eine Interaktion zwischen Teams unterschiedlicher Nationalitäten. Es kann in der Hitze des Gefechts vorkommen; mit einfachem Englisch und Gesten schaffen wir es, uns verständlich zu machen", sagte Angonin.
"Dieser Sommer ist ein Weckruf"
Auf europäischer Ebene gibt es verschiedene Mechanismen, die es den Ländern ermöglichen, ihre Ressourcen zu bündeln und sich in Notfällen gegenseitig zu unterstützen. Dem EU-Katastrophenschutzmechanismus (UCPM) gehören 37 Mitgliedstaaten an, die vom Notfall- und Koordinierungszentrum (ERCC) in Brüssel koordiniert werden. Seit seiner Gründung im Jahr 2001 hat das ERCC in 880 Krisensituationen Ressourcen bereitgestellt, davon 64 im Jahr 2025. Davon standen 19 im Zusammenhang mit Bränden; zu den weiteren Kategorien zählen Überschwemmungen, Erdbeben und humanitäre Krisen.
Wenn ein betroffenes Land um Hilfe bittet, gibt es zwei Vorgehensweisen: Entweder stellen andere Länder eigene Ressourcen zur Verfügung, oder die Kommission mobilisiert diese im Rahmen des "RescEU"-Programms. Die Empfängerländer können die Angebote dann annehmen oder ablehnen, und das ERCC überwacht die Hilfe und kofinanziert sie.
Ukrainische Feuerwehrleute löschen einen Brand in der Region Bordeaux (Frankreich).
In den vergangenen vier Jahren wurden zudem internationale Einsatzkräfte in den Ländern "vorab stationiert", die am stärksten von Waldbränden bedroht sind. So wurden beispielsweise den ganzen Sommer über 245 Feuerwehrleute aus Tschechien, Frankreich, Moldawien und Rumänien nach Griechenland entsandt, während Griechenland selbst im Juli 21 Feuerwehrleute nach Frankreich entsandte und im September weitere 21 nach Zypern entsenden wird.
Nach Angaben der Europäischen Kommission verfügt die UCPM über "ausreichende Ressourcen", um Länder zu unterstützen. Es komme nicht oft vor, dass gleichzeitig Anfragen aus mehreren Staaten eingehen, erklärte Kommissionssprecherin Eva Hrncirová gegenüber "A European Perspective". Das ERCC reagiert jährlich auf rund 100 Anfragen zu Notfällen aller Art, von denen acht im Jahr 2026 mit Waldbränden zusammenhingen. "Wir mussten zwei groß angelegte Einsätze in zwei großen Ländern (im Juli in Frankreich und Spanien) bewältigen und konnten beiden helfen; es war einer unserer umfangreichsten Einsätze", sagte sie.
Hrnčířová räumte jedoch ein, dass sich dieser Sommer als "Weckruf" erweise. Die Ende Juli dieses Jahres verbrannte Fläche überstieg 400.000 Hektar in Europa, was das Jahr 2026 bereits zu einem der schlimmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen in Bezug auf Waldbrände macht. "Sobald der Sommer vorbei ist, müssen wir darüber diskutieren, wie wir uns am besten an diese Situationen anpassen können, und ich hoffe, dass sich dies im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (MFR, dem sechsjährigen Ausgabenplan der EU) widerspiegeln wird."
Europakarte: Hitzeanomalie und verbrannte Oberfläche
Auf dem Desktop können Sie mit dem Mausrad in die Karte hinein- und herauszoomen. Auf dem Mobilgerät zoomen Sie mit der Zwei-Finger-Geste (Auseinanderziehen zum Vergrößern, Zusammenziehen zum Verkleinern). Die Karte wird BR24 von der European Broadcasting Union (EBU, Luc Martinon) zur Verfügung gestellt und während der Waldbrand-Saison alle sechs Stunden aktualisiert.
Für den Zeitraum 2021 bis 2027 hat die Europäische Kommission 3,6 Milliarden Euro für Notfälle bereitgestellt, während Entwürfe für den nächsten Haushalt, der noch vor Jahresende verabschiedet werden soll, darauf hindeuten, dass dieser Betrag für den kommenden Zeitraum 2028–2034 10 Milliarden Euro übersteigen könnte.
Das Ausmaß der Brände in den letzten Monaten hat die Grenzen der Fähigkeit einiger Länder, diese Krisen aus eigener Kraft zu bewältigen, auf die Probe gestellt. Deutschland beispielsweise muss in der Regel Polizei- und Militärhubschrauber einsetzen, die mit 5.000-Liter-Wassereimern ausgestattet sind, um seine Waldbrände zu bekämpfen. In Ländern, in denen Spezialflugzeuge wie Canadairs eingesetzt werden können, werden diese hingegen zunehmend knapp: Die Produktion der bestehenden Modelle wurde eingestellt, und die neue Generation ist noch nicht in Dienst gestellt worden, berichtet der Bayerische Rundfunk. Die Schweiz, die kein Teilnehmerland des EU-Katastrophenschutzmechanismus ist, hat in diesem Jahr nach der Katastrophe von Crans-Montana, bei der 41 Menschen bei einem Brand während der Silvesterfeierlichkeiten ums Leben kamen, zum ersten Mal um Unterstützung gebeten. Die Schweizer Behörden baten um Hilfe, da ihnen ausreichende Kapazitäten für den spezialisierten Krankentransport und in den Krankenhäusern fehlten.
"Gemeinsam sind wir stärker"
Aus Sicht der Feuerwehrleute besteht kaum ein Zweifel am Wert dieses Austauschs mit internationalen Kollegen. "Wir leben mehrere Tage oder sogar mehrere Wochen lang Seite an Seite mit ihnen an Einsatzorten, an denen es ziemlich intensiv zugeht", erklärte Kommandant Angonin gegenüber FranceInfo. "Da entstehen zwangsläufig Bindungen." Im Gespräch mit ERTNews betonte Sylvain Cheval, Leiter der französischen Einheit, die diesen Sommer nach Athen entsandt wurde: "Gemeinsam sind wir stärker." Die Erfahrungen in Griechenland, erklärte er, seien "sehr nützlich" bei der Bekämpfung der Brände auf Korsika gewesen, wo es ähnliche mediterrane Waldgebiete wie in Griechenland gibt.
Diese Art des Lernens ist einer der Vorteile, die in einem von der Schweizer Regierung in Auftrag gegebenen Bericht aus dem Jahr 2021 über die Vor- und Nachteile eines Beitritts zur UCPM hervorgehoben werden. Im Jahr 2026 wurde erstmals eine Feuerwehrmannschaft aus der französischsprachigen Schweiz in Frankreich eingesetzt. "Die Feuerwehrleute, die in die Region Bordeaux gereist sind, leisten nicht nur Hilfe. Sie sammeln auch wertvolle Erfahrungen", erklärte Christine Eriksen, eine der Autorinnen des Berichts von 2021, gegenüber Swissinfo. Für Eriksen steht fest, dass auch die Schweiz in Zukunft mit eigenen Waldbränden konfrontiert sein wird. "Wenn wir jetzt Wissen sammeln, sind wir besser auf das vorbereitet, was kommt."
"A European Perspective" ist eine redaktionelle Kooperationsinitiative, die europäische öffentlich-rechtliche Medien zusammenbringt. Weitere Informationen finden Sie hier.
Mit Beiträgen von BR (Deutschland), ERR (Estland), ERT (Griechenland), Franceinfo (Frankreich), LRT (Litauen), RTBF (Belgien), RTVE (Spanien), Suisseinfo (Schweiz) und Suspilne (Ukraine).
Text: Luis García Fuster
Redaktion: Alexiane Lerouge
Illustration: Ann-Sophie De Steur
Übersetzung für BR24: Klaus Schneider
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