Dicht auffahren, Lichthupe oder ausbremsen: Die Aggressivität im Straßenverkehr nimmt einer Langzeitumfrage zufolge zu. Dabei hat die Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft über 2.000 Autofahrer online nach ihrem Verhalten im Straßenverkehr befragt.
Autofahrer räumen Fehlverhalten ein
Immer mehr Autofahrer räumten bei der Studie der Versicherer eigenes Fehlverhalten ein, sagt die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Kirstin Zeidler. Das Ergebnis der jetzt vorgestellten Studie vom Frühjahr 2026 zeige, dass das Klima auf den Straßen Deutschlands deutlich rauer geworden sei. "Wir haben mittlerweile 23 Werte, die wir de facto für Aggression ermitteln, und nahezu alle 23 Werte für aggressives Verhalten haben sich seit der letzten Studie 2023 nochmal weiter verschlechtert, einige sogar deutlich", so Zeidler.
Deutlich mehr Drängler
Der Anteil derjenigen, die mitunter drängeln, stieg den Angaben zufolge in diesem Jahr auf 47 Prozent, 2023 waren es noch 36 Prozent. Ein knappes Drittel der Befragten schere nach dem Überholen auch mal dicht ein, damit der andere Verkehrsteilnehmer bremsen müsse. 2023 tat dies nach eigener Aussage noch ein knappes Viertel der Befragten. Der Trend ist laut Unfallforscherin Zeidler klar: "Die Gruppe derer, die aggressives Verhalten zeigt, nimmt zu." Doch, so Zeidler, das zeige sich nicht nur bei Autofahrern.
Auch Radfahrer werden laut Umfrage aggressiver
Auch Radfahrer gaben bei der Befragung in diesem Frühjahr häufiger aggressives Verhalten zu als noch 2023. Sie drängeln demnach öfter auf Radwegen, schummeln sich an roten Ampeln an den anderen wartenden Radfahrern vorbei oder schlängeln sich durch den Autoverkehr. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club zeigt sich auf BR24-Anfrage beunruhigt.
Laut ADFC Bayern schaffen unklare Regeln Konflikte
Nicht jeder Konflikt im Straßenverkehr entstehe aus Aggression, so Eva Mahling, Landesvorsitzende des ADFC Bayern. "Wir erleben auch immer wieder, dass es beim Radverkehr einige Regeln gibt, die für viele unklar sind", sagt Mahling: "Beispielsweise sind Radwege nur dann benutzungspflichtig, wenn dies durch ein entsprechendes blaues Verkehrszeichen angeordnet wird."
Wissen und Rücksichtnahme, aber auch Infrastruktur
Wissen und gegenseitige Rücksichtnahme sind laut Eva Mahling jedoch nur ein Teil der Lösung. Auch die Infrastruktur beeinflusse das Entstehen von Konflikten. Die UDV-Studie liefert dafür laut ADFC Bayern einen interessanten Hinweis: 40 Prozent der befragten Radfahrenden stimmen zumindest teilweise der Aussage zu, Drängeln gehöre auf engen und vollen Radwegen zu ihrem Fahrstil. Der ADFC Bayern fordert deswegen breitere Radwege.
Versicherer fordern schärfere Kontrollen und härtere Sanktionen
Aufgrund der Umfrage fordert die Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft schärfere Kontrollen und härtere Sanktionen im Straßenverkehr. Polizeikontrollen erlebten viele Verkehrsteilnehmer de facto selten, sagen die Versicherer.
Innenministerium: "Bayerns Polizei geht konsequent vor"
Die Bayerische Polizei nutzt laut Innenministerium bei Verkehrssündern, die mehrfach in Erscheinung treten, ihren Ermessensspielraum konsequent aus, um Geldbußen empfindlich zu erhöhen oder auch zusätzlich Fahrverbote zu verhängen. Zugleich sei Prävention ein wichtiger Bestandteil für die Verkehrssicherheit. Bayerns Innenministerium will mit dem bayerischen Verkehrssicherheitsprogramm 2030 "Bayern mobil – sicher ans Ziel" das Verhalten der Verkehrsteilnehmer nachhaltig positiv beeinflussen.
Nötigungen und Verkehrsverstöße gleichbleibend bis rückläufig
Laut polizeilicher Kriminalstatistik sind die Nötigungen im Straßenverkehr im Jahr 2025 um 3,4 Prozent zurückgegangen. Das Dunkelfeld in diesem Bereich sei jedoch sehr hoch, so ein Sprecher des Innenministeriums. Auch sei die Gesamtanzahl der Verkehrsverstöße in den vergangenen Jahren in Bayern weitgehend gleichgeblieben. Seit 2020 sei sogar ein geringfügiger Rückgang zu verzeichnen, antwortet ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums auf BR24-Anfrage.
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