Insgesamt sechs bestätigte Infektionen, davon drei Todesfälle – so lautet die Zwischenbilanz des Hantavirus-Ausbruchs auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik. Bislang ist aber nicht vollends geklärt, ob sich weitere Menschen an Bord der "MV Hondius" angesteckt haben. Das soll aber bald festgestellt werden, denn das Schiff ist am frühen Morgen an der Küste der Kanareninsel Teneriffa eingetroffen. Live-Aufnahmen des staatlichen Fernsehsenders RTVE zeigten die Ankunft.
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Mitarbeiter von Gesundheitsbehörden an Bord
Eskortiert von einem Boot der spanischen Guardia Civil lief die "Hondius" in den Hafen Granadilla de Abona im Süden der spanischen Urlaubsinsel ein. Dort ankert das Kreuzfahrtschiff. Zunächst hatte es geheißen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen vor dem Hafen vor Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den kleinen Industriehafen.
Am Vormittag sind Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden an Bord gegangen, um Passagiere und Crewmitglieder auf akute Krankheitssymptome zu untersuchen, wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilte. Zu den sechs nachgewiesenen Infektionen kommen nämlich noch zwei Verdachtsfälle.
Ausschiffung in kleinen Gruppen - danach zum Flughafen
Liegen keine Symptome vor, werden die Passagiere in Gruppen von maximal fünf Personen ausgeschifft. Nach Angaben Garcías müssen sie FFP2-Schutzmasken tragen und dürfen nur leichtes Handgepäck mitnehmen.
Als Erste wurden die 14 Spanier am Hafen von Granadilla im Süden der Kanaren-Insel Teneriffa in kleinen Gruppen mit Booten an Land gebracht. Es handelt sich nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums um 13 Passagiere und einem Angehörigen der Crew.
Die Betroffenen sollen dann in versiegelten und bewachten Militär-Bussen zum wenige Minuten entfernten Flughafen gefahren werden. Von dort sollen die 86 Passagiere ohne weitere Abfertigung sofort in ihre Heimatländer ausgeflogen werden. Dabei werde sichergestellt, dass die Passagiere keinen Kontakt zur Öffentlichkeit hätten, hieß es. Die Evakuierung soll bis Montagnachmittag dauern.
Auch wenn weiterhin keiner der knapp 150 Menschen an Bord derzeit Symptome hat, werden alle als Kontaktpersonen mit hohem Risiko eingestuft, wie das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten mitteilte.
Niederlande fliegen deutsche Passagiere heim
Gesundheitsministerin Mónica García sagte vor Journalisten, man werde zunächst die 14 Spanier an Bord ausschiffen und nach Madrid bringen. "Der nächste Staat, der die Evakuierung übernehmen wird, sind die Niederlande. Sie werden ebenfalls Staatsbürger aus Deutschland, Belgien und Griechenland sowie einen Teil der Besatzung mitnehmen", erklärte sie.
Unter den Passagieren befinden sich der zuständigen Reederei zufolge sechs Deutsche. Nach ihrer Ankunft am Militärflughafen in Eindhoven in den Niederlanden sollen vier von ihnen nach Frankfurt gebracht werden, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert.
WHO betont: Kein Grund zur Panik
30 Besatzungsmitglieder sollen an Bord bleiben und das Schiff später zur Desinfektion in die Niederlande steuern. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, ist eigens nach Granadilla gereist, um die Evakuierung zu beaufsichtigen. Er betonte aber erneut: Das Risiko, sich mit dem Hantavirus anzustecken, sei gering.
Laut WHO waren bei dem Ausbruch insgesamt acht Menschen erkrankt, bei sechs von ihnen wurde mittlerweile eine Infektion mit dem von Mensch zu Mensch übertragbaren Andes-Virusstamm nachgewiesen. Drei Menschen sind bisher an dem Virus gestorben, darunter eine Frau aus Passau. Ihre Leiche bleibt auf der Weiterfahrt in die Niederlande an Bord der Hondius. Kap Verde, wo die Hondius zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere mit Verweis auf die unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten dort nicht aufnehmen.
Nach Verdachtsfällen wird weiter gesucht
Das Schiff war am 1. April in Ushuaia in Argentinien zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb laut Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord. Seine Frau ging am 24. April mit anderen Passagieren auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, flog nach Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Anfang Mai starb auf dem Schiff die Frau aus Passau.
Die WHO vermutet, dass sich der Niederländer mit dem Hantavirus infizierte, bevor er an Bord ging. Das Virus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters
Im Audio: Evakuierung von Schiff nach Hantavirus-Ausbruch hat begonnen
Nach dem Ausbruch des Hantavirus hat das Kreuzfahrtschiff "Hondius" die Insel Teneriffa erreicht. Nun läuft die Rückführung der Passagiere.
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