Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff werden immer mehr Details bekannt. So hatte die "Hondius" noch kurz zuvor einen Zwischenstopp auf der Insel St. Helena, einem britischen Überseegebiet gemacht.
Dutzende Passagiere verließen Kreuzfahrtschiff auf St. Helena
Nach Angaben des Veranstalters Oceanwide Expeditions waren dabei 29 Passagiere von Bord gegangen. Die niederländische Regierung spricht hingegen von etwa 40 Passagieren. Die Gäste hätten die "Hondius" auf der abgelegenen Insel im Südatlantik am 24. April verlassen – also fast zwei Wochen nach dem ersten Todesfall im Zusammenhang mit dem Ausbruch, teilte das Unternehmen Oceanwide Expeditions am Donnerstag mit. Zuvor hatte es erklärt, dass die Leiche des Niederländers auf St. Helena vom Schiff gebracht worden und seine Frau von Bord gegangen sei.
Sie flog anschließend nach Südafrika, wo sie auf dem Flughafen von Johannesburg kollabierte und später starb. Dass neben ihr noch Dutzende weitere Personen die "Hondius" auf St. Helena verließen, hatte das Unternehmen bisher nicht mitgeteilt.
Suche nach Passagieren - und Kontaktpersonen
Die Passagiere seien von Bord gegangen, um in ihre Heimatländer zurückzukehren. Sie stammten aus mindestens zwölf verschiedenen Staaten, hieß es. Die Herkunft zweier Personen sei derzeit unklar. Die Behörden in Südafrika und Europa bemühen sich, die Kontakte aller betroffenen Passagiere nachzuverfolgen. Ziel ist es, eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.
Drei Menschen starben bislang, darunter ein Deutscher und ein niederländisches Ehepaar. Laut Reederei soll auch eine 78-jährige Frau aus Passau auf der Krankenstation der "Hondius" gestorben sein. Das Auswärtige Amt bestätigte bislang einen Todesfall aus Deutschland.
Bei acht weiteren Personen besteht der Verdacht, dass sie sich mit dem Virus infiziert haben, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag mitteilte. Zwei Besatzungsmitglieder mit Symptomen wurden in die Niederlande evakuiert, eine Kontaktperson ohne Symptome in die Uniklinik Düsseldorf. In den Niederlanden wird außerdem eine Flugbegleiterin auf das Virus untersucht, die zuvor Kontakt mit einer mutmaßlich infizierten Passagierin hatte.
Mensch zu Mensch-Übertragung sehr selten
Die "MV Hondius" steckte zunächst vor der Küste der Kapverden fest. Eigentlich sollten sie das Endziel sein, doch der Inselstaat verweigerte den Passagieren wegen des Ausbruchs den Landgang. Am späten Mittwochabend nahm das Schiff mit fast 150 Menschen an Bord Kurs auf die Kanarischen Inseln, die zu Spanien gehören. Es soll am Sonntag Teneriffa erreichen, teilte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC mit. An Bord zeige derzeit niemand Symptome. Nach der Ankunft sollen alle gesunden ausländischen Staatsbürger in ihre Heimatländer zurückgebracht werden.
Bei dem Erreger handelt es sich um den sogenannten Anden-Stamm des Hantavirus. Dieser kann durch sehr engen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Experten betonen jedoch, dass eine solche Ansteckung sehr selten ist. Dennoch sind die Gesundheitsbehörden alarmiert. Das argentinische Gesundheitsministerium kündigte an, in der südlichen Stadt Ushuaia, dem Startpunkt der Kreuzfahrt, Nagetiere zu fangen und zu untersuchen.
In Bayern wurden 2024 insgesamt 56 bestätigte Hantavirus-Fälle registriert. Nach Angaben der Behörden gilt eine Übertragung von Mensch zu Mensch bei den in Europa verbreiteten Virusvarianten weiterhin als äußerst selten.
Mit Informationen von dpa, AP, AFP und Reuters
Im Video: Hantavirus - Sorge vor Ausbreitung
Hantavirus - Sorge vor Ausbreitung
Im BR24live-Video: Hantavirus an Bord – Passagiere an Land
Symbolbild Hantavirus
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