Frau hält bei Demo ein Schild mit der Aufschrift "Justice for all Jane Doe's"
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Demonstranten solidarisieren sich an der Cornell University im US-Bundesstaat New York mit dem anonymen Opfer "Jane Doe".
Bildrechte: picture alliance / NurPhoto | Melissa Bender
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Demonstranten solidarisieren sich an der Cornell University im US-Bundesstaat New York mit dem anonymen Opfer "Jane Doe".

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#IchBinJaneDoe: Beginn einer neuen MeToo-Welle?

#IchBinJaneDoe: Beginn einer neuen MeToo-Welle?

Unter dem Hashtag #IchBinJaneDoe solidarisieren sich weltweit Menschen in sozialen Medien mit einer Studentin, die eine Klage wegen Gruppenvergewaltigung einreichte. Der Fall erinnert an Gisèle Pelicot. Kann er eine neue MeToo‑Welle auslösen?

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Zündfunk am .

Sieben Stunden lang sitzen sie auf dem Boden des Speisesaals der Cornell Universität – so lange wie die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung gedauert haben soll: Studierende haben am Mittwoch mit einem Sitzstreik gegen den Umgang der Eliteuniversität mit den Vorwürfen der sexualisierten Gewalt einer ehemaligen Studentin protestiert. Auf ihren Schildern steht "Wir sind Jane Doe" und "Gerechtigkeit für Jane Doe". Jane Doe ist das Pseudonym, unter dem die Klägerin auftritt, um ihre Identität zu schützen. Sie wirft sieben Studenten vor, sie 2024 im Haus der Studentenverbindung Chi Phi vergewaltigt zu haben.

Fall Jane Doe ohne juristische Konsequenzen

Die damals 20‑Jährige war in das Gebäude der Studentenverbindung gekommen, um einen Freund zu treffen. Dort sei sie nach eigenen Angaben zum Konsum von Drogen und Alkohol gedrängt worden und schließlich völlig handlungsunfähig gewesen. Obwohl sie sich drei Wochen später an die Campuspolizei wandte, gab es keine juristischen Konsequenzen.

Männerbünde und Loyalität

Das könnte auch daran liegen, dass in den USA Universitäten und Studentenverbindungen eng verflochten sind, sagt der Wiener Politikwissenschaftler Bernhard Weidinger, der zu Studentenverbindungen geforscht hat. Verbindungsmitglieder säßen oft in Gremien oder gehörten zu privaten Geldgebern. "Die in amerikanischen Fraternities gepflegte starke Loyalität unter den Mitgliedern erschwert in der Regel Ermittlungen", bestätigt auch die Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth von der Universität Gießen.

Zwar schloss die Universität das Haus der Verbindung und suspendierte einzelne mutmaßliche Täter, doch das Problem reicht tiefer. Die Verbindung Chi Phi wirbt weiterhin damit, "Männer zu besseren Menschen" zu machen. "Wie in allen Männerbünden geht es darum, an bestimmte Vorstellungen von Männlichkeit anzuknüpfen und Neulinge entsprechend zu sozialisieren", so Kurth. In Verbindung mit Ritualen und exzessivem Alkoholkonsum können so gefährliche Gruppendynamiken entstehen.

Solidarität auf Social Media: #IchBinJaneDoe

Die Klägerin hat die Universität mittlerweile verlassen und ist laut ihrem Anwalt Thomas Giuffra in keiner guten Verfassung, wie er in einem Interview mit dem Sender NBC sagte. Seine Mandantin erhalte Drohungen, ihre Klage zurückzuziehen. Der amerikanische Journalist Michael Tracey rief auf der Plattform X dazu auf, ihm Informationen zu liefern, um ihre Identität zu veröffentlichen.

Als Reaktion solidarisierten sich weltweit Menschen unter dem Hashtag #IchBinJaneDoe (im Original: #IAMJaneDoe) mit der Studentin. Die Aktion soll Algorithmen und KI verwirren, falls ihr Name verbreitet wird. In Tausenden Beiträgen berichten Nutzer von eigenen Erfahrungen mit Vergewaltigungen und Kindesmissbrauch: "Ich war 3 und es war mein Großvater", schreibt eine Nutzerin bei Instagram. "Wir sind alle Jane Doe bis es keine mehr ist", heißt es in mehreren Posts – ein Verweis darauf, wie viele Frauen von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Mehrere kritisieren auch die Männer, die über eine Chatgruppe von der mutmaßlichen Vergewaltigung gewusst haben, aber schwiegen.

#IchBinJaneDoe: Neue MeToo-Welle?

Die Soziologin Paula-Irene Villa Braslavsky (Ludwig-Maximilians-Universität München) sieht darin keine neue MeToo‑Welle: Themen hätten heute auf Social Media eine viel kürzere Lebensdauer.

Vielmehr reihe sich der Fall Jane Doe neben anderen Fällen wie Gisèle Pelicot und Collien Fernandes ein. "Es handelt sich um sehr langsame Prozesse, bis sich die Wahrnehmung verändert. Angesichts dessen, wie lange Feministinnen das Thema schon politisieren, ist es bemerkenswert, wie wenig sich gesellschaftlich und rechtlich verändert hat", sagt Villa Braslavsky.

Was können deutsche Hochschulen tun?

Jede zweite Studentin erlebt während des Studiums sexuelle Belästigung, von sexualisierten Bemerkungen über ungefragte Nacktbilder bis hin zu Bedrohungen, so die Antidiskriminierungsstelle des Bundes [externer Link]. 3,3 Prozent waren sogar sexueller Gewalt ausgesetzt. An deutschen Hochschulen gibt es Anlaufstellen, an die sich Betroffene wenden können. Trotzdem ist die Dunkelziffer sehr hoch laut Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen [externer Link].

Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth findet, Universitäten sollten stärker auf Beratungsangebote aufmerksam machen, das alleine reiche aber nicht: "Wirksamer als solche Angebote ist die stärkere Etablierung einer Kultur des Nichtmitmachens und des Nichtwegsehens, auch wenn es unbequem ist." Soziologin Villa Braslavsky sagt, es brauche neben Schutz und Beratung für Betroffene mehr Fokus auf potenzielle Täter: Noch immer kreise der Diskurs darum, wie Frauen sich schützen können "und viel zu wenig darum, wie man verhindert, dass Jungs und Männer Gewalt normalisieren".

Beratung bei sexualisierter Gewalt in Deutschland

Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530. Das Hilfe-Telefon ist ein Angebot des Bundes. Anrufe sind anonym und kostenfrei.

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