Als Donald Trump 2024 die Präsidentschaftswahl gewann, trug ihn eine Koalition verschiedenster Wählergruppen ins Ziel. Sie reichte vom harten Kern der "Make America Great Again"(MAGA)-Bewegung über Anhänger von Kryptowährungen bis zu streng religiösen Evangelikalen. Auch viele Latinos und Afroamerikaner – sonst eher den Demokraten zugewandt – wählten Trump, weil sie ihm Kompetenz beim Thema Wirtschaft zusprachen. Auch Trumps Macho-Allüren störten offenbar nicht. Jetzt scheint der US-Präsident immer mehr Teile seiner Machtbasis zu verlieren.
Prominente Influencer wenden sich ab
Besonders auffällig ist, wie viele Podcast-Moderatoren und Social-Media-Influencer sich unter dem Eindruck des Iran-Kriegs abwenden. Tucker Carlson, früher beim TV-Sender Fox News, nannte den Iran-Krieg "böse und ekelhaft". Rechtsaußen-Moderator Joe Rogan hält den Angriff auf den Iran ebenso für "Verrat" an der MAGA-Bewegung wie der frühere Trump-Berater Steve Bannon. Hauptvorwurf: Der Präsident habe unter dem Motto "America first" versprochen, keine neuen Kriege zu führen, jetzt tue er das Gegenteil.
Trump versuchte kürzlich, mit einem Wutausbruch auf seiner Plattform Truth Social zurückzuschlagen. Er wisse, warum ihn Leute wie Tucker Carlson, Megyn Kelly, Candace Owens und Alex Jones bekämpften: "Sie sind dumm", schrieb Trump und nannte die Abtrünnigen, die ihm vor eineinhalb Jahren mit zum Wahlsieg verholfen hatten, "Spinner" und "Unruhestifter".
Die Papst-Attacke treibt es auf die Spitze
Das US-Nachrichtenportal Axios urteilt, Trump sei dabei, die Koalition seiner Unterstützer "abzufackeln" und sei sich nicht einmal bewusst, wie tief die Unzufriedenheit reicht. Seit Ostern habe es Trump auf die Spitze getrieben, erst mit der Warnung, alle Kraftwerke und Brücken im Iran zu zerstören, dann mit der Ankündigung, dort die gesamte Zivilisation "auszulöschen", zuletzt mit der Verbalattacke auf Papst Leo. Dass Trump die KI-generierte Darstellung von sich selbst als heilende Jesus-Figur inzwischen von seinem Account entfernt hat, könne den Schaden nicht begrenzen. Das Fazit von Axios: "Katholiken, die rund ein Fünftel der US-Bevölkerung ausmachen, sind die mächtigste Gruppe von Wechselwählern. Trumps Angriffe auf den Papst – der weit populärer ist als er selbst – könnten sich bei den Zwischenwahlen als selbstzerstörerisch erweisen."
Die Zwischenwahlen Anfang November treiben auch den Republikanern im Kongress die Sorgenfalten auf die Stirn. Noch hält der Großteil der republikanischen Abgeordneten und Senatoren zu Trump, die Revolte ist bisher ausgeblieben. Doch der Unmut vieler Wählerinnen und Wähler über den Iran-Krieg und die gestiegenen Benzinpreise wächst. "Wie soll man auf die Bühne gehen und eine Präsentation oder Rede halten, wenn die Ausgangslage alle zwölf Stunden eine neue Entwicklung nimmt?" So zitiert etwa die Nachrichtenagentur AP den republikanischen Abgeordneten Dave Schweikert, der inzwischen für das Amt des Gouverneurs von Arizona kandidiert.
Ist MAGA "tot" oder kommt Trump zurück?
Andrew Day, Chefredakteur der Zeitschrift The American Conservative, sagt voraus, dass die Demokraten im November beide Kongresskammern zurückerobern, und sieht Trump bereits als "lahme Ente". Unter der Überschrift "MAGA ist tot" fordert er eine Neuorientierung der amerikanischen Rechten und ruft das "Ende des Trumpismus" aus. So weit gehen längst nicht alle US-Experten. Der Historiker und Trump-Kritiker Timothy Snyder schließt auch eine Art "Putsch" nicht aus. Trump habe keine Skrupel, Wahlen zu manipulieren, er habe bereits versucht, die Präsidentschaftswahl 2020 zu kippen, und habe öffentlich darüber sinniert, die Zwischenwahlen abzusagen. Der Präsident versuche auch, Gesetze durchzudrücken, die das Wahlrecht stark einschränken, betont Snyder in einem Artikel für mehrere internationale Zeitungen, darunter die Süddeutsche Zeitung (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt).
Klar ist: Trump steht enorm unter Druck. Im Interview mit Fox News gestand er selbst ein, dass die Benzinpreise bis November voraussichtlich nicht sinken werden. Das Thema Wirtschaft gilt als wahlentscheidend. Aus Trumps Umfeld ist jedoch nach wie vor zu hören: Wenn Trump unter Druck steht, ist er am stärksten – und politische Stimmungen wechseln schnell.
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