KI und der Arbeitsmarkt
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KI und Arbeitsmarkt: Ist die Angst gefährlicher als die Technik?

KI und Arbeitsmarkt: Ist die Angst gefährlicher als die Technik?

KI ist derzeit nicht der befürchtete große "Job-Killer", sagt die Wissenschaft. Sie verändert vor allem Aufgabenprofile im Beruf. Die Angst vor der künstlichen Intelligenz ist aber möglicherweise gefährlicher als die Technologie selbst.

Über dieses Thema berichtet: Der Funkstreifzug am .

Der Einsatz von KI in deutschen Unternehmen nimmt zu. Laut Oliver Schlenker vom ifo Institut und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nutzen inzwischen rund 40 Prozent der deutschen Unternehmen künstliche Intelligenz. "Ob die KI unsere Jobs ersetzen wird, das ist eine zukunftsgerichtete Frage. Wir wissen alle nicht, was in 50, 100 oder in 150 Jahren sein wird. Aber so, wie sich Trends aktuell entwickeln, sehen wir, dass es zwar zu einer Veränderung am Arbeitsmarkt kommt, aber nicht so, dass wir morgen alle keine Jobs mehr haben", so der Forscher.

Besonders betroffen: Wissensintensive Berufe

Klar ist: Der Jobmarkt ist von KI betroffen. Ungewöhnlich sei das aber nicht, betont Schlenker: "Das war nicht anders mit der Automatisierungswelle, der Robotik oder der Digitalisierung."

Laut einer Szenarioanalyse des IAB sind in den kommenden 15 Jahren 1,6 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland vom Strukturwandel durch KI betroffen. Dazu zählen Jobs, die sich verändern, entfallen oder auch neu entstehen, weil KI neue Tätigkeitsfelder eröffnet.

Besonders vom Wandel betroffen sein werden laut Schlenker die sogenannten wissensintensiven Jobs, wie Softwareentwicklerin, Buchhalter oder Steuerberaterin. Weil in diesen Berufen immer wieder routinemäßig große Mengen von Informationen analysiert und verarbeitet werden müssen, hat die KI hier besonders großen Einfluss. Denn ihr Spezialgebiet ist: Datenanalyse und Auswertung.

Jobverlust bisher unwahrscheinlich

Wissenschaftlich lässt es sich bisher nicht nachweisen, dass es durch KI zu einem flächendeckenden Job-Abbau kommt. Studien aus Skandinavien zeigen: In Betrieben, in denen KI eingeführt wurde, verändern sich zwar die Aufgabenfelder der Angestellten, es kommt aber nicht zum Stellenabbau.

Auch für Deutschland finden Schlenker und sein Team vom IAB eher Hinweise auf Wandel als auf Jobverlust: "Wir können natürlich technisch sehr viel tun, sehr viele Tätigkeiten durch KI ersetzen", sagt Schlenker. "Aber es macht nur bei einem geringen Anteil der Jobs auch Sinn." Unrealistisch sei beispielsweise, dass KI-Berufe im Service- oder Gesundheitssektor übernehmen. Hier spiele der persönliche zwischenmenschliche Kontakt weiterhin eine wichtige Rolle.

Angst vor Jobverlust – Problem für die Demokratie?

Trotz der bisherigen Befunde bleibt die Sorge groß: In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur gaben im vergangenen Jahr 34 Prozent der Befragten an, Angst zu haben, durch die KI ihren Job zu verlieren.

Welche politischen Auswirkungen diese Angst haben kann, haben Forscher der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) München und der Universität Wien untersucht. Der LMU-Forscher Armin Granulo und sein Team werteten Umfragedaten von 37.000 Menschen aus 38 Ländern aus. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Befragten nimmt KI eher als einen Ersatz für menschliche Arbeit wahr.

Diese Überzeugung habe Konsequenzen für Demokratie und politisches Engagement. "Je mehr Menschen glauben, dass die KI menschliche Arbeit verdrängt, desto unzufriedener sind sie mit der Demokratie, mit ihrem politischen System", so Granulo. "Und desto weniger engagieren sich diese Menschen dann auch politisch."

Obwohl ein Verlust an Arbeitsplätzen also bisher nicht belegt werden kann, hat die bloße Existenz der Technologie Einfluss. "Es ist eher die Geschichte über KI, die die Menschen in ihrem Kopf haben, die schon Auswirkungen darauf hat, wie sie über das demokratische System nachdenken und sich darin verhalten."

Politik und Unternehmen setzen auf Weiterbildung

Die Politik versucht gegenzusteuern und die Sorgen abzufedern. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) rechnet wie Forschende auch nicht mit großflächigen Jobverlusten, sondern mit einem Job-Umbau. Damit der erfolgreich sein kann, sollen Mitarbeitende im Bereich KI geschult werden. Unternehmen wie die Allianz, Bosch und die Lufthansa-Marketingagentur Oskar Bravo bieten ihren Mitarbeitenden bereits solche Schulungen an. Ob diese ausreichen, um die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger zu mindern, bleibt aber abzuwarten. Studienergebnisse zu den Auswirkungen auf das Wahlverhalten liegen noch nicht vor.

Die ganze Recherche hören Sie im Funkstreifzug am 10.06.26 um 12.15 Uhr im Radioprogramm von BR24 oder als Podcast bei ARD Sounds.

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