Es klang schon fast verzweifelt, als Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social postete: "Israel und der Iran müssen unverzüglich aufhören zu 'schießen'." Es war am frühen Montagmorgen um 5.37 Uhr Ortszeit in Washington D.C., 11.37 Uhr deutscher Zeit, als Trump so auf die jüngste Eskalation im Iran-Krieg reagierte, zwei Monate nach Inkrafttreten eines ohnehin brüchigen Waffenstillstands.
Mehrere US-Medien hatten zuvor berichtet, Trump habe in der Nacht mit Israels Premier Benjamin Netanjahu telefoniert und versucht, ihn von Vergeltungsschlägen auf iranisches Territorium abzuhalten – vergeblich.
Trumps Worte und die Realität klaffen auseinander
Netanjahu hat sich einmal mehr über Trump hinweggesetzt. Dabei hatte der US-Präsident im Interview mit der Financial Times noch behauptet: "Ich habe das alleinige Sagen. Nicht er hat das Sagen." Erneut zeigt sich: Trumps Worte und die Realität klaffen deutlich auseinander.
Im Lauf des Montags legte Trump auf seiner Plattform Truth Social nach. Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran gingen weiter, schrieb er in trotzigem Tonfall: "Die finalen Friedensverhandlungen laufen, sofern ihnen nicht Ignoranz oder Dummheit in die Quere kommen."
Unterschiedliche Interessen der USA und Israels
Die Interessen Trumps und Netanjahus stimmen schon lange nicht mehr überein. Trump will ein möglichst schnelles Kriegsende, selbst in seiner republikanischen Partei war der Iran-Krieg von Anfang an umstritten, die Benzinpreise und andere Lebenshaltungskosten sind in den USA gestiegen, der Wahlkampf zu den Kongress-Zwischenwahlen Anfang November hat begonnen. Netanjahu dagegen hat die mit den USA gemeinsam begonnenen Angriffe auf den Iran nur widerwillig unterbrochen, aus seiner Sicht muss die für Israel existenzielle iranische Bedrohung mit diesem Krieg so weit wie möglich ausgeschaltet werden.
Vor allem will Netanjahu den Libanon-Krieg fortsetzen, um mit allen Mitteln die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz zu bekämpfen. Trump versucht, den Libanon-Krieg aus den Verhandlungen mit Iran möglichst auszuklammern, das iranische Regime ist dazu bisher nicht bereit. Iran hat auch die aktuellen Angriffe auf Israel mit den anhaltenden israelischen Luftangriffen im Libanon begründet. So stecken alle drei Akteure – Iran, Israel, USA – in einem scheinbar unauflöslichen Knäuel an Interessen fest.
Alle Akteure stehen innenpolitisch unter Druck
Was die Lage zusätzlich erschwert: Alle drei Akteure stehen innenpolitisch enorm unter Druck. Zum ersten Mal in Trumps zweiter Amtszeit regt sich auch unter Republikanern im US-Kongress inzwischen Widerstand. Netanjahu braucht den andauernden Kriegszustand offenbar, um von eigenen inneren Problemen abzulenken. Auch seine Umfragewerte sinken, er will sich bis Oktober zur Wiederwahl stellen. Das iranische Regime muss erst recht versuchen, nach außen weiter militärische Härte zu demonstrieren, um die Repressionen im Inneren aufrechterhalten zu können.
Auch wenn der Iran am Montagnachmittag angekündigt hat, seine Angriffe auf Israel unter bestimmten Bedingungen wieder einzustellen: Die jüngste Eskalation zeigt, wie schwer eine dauerhafte Befriedung des Gesamtkonflikts bleibt. Auch wenn Trump in einem weiteren Telefonat mit Netanjahu offenbar versucht hat, erneut Druck auf den israelischen Premier auszuüben: Das Heft des Handelns hält Trump längst nicht mehr allein in der Hand.
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